Was kreucht und fleucht denn da?  

Heuschrecke

Um welche Heuschrecke handelt es sich da? Ein Blick ins grosse Insektenbuch hilft mitunter weiter (Lösung: Zu sehen ist Calliptamus italicus, eine Italienische Schönschrecke ). 

N-sky/Shutterstock

Panorama
Plötzlich sitzt sie da: eine Heuschrecke! So viel ist gewiss. Doch welche Art ist es genau? Die Chance besteht, dass das neue rund 1500 Seiten starke Insekten-Handbuch des BLV-Verlags die Antwort auf diese Frage liefert.

Das Werk ist eine umfassende und sauber gegliederte Sammlung mit tausenden Fotos von Falter, Fliege bis zu Käfer und Ameise.

Gewiss, für den gewöhnlichen Wanderrucksack ist dieses Buch schlicht zu schwer. Kein Wunder, umfasst das Nachschlagewerk doch über 1500 Seiten. Da konzentriert sich mancher wohl lieber darauf, den Fotoapparat – oder das Mobiltelefon – einzupacken und ein Foto zu machen, sobald ein Insekt in Sichtweite ist. Welches man da gerade vor der Linse hatte, kann man ja getrost später zuhause in aller Ruhe heraussuchen. Dabei leistet der neue BLV-Insektenführer gute Dienste. 

Allein schon die Zahlen sind imposant: Neben dem massiven Umfang steuerten die Autoren 3640 Fotos bei, eine wichtige Hilfe, wenn es ums Bestimmen der Arten geht. Denn selbst wer bisher immer dachte, Fliege sei Fliege oder Käfer sei Käfer und alle würden mehr oder weniger ähnlich aussehen, wird schnell eines Besseren belehrt. Es reicht, sich durch die jeweiligen Kapitel zu blättern und die Fotos zu vergleichen. 

Hilfreicher Farbcode
Um sich zurecht zu finden, sollte man allerdings zumindest erahnen, welcher Insektenfamilie das Exemplar angehört, das man gerade vor der Linse – oder in Natura vor der Nase – hatte. Denn das Buch ist nach Familien gegliedert. Kleine Farbstreifen auf den Seiten helfen bei der Orientierung. Los gehts mit den Schmetterlingen: Zuerst kommt Gelb, die Seiten der Tagfalter, dann Braun für Nachtfalter und Motten, später unter anderem Rot (Libellen). Gegen Ende des Buches findet man Kapitel für Käfer, Wanzen und Zikaden.  

Insektenbuch

Da gibt es die Graue Sandbiene (Andrena cineraria), die am Vorderkörper einen auffälligen weissen Pelzkragen besitzt, sowie die Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva). Und natürlich darf ein Abstecher in die Welt der Wespen nicht fehlen. Beim Blättern im vorliegenden Schmöker wird rasch klar, warum er so umfangreich ausgefallen ist. Statt sich auf eine Auflistung von Namen und eine Aneinanderreihung von Bildern zu konzentrieren, liefern die Autoren zu jeder Art wertvolle Informationen. Über das Winden-Federgeistchen (Pterophorus pentadactyla) etwa erzählen sie unter anderem, dass dieser Falter vollkommen weiss ist und dass sich dessen Raupe von Ackerwinde, Zaunwinde und Klee ernährt. Dazu liefert der Insekten-Führer gleich mehrere Fotos diverser Unterarten des Schmetterlings. 

Bei der Bestimmung von Hautflüglern ist das vorliegende Werk ebenfalls hilfreich. Auch Laien wird schnell klar, dass Biene eben nicht gleich Biene ist.

Wer schon etwas mehr über ein entdecktes Insekt weiss, ist mit dem umfangreichen Register der deutschen Insektennamen gut bedient und wird mit dessen Hilfe das passende Kapitel im Nu finden. 

Am Anfang waren ausgedehnte Exkursionen
Der Entstehung des Buches vorausgegangen sind übrigens zahlreiche Exkursionen, wie dem Text im Anhang zu entnehmen ist. Biologinnen und Biologen haben die Autoren und Naturfotografen Ewald und Marina Gerhardt zu wichtigen Insektenstandorten begleitet und ihnen Bildmaterial überlassen. Viele Bilder wurden aber auch extra für das Werk angefertigt, wofür die Autoren auch einmal an einem privaten Fischteich fotografierten. 

Gelehnt hat sich der Aufwand allemal. Denn der BLV-Insektenführer ist ein umfangreiches Werk, dass Licht ins die weite Welt der Insekten unserer Breitengrade bringt. 

Insekten-Buch

Ewald Gerhardt/Marina Gerhardt: «Insekten»
1. Auflage, 2021
1536 Seiten
Verlang: BLV
ca. 24.- Franken
ISBN 978-3-96747-048-2

Autor

Leo Niessner

Leo Niessner

Leo Niessner ist «Tierwelt»-Online-Redaktor, Social-Media-Manager und News-Feed-Leser. Er berichtet gerne über Flora und Fauna oder über Menschen, die sich um Flora und Fauna verdient machen, und schöpft in den Bergen Energie. Er mag Tiere. Und Musik. Am liebsten solche, in der Tiere vorkommen – zu hören in den Spotify-Listen zu jeder «Tierwelt»-Ausgabe, die er mit der Redaktion Woche für Woche zusammenstellt. Und ja, er spielt auch selber Musik. Sein grösster Traum: eine eigene «Arche Leo», in der alle Tiere dieser Welt Platz haben. Mit einem VIP-Sektor für bedrohte Arten.  

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