Alle Tiere machen Mist – und der Mensch macht daraus Papier

Tierwelt 6/2013
Schreibpapier aus Elefantendung, Fotoalben aus Kuhfladen. Recyclingenthusiasten in aller Welt beweisen, dass man mit Tierkot noch viel mehr machen kann, als das Feld zu düngen. 

Papier aus Tiermist? Da rümpfen die meisten Menschen erst einmal die Nase. Doch egal, ob man als Rohstoff Elefantendung, Kuhfladen oder Pandamist gebraucht, rieche das fertige Produkt ganz neutral, versichert Michael Flancman. Das habe zwei Gründe: Im Gegensatz zu den stinkenden Ausscheidungen von Tieren, die sich von Fleisch oder Fisch ernähren, rieche der Mist von Pflanzenfressern sowieso kaum. Zudem werde der verwendete Zellstoff bei der Verarbeitung natürlich gereinigt, sagt der gebürtige Kanadier, der mit seiner Familie seit rund zehn Jahren in Thailand lebt. Dort gründete er zusammen mit seiner Frau das Unternehmen «Alternative Pulp & Paper», das seit 2005 auch «Poopoopaper» (zu Deutsch: «Kackpapier») produziert.

Dass sich der Kot einiger Tierarten für die Papierherstellung eignet, liegt an ihrem Fressverhalten und Stoffwechsel. Elefanten, Pferde, Kängurus, Elche, Rentiere und andere vierbeinige Vegetarier vertilgen täglich grosse Mengen faserhaltiges Pflanzenmaterial wie Gras, Kräuter und Blätter. Da ihr Verdauungssystem relativ ineffizient ist, wird ein Grossteil der Fasern unverdaut wieder ausgeschieden. Wie viel «Rohstoff» ein Tier auf diese Weise liefert, hängt von seiner Grösse ab. Ein beeindruckendes Beispiel ist der Elefant, der pro Tag rund 200 Kilogramm Pflanzen verspeist und 50 Kilogramm Dung produziert – das reicht, um rund 115 Blatt Papier herzustellen.

«Wir spülen und kochen den Dung zu einer Pulpe, dem Papiergrundstoff. Den verstärken wir dann mit etwa 15 Prozent anderen Pflanzenfasern, die gerade in unserer Region verfügbar sind, zum Beispiel die nicht essbaren Teile von Bananenstauden und Maispflanzen. Wenn wir das Papier einfärben, nutzen wir natürliche Lebensmittelfarben», erklärt Flancman, der den Tiermist von Elefantenschutzparks und landwirtschaftlichen Betrieben im Umland bezieht. Anschliessend wird das Papier abgeschöpft und weiterverarbeitet. Neben Briefpapier, Grusskarten und Alben gibt es inzwischen auch «Kackpapier», das sich für den Drucker eignet.

Es gibt Papier aus Kot von Bisons, Kängurus, Schafen und Nashörnern
Flancman, der zahlreiche Kunden in Europa, den USA, Japan und Australien hat und seine Produkte über seine Website auch in die Schweiz verschickt, ist mit seiner Geschäftsidee nicht alleine. Das amerikanische Unternehmen «Dung and Dunger» verarbeitet Bisondung zu Papier, in Tasmanien nutzt «Creative Papers» Kängurukot. In Schweden gibt es einige kleine Hersteller von Papier aus Elchlosung, in Sri Lanka arbeitet man mit Elefantendung, «Sheep Poo Paper» in Wales bringt Schafkot von den Weiden in die Papierfabrik. Und in England verkauft «The Exotic Paper Company» Rentier- und Nashorn-Papier. 

Es ist wünschenswert, dass das Konzept in weiteren Ländern Nachahmer findet. Denn Papier aus Tierkot ist nicht nur eine originelle, sondern vor allem auch eine umweltverträgliche Geschäftsidee, die dazu beitragen kann, dass weniger Wälder für die Papierindustrie abgeholzt werden. Zudem könnte die Papierherstellung bei zahlreichen Zoos, Bauernhöfen und Reitanlagen, die regelmässig grosse Mengen Tiermist loswerden müssen, das Entsorgungsproblem lösen. 

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