Vogelwelt in Gefahr

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Der grosse Brachvogel ist in der Schweiz als Brutvogel bereits ausgestorben und nur noch als Durchzügler zu sehen. In Deutschland gilt er als vom Aussterben bedroht.
Wildlife World/Shutterstock.com
Buchtipp
Vogelbücher gibt es nun wirklich genug, könnte man meinen. Das Werk von Peter Berthold und Konrad Wothe aber verfolgt einen neuen Ansatz: Es zeigt die einheimischen Vögel anhand ihrer Gefährdung.

Stolze Habichte, balzende Birkhühner, zwitschernde Rohrsänger, fürsorgliche Brachvögel. In vielen eindrucksvollen Fotos des deutschen Naturfotografen und Tierfilmers Konrad Wothe führt das Buch «Unsere einzigartige Vogelwelt» durch ebendiese Vogelwelt Deutschlands. Dabei sind die Vögel aber nicht wie in Führern üblich nach systematischen Gruppen geordnet, sondern nach der Schwere ihrer Gefährdung.

Die dazu gehörigen Texte stammen vom bekannten deutschen Ornithologen Peter Berthold. Seine neue Ansatzweise zeigt schnell: Es sind weitaus mehr Vögel gefährdet als nicht gefährdet. Und nur einigen wenigen geht es sogar so gut, dass ihre Bestände zuletzt zulegen konnten.  

Ganz am Anfang zeigt Berthold diejenigen Arten, die in Deutschland bereits «ausgeflogen», in unserem Nachbarland also ausgestorben sind. Dazu gehören beispielsweise Papageitaucher, Blauracke und das in der Schweiz ebenfalls ausgestorbene Rothuhn. Die nächsten Kapitel zeigen Arten, die sich im «Sturzflug» und im «Trudelflug» befinden. Hier zeichnet sich ein ähnliches Bild ab wie in der Schweiz: Stark gefährdet sind die Watvögel mit ihren langen Schnäbeln und Beinen sowie Vögel des Kulturlands, die unter dem Verlust ihres Lebensraums leiden. Ebenfalls schwer haben es in Afrika überwinternde Singvögel, die sich nicht schnell genug an den Klimawandel anpassen können und zu spät im Brutgebiet eintreffen. Sie verpassen somit den Zeitpunkt der grössten Verfügbarkeit von Insektennahrung und haben Mühe, ihre Jungen durchzubringen.  

Neozoen nisten sich ein
Im «Gleitflug» oder gar im «Aufwind» dagegen befinden sich viele Rabenvögel, die auch im überdüngten Agrarland noch Nahrung finden, sowie Singvögel, die am Mittelmeer überwintern und somit in ihrer Zugzeit flexibler sind. Auch einigen eingeführten Arten wie der Rostgans und der Nilgans, dem Halsbandsittich, sowie dem aus Südamerika stammenden Laufvogel Nandu scheint es gut zu gehen. Wie sich dies auf die einheimischen Vögel auswirkt, wird sich zeigen.  

Da viele in Deutschland heimische Vögel dies auch bei uns sind, lässt sich vieles aus dem Buch auf die Schweiz übertragen. Durch die Grösse des Landes und seinen Anschluss ans Meer brüten in Deutschland zwar viele Vögel, die in der Schweiz nicht vorkommen, doch die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, sind oft die Gleichen. So stimmt dieses Buch mit trotz seinen wunderschönen Fotos nachdenklich und auch ein wenig traurig. Und das ist wohl auch die Absicht. Das Buch zeigt die Schönheit der Vogelwelt, wie wir sie jetzt noch haben. Und vielleicht regt es ja den einen Leser oder die andere Leserin dazu an, bei ihrem Schutz mitzuhelfen, bevor es zu spät ist.

Titelbild zu "Unsere einzigartige Vogelwelt" mit zwei Bienenfressern drauf
 

Peter Berthold, Konrad Wothe: Unsere einzigartige Vogelwelt – die Vielfalt der Arten und warum sie in Gefahr ist
1. Auflage 2019 
Gebunden, 224 Seiten 
Verlag: Frederking & Thaler ca. 42 Franken 
ISBN: 9783954162734

Autor

Meret Signer

Meret Signer

Meret Signer ist «Tierwelt»-Online-Redaktorin, Biologin und Ornithologin. Genau so sehr wie Vögel liebt sie aber ihre flauschige Katze Redi, weswegen sie oft im Dilemma ist. Während Redi jedoch lieber zuhause faulenzt als auf die Jagd zu gehen, wandert Meret durch die Gebirge dieser Welt. Immer mit dabei: ihr Feldstecher.

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