Achtung bissig!

Katze faucht und zeigt Zähne
Beissgefahr
Beissen und Kratzen stellt für viele Katzen-Halter ein Problem dar. Gemäss einer neuen Studie zeigen Freigänger und Katzen aus Mehrkatzenhaushalten weniger häufig aggressives Verhalten.

Eben noch hat sich die Katze genüsslich  streicheln lassen und im nächsten Moment beisst sie zu: Aggressives Verhalten von Katzen ist nicht nur gefährlich für die Menschen, sondern führt nicht selten dazu, dass die betreffenden Tiere vernachlässigt, im Tierheim abgegeben, ausgesetzt oder gar euthanasiert werden. Dabei kommen Aggressionen recht häufig vor. Laut einer Studie der veterinärmedizinischen Fakultät im kanadischen Ontario gehören Aggressionen gar zu den häufigsten Verhaltensproblemen überhaupt. Für ihre Studie befragte das Forschungsteam rund um Kristina O’Hanley die Besitzer von 262 aus dem Tierschutz adoptierten Katzen im Alter zwischen einem und sechs Jahren. Dabei gab ein Drittel der Befragten an, dass die Aggressionen ihrer Katze in Form von Beissen und Kratzen ein grosses Problem darstellten. 

Am gefährlichsten sind demnach Spiel- und Streichel-Situationen. Ein gängiger Rat für die Halter von bissigen Büsi besagt denn auch, dass diese ihre Tiere stets aufmerksam beobachten sollen, um auch frühzeitig erkennen zu können, wenn Freude und Begeisterung in Unlust oder gar Aggression umschlagen. 

Laut dem im Wissenschaftsmagazin «Applied Animal Behaviour Science» veröffentlichten Bericht konnte nun eine Reihe von Faktoren identifiziert werden, welche aggressives Verhalten begünstigen können. Demnach zeigen Katzen ohne Freigang signifikant häufiger Verhaltensprobleme als ihre Kolleginnen, welche sich draussen nach Lust und Laune austoben dürfen. Aggressionsprobleme treten zudem häufiger in Einkatzenhaushalten auf als in Mehrkatzenhaushalten. Und schliesslich werden «intakte» Katzen häufiger wegen Aggressionsproblemen in die Tierarztpraxis gebracht als kastrierte. 

Ein entschiedenes «Nein!» hilft nicht
Einen positiven Effekt stellte das Forschungsteam hingegen fest, wenn die Katzenhalterinnen bei der Erziehung ihrer Tiere das psychologische Prinzip der positiven Verstärkung einsetzten. Dabei wird – vereinfacht gesagt – erwünschtes Verhalten mit einem positiven Reiz, etwa einem Leckerli, belohnt. Die positive Konsequenz führt gemäss Lehrbuch dazu, dass die Katze das betreffende Verhalten künftig immer häufiger zeigt und etwaige Unartigkeiten bestmöglich veschwinden.

Überhaupt zeigten die untersuchten Katzen ein ausgeglicheneres Verhalten, wenn mit ihnen trainiert und ihnen irgendwelche Tricks beigebracht wurden. Wobei sich schwer feststellen lässt, ob die Halter von friedlichen Katzen mehr Lust verspüren, mit diesen zu spielen und zu trainieren, oder ob das friedfertige Verhalten eine Folge davon ist. Eindeutig kontraproduktiv ist es laut der Untersuchung hingegen, wenn die Halter ihre Katze bei unerwünschtem Verhalten festhalten, meiden oder mit dem Kommando «Nein!» zu korrigieren versuchen. 

Dass Katzen abgegeben werden, weil sie ihre Halter kratzen oder beissen, erlebt auch der Zürcher Tierschutz. Laut seiner langjährigen Erfahrung liegen dem aggressiven Verhalten häufig Schmerzen, Unwohlsein oder Krankheiten zugrunde, sagt Rommy Los vom Zürcher Tierschutz: «Darum steht bei uns die medizinische Abklärung im Vordergrund, wenn wir diesbezüglich auffällige Katzen im Tierheim erhalten.» Fühle sich eine Katze an ihrem Rückzugsort belästigt oder bedrängt, sei aggressives Verhalten zudem verständlich. Neben dem erwähnten Gesundheitscheck setzt der Zürcher Tierschutz auf Zeit und Geduld. «Wir haben zwei kombinierte Katzen-Bürozimmer, wo wir den Katzen die Möglichkeit geben, sich ohne Zeitdruck an andere Menschen zu gewöhnen, um somit das gezeigte Verhalten vielleicht wieder abzulegen», sagt Los.

Autor

Andrea Trueb

Andrea Trueb

Andrea Trueb hat die Diplomausbildung Journalismus am MAZ in Luzern absolviert und die letzten zwanzig Jahre auf verschiedenen Redaktionen gearbeitet. Ihr Privatleben teilt sie unter anderem mit Sittichen und Katzen.

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