Tierfreund trifft Tierfreund in der App

Hund und Besitzerin mit IPhone

Hmm, was kann ich meinen Hund wohl noch so alles beibringen?  Wer Geduld – und Glück hat – findet in der Clubhouse-App Tipps und Tricks.
 

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Panorama
Mitdiskutieren kann nur, wer eingeladen wird: Clubhouse heisst der neuste Schrei in der Social-Media-Welt. Erste Tierfreunde haben die Audio-Only-App für sich entdeckt, bisher allerdings nur zögerlich. Das könnte sich bald ändern. Wir haben uns in den Weiten der App umgesehen.

Gewiss, ein Uhr nachts ist nicht gerade die bevorzugte Stunde, um sich mit dem Thema Hundetraining auseinander zusetzen. Doch mancher bleibt gerne so lange wach, oder stellt gar den Wecker, um Tipps und Tricks zu erhalten und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Das jedenfalls zeigt sich in der Gruppe «Dog Lovers Club!» im Clubhouse.

Die Diskussions-App, die ausschliesslich auf Audio setzt, ist der neuste Trend in der Social-Media-Welt. Wie die App selber verzeichnet auch der Dog Lovers Club!» steigende Followerzahlen. Die Interessenten, die sich zu unwirtlicher Zeit einloggen, stammen aus unserer Zeitzone. Gemütlicher hat es, wer in den USA zuhause ist, wo die Diskussionsleiterinnen zuhause sind: Bei ihnen ist es wegen der Zeitverschiebung Dienstagnachmittag. 

Dog Lovers Club

Dass nicht absehbar ist, worüber sich die Teilnehmer im so genannten «Club» der «Dog Lovers» jeweils austauschen, scheint aber auch bei uns niemanden gross zu stören. Wen das Thema nicht interessiert oder wem die Gespräche zu langweilig sind, der verabschiedet sich mit Klick auf eine rot markierte Schaltfläche mit der Aufschrift «Leave silently» elegant und unauffällig aus der Runde. 

Wie gehaltvoll die Diskussionen sind, hängt einerseits von denjenigen ab, die sie lancieren. Dieses Privileg wird jedem zuteil, der auf in die Clubhouse-App eingeladen wird – nur so kommt man in den erlauchten, sich dennoch rasant erweiternden Kreis der User. Er darf seine eigene Gesprächsrunde oder seinen eigenen Monolog starten, in der Fachsprache «Club» genannt. Andererseits hängt die Qualität von den Teilnehmern einer solchen Runde ab und vor allem davon, ob sie Substantielle Wortmeldungen machen.

Im Fall des «Dog Lovers Club!» sind das eine Hundetrainerin aus San Diego und ihre Kollegin aus einer Stadt in Georgia in den USA. Sie haben Clubhouse als Kanal entdeckt, in dem sie ihr Wissen mit anderen teilen und sich damit gleichzeitig als Fachfrauen positionieren können. Den Werbeffekte für ihre Firmen dürfte ins Kalkül eingeflossen sein. 

Bisher scheint ihr «Club» zu den aktivsten, strukturiertesten und ambitioniertesten des Themenbereichs «Hunde» zu gehören: mit täglichen Diskussionsrunden zu Themen wie «Haustier-Nahrung», «Chat mit Tierärzten» oder «wissenschaftlichen Facts rund um Hunde». Wie wissenschaftlich sie allerdings sind, sollte – wie so oft auf Social Media – immer kritisch hinterfragt werden. Denn auch im Clubhouse lässt sich nur schwer eruieren, wer wirklich hinter den Referentinnen und Referenten steckt. Ganz abgesehen davon, dass es theoretisch möglich ist, sich mit falscher Identität auf der Plattform einzuloggen. 

Wer dem ganzen mit der notwendigen Skepsis gegenübersteht, kann den Diskussionen durchaus spannende Aspekte abgewinnen – sofern er die Clubs denn findet. Denn obwohl Clubhouse in aller Munde – und vor allem Ohren – ist: Die Themenbereiche «Tiere» und «Natur» sind bisher in diesem Universum vergleichsweise stiefmütterlich vertreten. Da ist auch nicht gerade förderlich, dass ebendiese Themengebiete in der Suchmatrix nicht explizit ausgewiesen sind. Lediglich für Diskussionen zum Thema «Klima» ist unter dem Grobbegriff «Wirtschaft» ein eigener Wahlbalken aufgeführt. 

Clubhouse

Es dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Tierfreunde prominent auf Clubhouse vertreten sind. Den Anfang machen die erwähnten Hundehalterinnen und Hundehalter, die vergleichsweise viele verschiedene Diskussionen führen, in vielerlei Hinsicht.

So gibt es es die Gruppe «Dog Influencer Secrets», die ihren Mitgliedern auf der ganzen Welt regelmässig Tipps gibt, wie sie mit den Hundebeiträgen auf ihren Instagram- und anderen Social-Media-Kanälen Geld verdienen können. Hier kann man sich Tipps für seinen Weg zumn professionellen «Hunde-Influencer» holen. 

Ebenfalls wachsen dürfte in nächster Zeit der «The Pet Club». Laut der Beschreibung auf Clubhouse soll mit ihm eine Gemeinschaft aus Tierbesitzern, Tierliebhabern, Tiertrainern und Tierärzten entstehen. Sie wollen sich später einmal über sämtliche Themen rund um ihre Lieblinge austauschen, vom Futter bis zu Gesundheitsfragen. Mit 83 Mitgliedern ist diese erlauchte Runde noch sehr übersichtlich. Doch auch hier dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich der Kreis erweitert. 

«Wachsen dürfte in nächster Zeit der «The Pet Club». Laut der Beschreibung auf Clubhouse soll mit ihm eine Gemeinschaft aus Tierbesitzern, Tierliebhabern, Tiertrainern und Tierärzten entstehen.
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Und das geschieht auf Clubhouse laufend, obwohl die App bisher nur Apple-Usern zur Verfügung steht. Trotzdem spielt die Zeit Clubhouse in die Hände. In vielen Teilen der Welt herrschen Ausgangsbeschränkungen oder Shutdowns, Vereinslokale sind geschlossen. Der Austausch mit anderen Tierhaltern, ja Menschen generell, findet vermehrt übers Internet statt. 

Clubhouse-Logo

Im Bereich von «Tieren» sowie «Natur und Umwelt» geschieht dies bei Clubhouse zwar bisher vor allem auf Englisch. Es ist aber gut denkbar, dass bald auch deutschsprachige Gruppen gegründet werden – sofern der Hype anhält und sich als nachhaltig erweist. Es wäre nicht die erste App, die kurz emporgejubelt wird, um danach in der Versenkung zu verschwinden. Und auch bestimmt nicht die letzte. 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Tier- und Natur-Gruppen auf «Clubhouse» gemacht? Diskutieren Sie auch unten in den Kommentaren mit.

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Autor

Leo Niessner

Leo Niessner

Leo Niessner ist «Tierwelt»-Online-Redaktor, Social-Media-Manager und News-Feed-Leser. Er berichtet gerne über Flora und Fauna oder über Menschen, die sich um Flora und Fauna verdient machen, und schöpft in den Bergen Energie. Er mag Tiere. Und Musik. Am liebsten solche, in der Tiere vorkommen – zu hören in den Spotify-Listen zu jeder «Tierwelt»-Ausgabe, die er mit der Redaktion Woche für Woche zusammenstellt. Und ja, er spielt auch selber Musik. Sein grösster Traum: eine eigene «Arche Leo», in der alle Tiere dieser Welt Platz haben. Mit einem VIP-Sektor für bedrohte Arten.  

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