Tiere müssen zusammenhalten

Dossier: Animationsfilmfestival Fantoche 2021 Baden
Gleich zwei grosse Filmprogramme am Fantoche-Animationsfilmfestival in Baden beginnen mit Tierfilmen. Blick auf eine fiktive und abgefahrene Tierdoku und eine anrührende Geschichte im Wald.

Animationsfilme als reine Unterhaltung? Dazu hat Samuel Patthey eine eigene Meinung. Im Interview mit «Tierwelt online» (Link) erzählte er am Donnerstag, dass viele Künstlerinnen und Künstler den Anspruch haben, Menschen mit ihren Filmen auf die Schönheit und den Wert der Natur und der Tiere hinzuweisen. Und darauf, wie wichtig es ist, Arten zu erhalten. Weil Kunst dies mitunter auf unterschwellige Art und Weise tun kann, ohne den Zeigefinger zu erheben, ist sie eine wichtige Ebene, um Menschen zu erreichen und eine Appell an sie zu richten. 

Am Animationsfilmfestival Fantoche in Baden geschieht dies in ganz unterschiedlicher Art und Weise. Gleich zwei grosse Programmblöcke beginnen mit animierten Tierfilmen. Im «Internationalen Wettbewerb 1» bietet der Amerikaner Dante Zaballa kuriose Einblicke ins Wesen der Tiere. Was er da in den Mantel einer «Dokumentation» verpackt hat, entbehrt dabei allerdings jeden wissenschaftlichen Erkenntnissen. 

Ab ins Museum!
Etwa, wenn er das Publikum mit der Aussage und den dazu gehörigen Bildern zum Schmunzeln bringt, dass die Tiere freiwillig ins Naturkundemuseum strömen, um sich – beziehungsweise ihre Knochen – dort auszustellen. Der Mensch sei vom Anblick fasziniert, weil ihm beim Museumsbesuch bewusst werde, dass auch von ihm dereinst nur Knochen übrig bleiben werden. Die Geschwindigkeit, mit der Zaballa seine kruden (und natürlich nicht ernst gemeinten) Theorien unter die rasch wechselnden Bilder legt, lässt dem Publikum im Kino keine Zeit zum Ausruhen. Das ist aber auch gut so und macht den Reiz ebendieses Filmes aus.

Bemol

Weitaus ruhiger und besinnlicher beginnt hingegen der «Schweizer Wettbewerb 2», der am Fantoche einheimisches Trickfilmschaffen vorstellt. Hier nimmt die Westschweizerin Oana Lacrois das Publikum auf einen romantischen Ausflug in die Natur mit: in «Bemol» pfeift zuerst einmal die Nachtigall fröhlich. Ihr Lied klingt durch den Wald. Es hat zugleich etwas Verbindendes: Alle Tiere sind von dessen Wohlklang abhängig.

Nach und nach tauchen sie auf: das schlaflose Bärenjunge, die streitenden Eichhörnchen, die tanzenden Schwäne. Plötzlich zieht ein Sturm auf, mit schwerwiegenden Folgen: Er schwächt die Nachtigall, die vor Kälte zitternd in einer Höhle Zuflucht such. Die Musik bleibt aus. Nun müssen die Tiere müssen zusammenhalten. Wie dies geschieht, sei hier nicht erwähnt, der Spannung halber. 

Autor

Leo Niessner

Leo Niessner

Leo Niessner ist «Tierwelt»-Online-Redaktor, Social-Media-Manager und News-Feed-Leser. Er berichtet gerne über Flora und Fauna oder über Menschen, die sich um Flora und Fauna verdient machen, und schöpft in den Bergen Energie. Er mag Tiere. Und Musik. Am liebsten solche, in der Tiere vorkommen – zu hören in den Spotify-Listen zu jeder «Tierwelt»-Ausgabe, die er mit der Redaktion Woche für Woche zusammenstellt. Und ja, er spielt auch selber Musik. Sein grösster Traum: eine eigene «Arche Leo», in der alle Tiere dieser Welt Platz haben. Mit einem VIP-Sektor für bedrohte Arten.  

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