Gewisse Menschen nennen Yorkshire Terrier despektierlich «Handtaschenhunde». Die Minis passen tatsächlich problemlos in eine Handtasche. Aber sie sind voller Energie – und auch wenn sie gerne kuscheln und anhänglich sind, sind sie keineswegs Schosshunde. Yorkshire sind wie ihre 33 Cousins der Terrier-Familie forsche, mutige, selbstbewusste Draufgänger. Dies mussten sie in ihrenAnfängen auch sein.

Die Hunde wurden im 18. Jahrhundert in Schottland und in der nordenglischen Grafschaft Yorkshire zur Bekämpfung von Ungeziefer gezüchtet. Zu Zeiten der aufkommenden Industrialisierung waren viele Menschen mausarm und hausten in beengten Verhältnissen bei mangelhafter Hygiene. Die Folgen waren Rattenplagen in den Arbeitersiedlungen. Auf die Jagd nach ihnen gingen die kleinen Vierbeiner, die ihrer Grösse wegen geeignet waren, Ratten in allen Winkeln und Ecken aufzustöbern, sowie wenig Platz wegnahmen und nicht allzu viel Futter brauchten.

Der Yorkshire ist ein typischer Vertreter der Terrier, die auf den britischen Inseln eigens als Jagdhunde gezüchtet wurden. Es handelt sich meist um mittlere oder kleinere Vierbeiner, die in der Lage waren, ihre Beute bis unter die Erde zu verfolgen und diese aus dem Bau zu treiben. Darauf, dass die Hunde bei der Jagd «zu Boden gehen», spielt auch der Name «Terrier» an. Er geht auf «terra» zurück, dem lateinischen Wort für Erde und Boden.

Erdhunde standen am Anfang

Erste Hinweise auf kleine britische Jagdhunde stammen aus dem 15. Jahrhundert, als unter anderem eine Äbtissin bei einer Aufzählung aktueller Rassen neben Windhund, Bastard, Mastiff, Wachtelhund, Spürhund und Hofhund auch den Erdhund nennt. Das englische Wort dafür war «teroures». 1576 berichtete der Leibarzt von Königin Elizabeth I. von zänkischen und bissigen Hunden, die nur im Stall geduldet werden konnten, und nannte sie «Terrar».

Sie hatten die Aufgabe, Wild aus Bauten zu holen. Auch der schottische Hof beschaffte Erdhunde, die gute Fuchstöter sein mussten. Welche Terrier dies waren, ist unbekannt. Zeichnungen zeigen Hunde, die einem Foxterrier ähneln. Die einen bezeichneten die Jagdhunde als Bastarde zwischen Mastiff und Beagle, andere zählen zwei Arten auf, eine krummbeinige und eine geradeläufige.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstand durch wohlüberlegte Auswahl der Tiere über Generationen hinweg eine eigene Rassengruppe, die sich klar von anderen Hunden abgrenzte. Die damaligen Terrier waren entweder «rauhaarig, kurzbeinig und mit langem Rücken» oder «glatthaarig, höher auf den Läufen und mit einem eher kurzen Rücken», ihr Fell in den Farben Schwarz, Gelb-Weiss, Rötlichgrau oder Schwarz-bräunlich. Wie heutzutage der West Highland White waren bereits damals die weissen Terrier äusserst beliebt.

Umstrittene Kampfhunde

Alle Rassen, die meist nach der Herkunftsregion oder der wichtigsten Zuchstätte benannt wurden, hatten die Aufgabe, Wild zu stellen. Die einen Terrier setzte man ein, um Fuchshöhlen, Dachsbauten oder Kaninchenkessel ausfindig zu machen, hineinzukriechen und die Wildtiere daraus zu vertreiben. Auf der Jagdliste anderer Rassen standen Marder, Iltisse, Wiesel, Wildkatzen und Otter oder Mäuse und Ratten.

Auf Letztere setzte man in der mittelenglischen Grafschaft Staffordshire die Vorfahren des Staffordshire Bullterrier an. Aus dem Rattenjagen entstand ein blutiger Sport namens Rattenbeissen. Dabei gewann der Hund, der möglichst viele Ratten in möglichst kurzer Zeit tötete. Bis zum Verbot von Hundekämpfen 1835 waren Bullterrier die bevorzugte Rasse dafür. Sie haben bis heute als Kampfhunde einen schlechten Ruf wie auch ihre Cousins aus Übersee. Dort setzte man den American Staffordshire im ab 1880 gewerbsmässig betriebenen Hundekampf ein.

