Weniger Antibiotika für Kälber dank Impfung und Quarantäne

Kuh und Kalb

Ein Praxistest zeigte, dass «Freiluftkalb»-Betriebe fünfmal weniger Antibiotika-Behandlungstage registrierten als Vergleichsbetriebe.

Diane Kuhl/Shutterstock

Tiermedizin
Berner Forschende haben eine Methode mit dem Namen «Freiluftkalb»entwickelt, mit der sich der Antibiotikaeinsatz in der Kälbermast drastisch reduzieren und das Tierwohl verbessern lässt.

Die Schweizer Kälbermast braucht nach wie vor grosse Mengen Antibiotika. Das erhöht das Risiko für resistente Keime. Diese können zu schwer behandelbaren Infektionen bei Tieren und Menschen führen.

Die Forschenden um Mireille Meylan von der Vetsuisse-Fakultät der Uni Bern wandten ihr neues Konzept auf insgesamt 19 Betrieben an, wie der Schweizer Nationalfonds (SNF) am Donnerstag mitteilte. Die Auswertung ergab demnach, dass der Antibiotikaeinsatz auf den Versuchsbetrieben massiv reduziert, das Tierwohl verbessert und die Wirtschaftlichkeit auf vergleichbarem Niveau wie auf den 19 Vergleichsbetrieben gehalten wurde.

Quarantäne und kleine Gruppen
Die «Freiluftkalb»-Methode basiert auf drei wesentlichen Massnahmen: So sollen Mäster neue Kälber nur von Höfen zukaufen, die in ihrer Nähe liegen. Danach verbringen die jungen Kälber die ersten drei Wochen in Quarantäne in einem Einzeliglu, wo sie gegen Lungenentzündungen geimpft werden. Erst nach dieser Zeit kommen sie mit maximal zehn anderen Kälbern in ein Gruppeniglu, vor dem sich ein überdachter und eingestreuter Auslauf befindet.

Demnach wiesen die nach dem "Freiluftkalb"-Konzept gehaltenen Kälbern nicht nur weniger Atemwegs- und Verdauungskrankheiten auf, sondern auch frühzeitige Todesfälle waren seltener. «Das ist nicht zuletzt bemerkenswert, weil auch die Vergleichshöfe in Bezug auf die Gesundheit der Tiere durchaus vorbildlich abschnitten», liess sich der Tierarzt Jens Becker in der Mitteilung zitieren.

Antibiotika nur für jedes sechste Kalb
Zudem zeigte sich, dass auf den Vergleichsbetrieben jedes zweite Kalb im Verlauf seines Lebens Antibiotika benötigte, während es bei den «Freiluftkälbern» nur jedes sechste war. Auch die Behandlungsdauer verkürzte sich: Die «Freiluftkalb»-Betriebe verzeichneten fünfmal weniger Behandlungstage als die Vergleichsbetriebe.

Die Wirtschaftlichkeit der Betriebe mit der neuen Methode war ausserdem weitgehend ebenbürtig mit derjenigen von Betrieben mit dem IP-Suisse Label, wie die Forschenden berechneten. So wurde der leicht höhere Arbeitsaufwand für «Freiluftkälber» unter anderem durch die tiefere Sterblichkeit und eine gute Tagesmastleistung kompensiert, hiess es in der Mitteilung.

Anerkennung durch Labels nötig
Allerdings sei man in den Berechnungen davon ausgegangen, dass die «Freiluftkalb»-Methode ebenfalls Direktzahlungen für genügend Frischluft für die Kälber erhalten. Doch das wäre momentan wegen des Daches über dem eingestreuten Auslauf nicht der Fall, so der SNF. Deshalb brauche es eine Anerkennung durch Labels, Bundesämter und Grossverteiler, um das Konzept breit umzusetzen.

Das Projekt im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Antimikrobielle Resistenz» wurde vom SNF, von IP-Suisse, dem Migros-Genossenschaftsbund sowie dem Bundesamt für Landwirtschaft gefördert.

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