Was in Bayern so kreucht

Alpensalamander (Salamandra atra Laurenti)

Scheues Tier, über dessen Verbreitung in Bayern nur wenig bekannt ist: Der Alpensalamander (Salamandra atra Laurenti) darf im Buch «Amphibien und Reptilien in Bayern» nicht fehlen.

Xseon/Shutterstock

Buchtipp
Mit dem Nachschlagewerk «Amphibien und Reptilien in Bayern» ist eine eindrückliche Wissens-Sammlungen erschienen. Ein Blick in das eindrückliche Sachbuch, das mehrere Kilos wiegt.

Allein schon der Umfang spricht Bände: Fast 800 Seiten umfasst das Nachschlagewerk «Amphibien und Reptilien in Bayern». Eindrückliches offenbart bereits der Blick ins Vorwort. Weit über 4000 Personen waren mit der Erhebung der Daten beschäftigt, die im Buch interpretiert und anschaulich dargelegt sowie in einen Zusammenhang gesetzt werden. Der Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz in Bayern e.V. (LARS) hatte sich als Herausgeber zudem die Herausforderung gestellt, über 500 Karten auszuwerten und Tausende von Nachweisen zu Fundorten von Tieren festzuhalten.

Diese Fakten lassen erahnen, dass sich ein solches Werk vor allem an natur- und tierinteressierte Menschen richtet und zugleich an Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Naturschutz und Politik. Letztere werden vor allem in Zusammenhang mit Naturschutzprojekten angesprochen.

Wer sein Biologiewissen auffrischen will, erhält eingangs die Möglichkeit dazu. Bevor die einzelnen Regionen Bayerns hinsichtlich des Vorkommens verschiedener Spezies unter die Lupe genommen werden, gibt es eine Einführung in die Systematik und Biologie der Amphibien und Reptilien. Dazu gehört auch ein ausführlicher erd- und naturgeschichtlicher Abriss – eine Grundlage, um die aktuelle Verbreitung und das Leben der Tiere zu verstehen. 

Dieser Teil des Buches ist auch für diejenigen interessant, die nicht in Bayern wohnen. Sie mögen zwar die Kapitel überspringen, die sich spezifisch mit der Geschichte einzelner Arten in den verschiedenen Regionen ebendieses deutschen Landesteils befassen. Wer sich dennoch in die Artikel und Tabellen vertieft, kann aus ihnen umfassende Erkenntnisse gewissen. Etwa zur Häufigkeit der Amphibien und Reptilien in verschieden Teilen Bayerns. 

Der Alpensalamander macht den Anfang
Wer Informationen über einzelne Arten sucht, wird in den folgenden Teilen des Nachschlagewerks fündig. Der Reigen beginnt mit dem Alpensalamander (Salamandra atra). Das Buch vermittelt zunächst detaillierte Informationen darüber, wie man ihn erkennt. Er ist etwa deutlich kleiner und schlanker als der Feuersalamander und nur mit etwas Glück zu finden. Denn diese Tiere, so ist weiter zu erfahren, führen eine versteckte Lebensweise. Dadurch weiss man nicht allzu viel über sie. Der Alpensalamander bevorzugt zudem eher kühle Lebensräume in mittlerer bis hoher Lage. Damit ist er eine Besonderheit unter den Amphibienarten Bayerns: Nur wenige mögen so hoch hinaus. 

Danach brechen die Autoren die Verbreitung und das Leben der Tiere auf Bayern herunter. Dies geschieht jeweils am Ende der vielen Kapitel, die immer einzelnen Arten gewidmet sind. Wer keinen Bezug zu Bayern hat, springt an diesem Punkt einfach zum nächsten Abschnitt. Wer indes im Bundesland selber wohnt oder sich für dessen Tierwelt interessiert, entnimmt auch diesen Darstellungen viel Interessantes. 

Weitere Kapitel sind dem Fadenmolch, Fröschen und Schlangen gewidmet. Dabei darf auch die Ringelnatter nicht fehlen, zu der es – wie so oft in dem monumentalen Werk – spannende Fotos gibt: Ein Knäuel von Ringelnattern sieht man schliesslich nicht jeden Tag. Wie bei jedem Tier gehen die Autoren der Frage nach der Verbreitung und Häufigkeit auf den Grund. 

Zerstörung und Schutz von Lebensräumen
Für Politiker und Naturschützer speziell interessant sind die Kapitel, die sich mit der Zerstörung der Lebensräume in Bayern befassen. Dieses Thema taucht immer wieder auf, wenn es um die Verbreitung und Bedrohung der einzelnen Arten geht. Trist ist besonders das Bild, das die Zerstörung eines Zauneidechsen-Lebensraums durch den Ausbau einer Bahnstrecke bei Mühldorf am Inn zeigt. Hier pochen die Verfasser des Buches auf Voruntersuchungen, die sicherstellen sollen, dass die Bauarbeiten keine negativen Auswirkungen auf die Tierpopulationen in den jeweiligen Gebieten haben. 

Es gibt aber auch die schönen Momente, die scheinbar unberührte Natur Bayerns. Sie darf im Buch ebenfalls nicht fehlen. Dazu gehört die Übersicht über Laichgewässer, in denen unter anderem der Moorfrosch zuhause ist. Da es sich dabei oft um Naturschutzgebiete handelt, die man nicht ohne Erlaubnis betreten darf, vermitteln die vielen Fotos Eindrücke.

Alles in allem ist «Amphibien und Reptilien in Bayern» eine Art Lexikon aller Tiere, die im Süden Deutschlands vorkommen und von denen viele auch in der Schweiz heimisch sind, mit vielen Tipps zum Schutz sowie fundiertem Wissen über die einzelnen Arten. 

Buchtipp Amphibien und Reptilien in Bayern

Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz e. V. (LARS): «Amphibien und Reptilien in Bayern»
2019
800 Seiten
Verlang: Ulmer
ca. 72.- Franken
ISBN 978-3-8186-0379-3

Autor

Leo Niessner

Leo Niessner

Leo Niessner ist «Tierwelt»-Online-Redaktor, Social-Media-Manager und News-Feed-Leser. Er berichtet gerne über Flora und Fauna oder über Menschen, die sich um Flora und Fauna verdient machen, und schöpft in den Bergen Energie. Er mag Tiere. Und Musik. Am liebsten solche, in der Tiere vorkommen – zu hören in den Spotify-Listen zu jeder «Tierwelt»-Ausgabe, die er mit der Redaktion Woche für Woche zusammenstellt. Und ja, er spielt auch selber Musik. Sein grösster Traum: eine eigene «Arche Leo», in der alle Tiere dieser Welt Platz haben. Mit einem VIP-Sektor für bedrohte Arten.  

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