Wo Paradies und Hölle nah zusammen liegen

Blauwal

Abtauchen: Die 3sat-Doku «Blaues Wunder Pazifik (1/2) - Paradies und Hölle» (Themenbild).

Tomas Kotouc/Shutterstock

TV-Tipp
Wer im Pazifik überleben will, muss erbarmungslos und einfallsreich sein. Die Doku-Reihe «Blaues Wunder Pazifik – Paradies und Hölle» am Freitag auf «3Sat» taucht ab in die Tiefen des Ozeans. Dabei gewährt sie atemberaubende Einblicke in einen bedrohten Lebensraum.

Darf man das? Vielleicht haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt, während Sie eine Tier- und Naturdoku betrachteten. Sie liessen sich von der Schönheit und der Faszination der Bilder in den Bann ziehen – und klammerten dabei völlig aus, dass viele der gezeigten Paradiese und Arten bedroht sind. Auch im Zweiteller «Blaues Wunder Pazifik – Paradies und Hölle» ergeht einem schnell einmal so. Doch das ist auch gut so. Denn je mehr einen die Schönheit der Bilder fasziniert, umso mehr wird einem in der Regel bewusst, dass man sie achten und schützen muss. Filme wie die Reihe «Blaues Wunder Pazifik» leisten ihren Beitrag dazu. Darum ist die Episode auch in der Mediathek von «3Sat» zurzeit frei zugänglich. 

Abtauchen
Gleich am Anfang des Films schon ist man fasziniert, vergisst alles um sich herum. Das Abtauchen in den grössten und tiefsten Ozean der Welt nimmt einen vom ersten Moment an gefangen. Die Filmcrew beobachtet eine Gruppe von Blauwalen, die tonnenweise Krill aus den Gewässern filtern und scheinbar schwerelos durchs endlose Blau gleiten. Ja, hier scheint die Welt auf den ersten Blick in Ordnung, die Natur intakt.

Doch der Kommentator zwingt einen kurz darauf abrupt zum Auftauchen in die Wirklichkeit. Und die sieht alles andere als erfreulich aus: Immer wieder würden Wale mit Schiffen kollidieren und unter anderem durch die Erderwärmung schrumpfen die Krillschwärme. Somit schwindet das Nahrungsangebot für die Ozeangiganten langsam aber sicher.

Extreme in den Tiefen des Meeres
Danach geht es wieder hinab in die Tiefen des Meeres. Wer hier überleben will, muss sich den Extremen anpassen und fantasiereiche Überlebensstrategien entwickeln. Wie die Quallen, die sich in der Strömung treiben lassen – ein faszinierendes Farbspektakel, das die Filmer da eingefangen haben. Gleichzeitig eines, das in Tat und Wahrheit tödlich endet, sobald man mit den Lebewesen in Berührung kommt: Starke Gifte in den Nesseln helfen den Tieren, in dieser Umgebung zu überleben und Beute zu machen.

Zwischendurch verlässt die Kamera die Tiefe des Ozeans und begibt sich an dessen Gestaden. Stets auf der Suche nach Lebewesen, die nicht direkt nur im, aber am und vom Meer leben. Krokodile zum Beispiel, die ihr Territorium in heftigen Rivalenkämpfen verteidigen und dabei mitunter schwer verletzt werden. Zwischendurch begeben sich ins tiefere Wasser. Die Doku zeigt allerdings, dass sie keine ausdauernden Schwimmer sind. Und so gehen die Echsen etwas später lieber wieder an Land.

Vulkane unter Wasser
Wer über den Pazifik berichtet, darf nicht vergessen, dass er von einem 40'000 Kilometer langen Feuerring umzogen ist, dem grössten zusammenhängenden Vulkangürtel der Erde. Nicht nur auf dem Land brodelt es dank ihm, sondern auch unter Wasser: Zwei Drittel aller aktiven Vulkane der Erde befinden sich im Pazifik, ist im Film zu erfahren. das ganze wird von tragischen Klängen untermalt. Danach – zu getragener Filmmusik – widmet sich die Doku winzigen Kraken, die nur mit einem guten Makro-Objektiv zu erkennen sind.

Spätestens, wenn die Abspann folgt, kommen die Gedanken zurück, die man so schön verdrängt hat: dass dieses Habitat bedroht ist. Ja, diese atemberaubende, fantastische Meereswelt, dieser Lebensraum für unzählige Arten muss erhalten bleiben. 

«Blaues Wunder Pazifik (1/2) - Paradies und Hölle»:

Freitag, 6. August
17.30 Uhr
3Sat
Als Stream auch in der 3sat-Mediathek erhältlich (Link).

Autor

Leo Niessner

Leo Niessner

Leo Niessner ist «Tierwelt»-Online-Redaktor, Social-Media-Manager und News-Feed-Leser. Er berichtet gerne über Flora und Fauna oder über Menschen, die sich um Flora und Fauna verdient machen, und schöpft in den Bergen Energie. Er mag Tiere. Und Musik. Am liebsten solche, in der Tiere vorkommen – zu hören in den Spotify-Listen zu jeder «Tierwelt»-Ausgabe, die er mit der Redaktion Woche für Woche zusammenstellt. Und ja, er spielt auch selber Musik. Sein grösster Traum: eine eigene «Arche Leo», in der alle Tiere dieser Welt Platz haben. Mit einem VIP-Sektor für bedrohte Arten.  

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