Mit kleinen Schritten aus dem Lockdown-Alltag

Hund mit Herrchen im Homeoffice
Covid-19
Die Corona-Pandemie stellt auch für viele Hunde eine Ausnahmesituation dar. Ein Hundetrainer rät, die Vierbeiner frühzeitig auf das Ende der Massnahmen vorzubereiten.

Nicht nur unser, sondern auch das Leben unserer Hunde hat sich im Zuge der Corona-Pandemie stark verändert. So verbringt gemäss einer Studie vom Februar dieses Jahres jeder zweite Erwerbstätige in der Schweiz aufgrund der Pandemie mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit im Homeoffice. Lebt ein Hund im selben Haushalt, wirkt sich das selbstverständlich auch auf dessen Alltag aus. 

Ginge es nach den Hunden, würde sich an der Situation nichts ändern. Schliesslich geniessen sie seit nunmehr einem Jahr die Vorteile, die die Corona-Pandemie für sie mit sich bringt: Sie verbringen den ganzen Tag mit Herrchen oder Frauchen. Die Zeiten, in denen er zuhause, beim Dogsitter oder in der Pension warten musste, bis Herrchen oder Frauchen von der Arbeit kamen, hat er wohl längst vergessen. Und der Junghund, der erst vor ein paar Monaten, also während der Corona-Pandemie, eingezogen ist, weiss noch nicht mal, dass seine Zweibeiner eigentlich ausser Haus arbeiten gehen, um den Futternapf zu füllen. 

Frühzeitige Gewöhnung nötig
Der Lockdown wird jedoch eines schönen Tages – hoffentlich! – vorbei sein und der ganz normale Alltag zurückkehren. «Das sollte Mensch und Tier nicht unvorbereitet treffen», mahnt Pascal Bischof. Der Hundetrainer und Inhaber einer Hundepension in Wynau BE und eines Hundehorts in Murgenthal AG fürchtet, dass sich Hündeler mit dem Ende des Lockdowns auf schwierige Zeiten gefasst machen müssen. «Denn der Hund ist ein Gewohnheitstier und kann sich nicht von einem auf den anderen Tag darauf einstellen, einige Stunden alleine im Haus zu bleiben, wenn er vorher immer mit seinem geliebten Rudel zusammen war.» Auch die Rückkehr in die Hundebetreuung sei mit Vorbereitungen verbunden. Damit es weder zu Trennungsangst beim Hund kommt noch zu Überlegungen, das Tier gar abzugeben, solle man sich bereits jetzt Gedanken machen über die Zeit nach dem Lockdown. 

Bischof rät mit Blick auf den Tag X, den Hund im Lockdown nicht allzu sehr zu verwöhnen. So sollten vor Beginn der Arbeit im Homeoffice sämtliche Spielzeuge an einen Ort verräumt werden und der Hund am besten in einem anderen Raum ins «Platz» gelegt werden. «So setzen wir ein klares Zeichen, dass jetzt Arbeitszeit angesagt ist», erklärt der Hundetrainer. Im Gegensatz dazu solle der Hund dann auf Spaziergängen mit der vollen Aufmerksamkeit überhäuft und mit spannenden Aufgaben ausgelastet werden. «So lernt er, dass er in der gemeinsamen Freizeit zu hundert Prozent auf Herrchen oder Frauchen zählen kann.» Ganz nach dem Motto: Erst die Arbeit, dann der Hundespass. 

«Ist der Hund auf einen Menschen fixiert, der dann plötzlich viele Stunden abwesend ist, wird das Tier unter Umständen grossem Stress ausgesetzt.»
Pascal Bischof
Hundetrainer

Ausserdem sei es ratsam für Hund und Halter, sich auch im Homeoffice zeitweise getrennt voneinander aufzuhalten. «Hunde neigen häufig dazu, ständig auf seinen Menschen zu achten und auf den Moment zu warten, wann er endlich wieder für ihn da ist», sagt Bischof. «Er braucht aber unbedingt die Fähigkeit, auch ohne den Menschen entspannen zu können. Das muss gezielt trainiert werden.» Auch das Alleinbleiben sollte jetzt – obwohl es nicht nötig ist – geübt werden. Damit es dann, wenn die Zeit des Homeoffice vorbei ist, für den Hund keine grosse Sache mehr ist. 

Des Weiteren rät Bischof, den Hund nicht ausschliesslich auf eine Person zu fokussieren. Als Rudeltier sei der Hund durchaus gewohnt, sich mit mehreren Personen zu umgeben. «Ist er nur auf einen Menschen fixiert, der dann plötzlich viele Stunden abwesend ist, wird das Tier unter Umständen grossem Stress ausgesetzt», sagt der Hundetrainer. «Hat er jedoch mehrere vertraute Personen um sich, kann er das eher verschmerzen.» Dazu zählen neben Familienmitgliedern auch vertraute Personen aus der Hundebetreuung. 

Platz in der Hundebetreuung sichern
Wenn der Hund vor der Corona-Pandemie in einer Hundepension oder bei einem Hundesitter war, sollte man den Kontakt nicht abreissen lassen und den Hund zeitweise – obwohl es gerade nicht notwendig ist – dorthin bringen. «Auf diese Weise hält man die Gewohnheiten des Tieres aufrecht», führt Bischof aus. «Seine Hundesitter bleiben ihm bekannt, seine Artgenossen vertraut und das dortige Rudel im Gleichgewicht.» Ist die Homeoffice-Zeit vorbei, muss der Hund dann nicht wieder mühevoll an alte Gewohnheiten erinnert werden. 

Wenn der Hund gerade erst adoptiert wurde und nach dem Lockdown in einer Hundebetreuung gut aufgehoben sei, biete es sich an, jetzt bereits den Kontakt aufzunehmen und sich einen Platz zu sichern. «Nach der Pandemie wird der Run auf diese Einrichtungen gross sein», vermutet Bischof. Darüber hinaus könne der Hund jetzt in Ruhe eingewöhnt werden. 

Auf diese Weise sichere man sich gleichzeitig die Unterstützung von Profis. Die Hundeschulen befinden sich nämlich grösstenteils ebenfalls im Lockdown. Hundetrainerinnen und -trainer sind somit schwer erreichbar, die Teilnahme an Kursen fast unmöglich, wie Pascal Bischof zu bedenken gibt. In der Hundebetreuung seien jedoch Experten vor Ort, die mit fachmännischem Blick erste Auffälligkeiten erkennen und Ratschläge haben, wie sie direkt zu korrigieren sind. Auf dass nach der Corona-Pandemie nicht nur Herrchen und Frauchen, sondern auch die Hunde entspannt aufatmen können. 

Autor

Carmen Epp

Carmen Epp

Kurz nach ihrem ersten Einsatz für die «Tierwelt» 2014 hat sich Redaktorin Carmen Epp – fürs Hunde-Ressort zuständig – einen Traum erfüllt und sich einen Hund zugelegt – auf Spesen, wie man munkelt. Nach einem kurzen Abstecher in ihre Heimat, den Kanton Uri, kehrte sie zur «Tierwelt» und ins Hunde-Ressort zurück. Daneben betreut sie die Ressorts «Natur und Umwelt» sowie die Leserkolumnen, während Boston Terrier Chippy unter dem Tisch schnarchend sein Redaktionshundedasein geniesst – und so manchen Input fürs Hunde-Ressort liefert.

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