Bei der Jagd brauchte man unterschiedliche Terrier für die Arbeit im Gestrüpp einerseits und für den Einsatz im offenen Gelände oder im Schnee andererseits. Dies alles führte zu einer Vielfalt an Rassen. Ihren Ursprung als Gebrauchs- und Jagdhunde können sie alle nicht verleugnen. Meist nicht grösser als ihre Beute, sind Terrier unerschrocken und angeboren furchtlos. Ängstliche Hunde konnte man nicht zur Ungeziefervertreibung brauchen.

Die stämmigen Terrier sind für ihre Kleinheit ausgesprochen stark sowie schnell auf den Beinen und haben eine kräftige Halsmuskulatur, da sie Wildtiere schütteln und töten mussten. Dies zeigen sie etwa, wenn sie Bälle, Teddybären oder anderes Spielzeug instinktiv durch die Luft wirbeln lassen. Viele spielen gerne mit dem Ball. Dieser Drang kann sich zu Hause in Verspieltheit äussern, aber auch in Frechheit. Die als stur, selbstbewusst und intelligent geltenden Hunde sind loyal, ordnen sich aber nicht gerne unter – und treffen gerne eigenständige Entscheidungen.

Viel Bewegung und Beschäftigung nötig

Deshalb brauchen sie eine konsequente Erziehung, eine feste Hand und klaren Ansagen. Aus diesen Gründen sind Terrier, die längst in erster Linie Familien- undBegleithunde sind, nicht sonderlich für Hundeanfänger geeignet. Ausserdem brauchen sie viel Bewegung und Beschäftigung. Wenn nicht zur Jagd, dann zumindest zum Jagdersatz-Training sollte man den Terrier mitnehmen, raten Experten. Dies können Apportierübungen sein oder Fährtenarbeit. So ist der Hund geistig wie körperlich ausgelastet.

Gelangweilte Terrier neigen zu Kläfferei, da sie darauf getrimmt wurden, bei der Jagd laut zu bellen, wenn sie ihre Beute aufgestöbert haben. Andere gehen ihrem starken Reiss- und Zerreisstrieb nach, indem sie Gegenstände zerkauen. Schliesslich darf man Terrier nieunterschätzen: Selbst die kleinsten wie Yorkshire, Cairn oder West Highland White huschen beim Spaziergang auf und davon, wenn sie eine Fährte wittern, und können weder einer Maus noch einem Eichhörnchen widerstehen.

Die Terrier-Hitliste von Y bis A

Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) teilt Hunde in Gruppen und Sektionen ein. Die Terrier-Familie ist die Gruppe 3 mit den vier Sektionen hochläufige, niederläufige, bullartige sowie Zwerg-Terrier. Einige Rassen wie der Russische Schwarze Terrier oder der Boston-Terrier sind offiziell keine Terrier. Von den 34 anerkannten FCI-Terrierrassen sind viele auch in der Schweiz beliebt. Eine Auswahl an Terriern.

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Yorkshire

Der Yorkshire ist mit seinen maximal 23 Zentimetern Höhe einer der kleinsten Terrier. Er wirkt süss und dürfte auch deshalb zu den beliebtesten Hunderassen der Schweiz überhaupt gehören. Ende Juni waren in der Schweiz 18'233 Yorkshire registriert, dies ist Platz drei aller Rassehunde in der Schweiz und der erste Rang in der Terrier-Beliebtheitsskala. Der Kleine hat es in sich: Zur Bekämpfung der Ratten- und Mäuseplage gezüchtet, ist der Yorkshire couragiert, selbstbewusst und versucht gerne, seine Artgenossen zu dominieren.

