Vögel gegen Quarantäne-Langeweile

Grafik Kornweihe

Die Kornweihe (vorne das Weibchen, hinten das Männchen) ist in der Schweiz ein sehr seltener Brutvogel. Auf dem Zug ist sie aber öfters zu beobachten.

Stuart Cox/Knesebeck

Buchtipp
Wenig Autos, wenig Menschenlärm, viel Zeit zuhause: Warum sich nicht mal den Vögeln widmen, die lautstark vor unseren Fenstern balzen? Das neue Buch «I like Birds» gibt Einstiegshilfe.

Es ist ruhig geworden in den Dörfern und Städten, es fahren weniger Autos und Züge. Die Menschen bleiben wegen der Coronakrise zuhause. Und in den Gärten, von den Balkonen und durch die offenen Fenster hört man nun eins besonders gut: das Zwitschern der Vögel.

Denn es ist Frühling und die Balzzeit ist in die Gänge gekommen – und so tun die Vögel, was sie im Frühling eben tun: aus vollem Halse singen. Ausserdem sind die ersten Zugvögel zurückgekehrt und stimmen in den Chor mit ein.

Es ist also die ideale Zeit, sich auch mal näher mit unseren gefiederten Freunden zu beschäftigen. Nicht nur sind ihre Gesänge wunderschön anzuhören und vermögen vielleicht sogar etwas Freude und Hoffnung in diese schwere Zeit zu bringen – sie helfen auch gegen allfällige Lockdown-Langeweile. Dazu passend kann man das im Februar auf Deutsch erschienene Buch «I like Birds» («Ich mag Vögel») des englischen Grafikdesigners und Illustrators Stuart Cox zur Hand nehmen. Es stellt sechzig charakteristische britische Vogelarten vor, von denen fast alle auch in der Schweiz heimisch oder mindestens ab und zu auf dem Durchzug zu beobachten sind – mit Ausnahme vielleicht der Küstenvögel. Diese sind bei uns wegen mangelndem Meer nicht vorhanden.

Cox stellt die Vögel auf vereinfachte, grafische Weise dar. Trotzdem sind die Arten leicht erkennbar. Zu jeder Art liefert er viele Hintergründe zur Lebensweise und Anekdoten, die man in einem «herkömmlichen» Vogelführer so nicht finden würde. Passend zur gegenwärtigen Situation schreibt Cox in der Einleitung: «Der Aufbau dieses Buches folgt der imaginären Reise eines Vogelbeobachters, der zunächst einen Blick aus dem Küchenfenster wirft und sich fragt: ‹Was ist das für ein Vogel?›, um dann seinen Weg aufs Land, in die Wildnis und ans Wasser fortzusetzen, weil das Vogelfieber ihn gepackt hat.» Denn man benötige nicht viel, um mit der Vogelbeobachtung zu beginnen – eigentlich nur ein Fenster.

Und so eins hat hoffentlich jeder zur Verfügung, der zur Zeit nicht aus dem Haus oder der Wohnung geht. Auch wer mitten in der Stadt wohnt, wird überrascht sein, wie viele Vögel es doch um ihn hat. Amseln und Spatzen zum Beispiel und die eben heimgekehrten Hausrotschwänze. Arbeitet man zur Zeit im Homeoffice, muss man sowieso früh aufstehen – zur optimalen Zeit also, um Vögel zu beobachten.

Natürlich muss man, wenn man sich ernsthaft mit Ornithologie beschäftigen will, einen ausführlichen Bestimmungsführer dabei haben. Doch dieses liebevoll gestaltete Buch kann einem als Einstieg viel Freude bereiten – und ist natürlich auch für all jene geeignet, die sich lieber doch nicht an eine praktische Anwendung heranwagen wollen, sondern einfach gerne lesen und sich ab den schönen Bildern freuen möchten.

Und hier noch das passende Lied: «I like Birds» von den Eels

Buchcover „I like birds“

Stuart Cox: I like Birds – die bunte Vielfalt unserer Vögel
1. Auflage 2020
Gebunden, 160 Seiten mit
zahlreichen farbigen Abbildungen
Verlag: Knesebeck, ca 23.- Franken
ISBN: 978-3-95728-370-2

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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