Grüner Trend

Zimmerpflanzen
Zimmerpflanzen boomen. Gerade junge Menschen holen sich gerne das «Urban Jungle»-Gefühl in die Stube. Passend dazu stellt ein neues Buch die trendigsten Gewächse vor und zeigt, wieviel Wasser und Licht sie brauchen.

Grün ist in. Zumindest, wenn es nach Instagram geht. Dort sieht man gerade haufenweise Bilder von jungen, hippen Stadtmenschen, die ihre hippen Stadtwohnungen von oben bis unten mit Pflanzen vollstellen. «Urban Jungle» nennt sich der Trend.

Auch in der Schweiz scheint der Zimmerpflanzen-Trend einige Anhängerinnen und Anhänger zu haben. «Wir stellen eine erhöhte Nachfrage nach Zimmerpflanzen fest», heisst es bei Coop etwa auf Anfrage. Beim Zürcher Gartencenter-Betreiber Hauenstein seien gerade jetzt, wo es kühler werde, Zimmerpflanzen wieder mehr gefragt. Dabei werden vor allem einfach zu handhabende Pflanzen wie Schwiegermutterzungen (Sansevieria) und Glücksfedern (Zamioculcas zamifolia) gekauft, doch gerade Jüngere fragten auch öfter nach spezielleren Pflanzen. Bei Migros dagegen haben sich die Verkäufe seit dem Nachholbedarf nach dem Corona-Lockdown im Frühling auf dem Vorjahresniveau eingependelt.

Auf Facebook derweil gibt es Zimmerpflanzen-Gruppen mit Tausenden von Mitgliedern, in denen eifrig Pflanzen, Stecklinge und Tipps ausgetauscht und im Fall von Ersteren auch verkauft werden. Besonders Raritäten sind hoch im Kurs. Dazu gehören Variationen von Pflanzen mit panaschierten Blättern, also mit Stellen, an denen die Blätter kein Chlorophyll aufweisen, was ein dekoratives grün-weisses-Muster ergibt. Die panaschierte Version des Fensterblatts (Monstera deliciosa) kann da schon mal mehrere Hundert Franken kosten – auch Stecklinge gibt es nicht für lau.

Keine Deko, sondern Lebewesen
Es ist ja auch wirklich nicht zu verachten, das Dschungelfeeling für die Stube. Die Pflanzen sehen schön aus, vertreiben gerade in den Wintermonaten das triste Grau und sie bringen wortwörtlich Leben in die Bude. Denn mögen die Gewächse noch so tolle Deko-Objekte abgeben, eins darf man nie vergessen: Sie sind Lebewesen.

Das macht auch die englische TV-Gärtnerin und Pflanzenfreundin Alys Fowler in ihrem neu auf Deutsch erschienenen Buch «Plant Love – die perfekte Zimmerpflanze für jede Ecke» deutlich. In einer ausführlichen Einleitung taucht sie ein in die Physiologie und den Stoffwechsel der Pflanzen, erklärt, wie sie Photosynthese betreiben, warum man ihren natürlichen Lebensraum berücksichtigen soll und welche Schädlinge sich auf ihnen breitmachen können und wie man sie wieder los wird. Ausserdem hat Fowler viele nützliche Tipps für die Praxis auf Lager – vom Umtopfen bis zum Vermehren.

Danach wird Fowler konkreter. Von sonnig bis schattig stellt sie die bekanntesten und beliebtesten Zimmerpflanzen vor und gibt Tipps zur Pflege und zum Giessen. Viele der Gewächse stammen aus den Tropen und mögen daher eine hohe Luftfeuchtigkeit, was in unseren Breitengraden nicht immer gewährleistet werden kann. Das gilt beispielsweise auch für Vertreterinnen der Gattungen Alocasia und Calathea, die bei Hauenstein bei jungen Menschen besonders gefragt und «anspruchsvoller in der Pflege sind».

Auf Instagram zeigen Pflanzeninfluencerinnen wie die Luzernerin Miriam Schmid ihre «Urban Jungles»

Kein Patentrezept
Für beide Gattungen empfiehlt Fowler schattige Standorte, da die Gewächse des tropischen Unterholzes in ihrem natürlichen Habitat nie direktes Sonnenlicht erhalten. Dieses, so Fowler, würde die Blätter versengen. Für die Pflege einer Zimmerpflanze gibt es aber kein Patentrezept. Da hat man manchmal vermeintlich alles richtiggemacht und der Pflanze all das gegeben, was sie gemäss Handbuch braucht – gedeihen will sie trotzdem nicht.

In solchen Fällen sollte man sich nicht scheuen, die Ratschläge – auch wenn sie von erfahrenen Gärtnerinnen wie Alys Fowler kommen – in den Wind zu schlagen und es anders zu machen. Bei Alocasien und Calatheen zum Beispiel sollte nicht vergessen werden, dass die Lichtintensität in den Tropen viel höher ist als bei uns. So können sie je nach Lage des Zimmers schnell zu wenig Licht abbekommen und man kann getrost auch mit Fensterplätzen experimentieren. Denn echte «Schattenpflanzen» gibt es nicht, jede Pflanze braucht Licht.

Nichtsdestotrotz ist Fowlers Buch eine tolle Hilfe sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Zimmerpflanzen-Halterinnen. Neben den praktischen Tipps und Pflanzenportäts enthält es auch einen «Pflanzenfinder», mit dessen Hilfe man für jeden Standort den geeigneten neuen Mitbewohner finden kann.

Einige Beispiele von beliebten Zimmerpflanzen sehen Sie in unserer Bildergalerie. Weiter Zimmerpflanzen-Tipps gibts nächste Woche in der «Tierwelt».

Cover «Plant Love»

Alys Fowler: «Plant Love – die perfekte Zimmerpflanze für jede Ecke»
1. Auflage 2020
Taschenbuch, 176 Seiten
Verlag: Ulmer
ca. 20.- Franken
ISBN: 978-3-8186-1031-9

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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