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Jack Russell und Parson Russell

Seine Wurzeln hat der Jack Russell in Grossbritannien. Doch die Rasse stammt aus Australien, wo man sie aus dem Foxterrier entwickelte. Mit der Zeit entstanden zwei Züchtungen: der kleinere und länger gebaute Jack Russel sowie der grössere, aber kompaktere Parson Russell. In Australien setzte man sie gegen die Fuchsplage ein. In der Schweiz sind vor allem die lebhaften Jack Russell beliebt. Sie belegen mit 17'021 Tieren Rang zwei der Rangliste, die unerschrockenen Parson Russell liegen mit 3287 Hunden auf Platz vier.

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West Highland White

Mutig, aufmerksam und fröhlich sind die «Westies» aus den schottischen Highlands. Der kleine weisse Terrier mit den schwarzen Knopfaugen ist weniger rauflustig als seine Cousins, da er früher im grossen Rudel Kleinwild jagte. Er ist äusserst verspielt, gilt als friedfertig und verträgt sich meist sehr gut mit anderen Artgenossen. Der gewitzte West Highland White wird oft in Werbefilmen eingesetzt. In der Schweiz lebten Ende Juni 3547 Westies – Platz drei der Terrier-Hitparade.

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American Staffordshire und Staffordshire Bull

Auf den Rängen fünf und sechs liegen zwei der umstrittensten Hunderassen überhaupt. AmericanStaffordshire (3216) und Staffordshire Bullterrier (3133) wurden zu Kampfhunden gezüchtet und so werden sie bis heute bezeichnet. Der «Amstaff» steht in 13 Kantonen auf der Liste für Hunderassen, die man als gefährlich einstuft und für die man eine kantonale Bewilligung braucht. In den Kantonen Genf, Wallis und Zürich ist die Haltung verboten. Der Bullterrier ist in elf Kantonen bewilligungspflichtig sowie im Wallis und in Zürich verboten. In Grossbritannien aber gilt er als kinderlieber Familienhund. Man nennt ihn dort deshalb auch «Nanny Dog» (Kindermädchenhund).

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Cairn

Eine der ältesten Terrierrassen ist der Cairn. Er stammt direkt von den zur Fuchs- und Dachsjagd eingesetzten Erdhunden ab, wurde allerdings als Letzter als eigenständige Rasse anerkannt. Dabei dürfte eine Rolle gespielt haben, dass man weisse Welpen anfangs als West Highland White Terrier registrierte. Der moderne Cairn geht auf eine Zucht auf der schottischen Insel Sky zurück. Von dort aus eroberte der zähe, maximal 33 Zentimeter grosse Hund mit dem starken Jagdtrieb die Welt. So auch die Schweiz mit 1853 Cairn-Terriern.

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Border

Bereits Gemälde aus dem späten 18. Jahrhundert zeigen Hunde bei der Dachs- und Fuchsjagd, die dem heutigen Border Terrier ähneln. Der aus dem schottisch-englischen Grenzgebiet kommende hochbeinige Hund ist kaum rauflustig, dafür aber lebhaft, neugierig und lauffreudig. So kann man ihn auch problemlos auf einen Ritt hoch zu Pferd mitnehmen. Doch Achtung: Auch sein Jagdinstinkt ist ausgeprägt. In der Schweiz gibt es 1181 Border Terrier.

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Jagdterrier

Nicht aus Grossbritannien, sondern aus Deutschland stammt die Rasse, die schlicht Jagdterrier heisst. Er ist zwar kinderlieb, eignet sich aber weniger zum Familienhund. Denn der Jagdterrier will einzig jagen und dabei geschossenes Wild zum Jäger bringen oder Enten aus dem Wasser apportieren. Der Jagdterrier, von dem es in der Schweiz 755 gibt, hört denn auch nur auf seine Bezugsperson und nimmt nur von ihr Befehle und Anweisungen an.

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Airedale

Mit 60 Zentimetern Höhe ist der aus der Grafschaft Yorkshire stammende Airedale Terrier der grösste der Familie. Seine Vorfahren dürften «Otterhounds»gewesen sein, die man mit schottischen Hütehunden und anderen Terriern kreuzte und dann als Jagd- und Wachhunde einsetzte. In den Weltkriegen dienten die kontaktfreudigen, ausdauernd und robusten Airedales als Melde- und Sanitätshunde. Noch heute stehen sie als Rettungs- und Spürhunde im Dienst der britischen Behörden. In der Schweiz sind die 574 Airedales in erster Linie Familienhunde.