Auf Tuchfühlung mit Grizzlybären

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cineworx
Dokumentarfilm «Der Bär in mir»
Der Berner Regisseur Roman Droux taucht zusammen mit dem Schweizer Bärenforscher David Bittner in die Welt der wilden Grizzlys ein. Sein Film lebt von ungeheurer Authentizität. 

Beinahe fühlt es sich an, als hätte man selbst eine Kamera um den Kopf geschnallt. Die Bilder wackeln bei jedem Schritt und plötzlich steht ein riesiger Grizzly vor einem. Ein kurzer Schreckmoment. Doch zum Glück befindet sich der erfahrene Schweizer Bärenforscher David Bittner in unmittelbarer Nähe. Das denkt sich nicht nur der Zuschauer, der in diesem Moment vergisst, dass er im sicheren Kinosessel sitzt, sondern vor allem der Berner Regisseur Roman Droux, der Bittner mit seiner Kamera durch die wilde Natur Alaskas begleitet und die Off-Stimme übernimmt. Er macht keinen Hehl daraus, dass er neben seiner Faszination für das mächtige Fabeltier auch Respekt und Angst hat.

Naturfilm zum Lernen und Staunen
Einen Sommer lang durchstreiften die beiden ein Küstengebirge, in dem die Bären das Sagen haben und keine Spur von menschlicher Zivilisation zu finden ist. Schnell wird deutlich, dass die Natur nicht nur mit ihrer Schönheit punktet. Sie offenbart auch eine brutale und gnadenlose Seite. Etwa wenn eine ausgehungerte Bärenmutter verzweifelt versucht, ihre Jungen durchzubringen. Oder sich Bärenmännchen buchstäblich bis aufs Blut bekämpfen. Bittner kommentiert solche Szenen sachlich und scheinbar emotionslos, während Droux hörbar betroffen ist.

«Die Erfahrungen und die nahen Begegnungen mit diesen Tieren, die ich während den Dreharbeiten erleben durfte, haben einiges in mir ausgelöst», sagt der Regisseur und Produzent Roman Droux. Zuvor sei der Bär für ihn ein gefährliches, unberechenbares Wildtier, das lethargisch hinter Gitter hin und her zottelte. «In der Wildnis von Alaska lernte ich ein Geschöpf kennen, das sehr differenzierungsfähig ist. Jedes mit individuellem Charakter», erzählt der Berner.

Auch der Zuschauer lernt viel über die nordamerikanische Unterart des Braunbären und sieht ihn am Ende mit anderen Augen. Dabei sind es nicht nur die fantastischen Aufnahmen, sondern die Mischung aus fachkundigen Erklärungen und einer einzigartigen, emotionalen Nähe, die «Der Bär in mir» zu einem authentischen Naturfilm mit einer sehr persönlichen Note machen. 

«Der Bär in mir», Dokumentarfilm, 92 Minuten, Verleih: cineworx, ab sofort in ausgewählten Kinos

Autor

Oliver Loga

Oliver Loga

Oliver Loga ist stellvertretender Chefredaktor. Er betreut unter anderem die Pferderubrik, was er sehr schätzt, da seine Frau stolze Halterin von zwei vierbeinigen Isländern ist. Obwohl Oliver nicht selbst in den Sattel steigt, pflegt er zu ihnen ein ebenso inniges Verhältnis wie zu seiner anhänglichen Stubentigerin Palina. Ein wichtiger Bestandteil seiner Freizeit ist zurzeit das Nachahmen von Tierstimmen für seinen kleinen Sohn. Besonders hoch im Kurs stehen dabei die gurrende Spitzschopftaube und der röhrende Hirsch.

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