Höchste Zeit, an den Winter zu denken

Kaninchen knabbern Kräuter
Kaninchenfutter
Die Sonne hat ihren Höchststand erreicht. Nun heisst es Heu- und Kräutervorräte anlegen, damit die Kaninchen auch im Winter gut versorgt sind.

Der Johannistag am 24. Juni ist ein wichtiger Lostag und zudem Wendepunkt im bäuerlichen Jahr. Der Sonnenstand hat seinen Höhepunkt erreicht, ab jetzt nimmt das Licht allmählich wieder ab. Heilpflanzen enthalten nun besonders viele Wirkstoffe und werden gesammelt. Getrocknet verhelfen sie den Langohren in der vegetationsarmen Jahreszeit zu gesunder Abwechslung oder lassen sich gezielt bei gesundheitlichen Störungen einsetzen. 

Die mineralien- und eiweissreiche Brennnessel (Urtica dioica) gehört zu den Klassikern. Sie regt den gesamten Stoffwechsel an, stimuliert das Immunsystem, ist blutbildend und stärkend und mehrt die Milchproduktion der Muttertiere. Brennnesseln enthalten viel organisch gebundenes Eisen und gehören zu den besten blutbildenden Pflanzen. Zusätzlich verbessern sie als sogenannte Einschleuserpflanze die Eisenaufnahme des Organismus. Brennnesseln regen die Produktion neuer Blutkörperchen an und stärken Langohren nach einer Krankheit oder nach der Geburt. Für den Wintervorrat werden die Pflanzen am einfachsten gebündelt und aufgehängt getrocknet. 

Eine der wichtigsten Heilpflanzen für Kaninchen ist Beifuss (Artemisia vulgaris). Er gehört zu den verlässlichen Lebensrettern, wenn ein Kaninchen unter Verdauungsproblemen leidet, und sollte deshalb in keinem Kräutervorrat fehlen. Die kraftvolle Heilpflanze wurde früher «Mutter aller Pflanzen» genannt und begleitete die Menschen auf ihren Wanderungen. So findet man Beifuss heute nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Asien und Nordamerika.

Die aromatische Bitterpflanze fördert die Durchblutung des Bauchbereiches, regt Leber und Galle an und war früher geschätztes Gewürz und Verdauungshelfer für fette Speisen. Zudem ist Beifuss eine wichtige Frauenpflanze. Er verbessert die Fruchtbarkeit der Kaninchen, regt den Geschlechtstrieb an und fördert die Geburt. Während der Trächtigkeit sollte Beifuss nicht verfüttert werden. Für Jungtiere ist er hingegen hilfreich, denn er hemmt Kokzidien und hilft beim Aufbau einer gesunden Darmflora.

Kräuter halten Kaninchen gesund
Ebenfalls kokzidienhemmend sind Dost (Origanum vulgare) und Nelkenwurz (Geum urbanum). Auch sie werden jetzt geerntet und getrocknet. Die drei Kräuter lassen sich gut mischen und in der empfindlichen Phase den Jungtieren als natürliches Kokzidiostatikum verfüttern. Schafgarbe (Achillea millefolium) ist eine Heilpflanze mit besonders breiter Wirkung. Ihre volkstümlichen Namen wie Allheil oder Neunkraft deuten darauf hin. Sie enthält Bitterstoffe und ätherische Öle, gehört also, wie auch Beifuss, zu den aromatischen Bittermitteln. Schafgarbe regt Appetit und Verdauung an, beseitigt Blähungen, hilft bei Darmentzündungen, Infektionen und Fieber, stillt Blutungen und heilt Wunden. Ausserdem ist sie ein allgemeines Stärkungsmittel.  

Eine weitere Heilpflanze sollte als Erste-Hilfe-Mittel in keiner Stallapotheke fehlen: Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) ist ein verlässlicher Stopper von Blutungen und hilft nach einer schweren Geburt oder nach einer Verletzung. Man verfüttert es direkt oder macht einen Tee und gibt ihn dem
Patienten ein. Hirtentäschelsamen helfen zudem gegen Mückenlarven. Dazu streut man sie auf stehendes Wasser, in dem sich die Plagegeister entwickeln. 

Kräuter halten Kaninchen gesund, Heu macht sie satt. Man rechnet pro Kaninchen eine Heuballe pro Jahr, also etwa 20 Kilogramm Heu ist die Basis einer gesunden Kaninchenfütterung. Es beschäftigt die Tiere und erfüllt mit seiner faserreichen Struktur ihre physiologischen Bedürfnisse; gute Heufresser neigen kaum zu Verdauungs­problemen.

Wer eine eigene Wiese hat, kann sich glücklich schätzen. Oft findet sich aber auch die Möglichkeit, kleine Parzellen unter Hochstammbäumen oder an Borden zu nutzen. Selber Heu machen ist zwar schweisstreibend, aber beglückend. Als Lohn winken der unvergleichlich feine Heuduft, ein wohlgefülltes Heulager – und tiefer Schlaf nach der ungewohnten Arbeit.

Geschnitten wird am besten am Morgen, wenn das Gras noch taufeucht ist. Das Wetter sollte mindestens drei Tage lang sonnig und trocken sein. Lässt das stabile Azorenhoch auf sich warten, kann man gutes Heu mithilfe von Heinzen machen. Man lässt das geschnittene Gras einen oder zwei Tage lang trocknen, dann hängt man es auf Heinzen. Nun kann man den Regenschauern gelassen zuschauen: Das Wasser läuft über die Oberfläche des Heus ab, innen bleibt es trocken. Am nächsten sonnigen Tag hängt man das Heu ab und breitet es aus. Es trocknet innert weniger Stunden vollständig und kann jetzt eingelagert werden. Heizenheu ist von guter Qualität; es enthält mehr wertvolle Blätter, was unsere langohrigen Feinschmecker schätzen.

Heu darf nie gleich nach der Ernte verfüttert werden. Es durchläuft eine Fermentation, erwärmt sich dabei und verliert weiter Feuchtigkeit. Erst nach sechs Wochen ist das Heu bereit zum Verfüttern.

Blattheu bietet Mineralstoffe
Früher wurde auch Blattheu für den Winter gemacht. Laub hat einen beachtlichen Futterwert und ist mit seinem Gehalt an Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen ein gesundes Ergänzungsfutter für den Winter. Die Blätter sind reich an Kalzium, Magnesium, Natrium, Kalium und Spurenelementen. Der Eiweissgehalt reicht von 13 Prozent der Trockenmasse bei Spitzahorn bis 20 Prozent bei der Birke. Der Trockensubstanzgehalt ist mit rund 35 Prozent wesentlich höher als bei Gras (rund 20 Prozent).

Durch die sekundären Pflanzenstoffe ist Blattheu ein Gesundheitsfutter. Äste von Esche, Rotbuche, Hainbuche, Erle, Birke, Hasel, Weide sind für Kaninchen besonders geeignet. Sie werden im Juli geschnitten und luftig aufgehängt. Sind die Blätter trocken, werden sie abgestreift und in Papiersäcken aufbewahrt.

Kommentare (0)