Das Wort «Therianthropie» setzt sich aus den beiden altgriechischen Bezeichnungen für «wildes Tier» und «Mensch» zusammen. Doch nicht nur die griechische Mythologie ist voll von Menschen und Göttern, die sich in Tiere verwandeln können. 

Höhlenmalereien lassen darauf schliessen, dass sich unsere Vorfahren seit jeher Geschichten von solchen Mischwesen erzählten. Ob sie tatsächlich daran glaubten oder bloss Rituale ihrer Schamanen abbilden wollten, ist unklar. 

Fakt ist, dass noch Jahrtausende später Menschen auf die Anklagebank zitiert wurden, weil sie sich nachts als Wölfe herumgetrieben haben sollen – so geschehen im Rahmen der Hexenverfolgungen in der frühen Neuzeit.

Therians werden cool 

Jenseits von Kinoleinwänden glaubt heute kaum noch jemand an die physische Existenz von Werwölfen. Was im Geiste vor sich geht, ist jedoch eine andere Geschichte. Mit dem Aufkommen des Internets entwickelte sich eine Subkultur von Leuten, die sich wie Tiere fühlen und teilweise auch so verhalten wollen. 

Die Szene nennt sich «Therians» – in Anlehnung an den Begriff Therianthropie. Auf Videos zeigen sie sich gerne mit Tiermasken oder Ganzkörperkostümen, was auf der Social-Media-Plattform Tiktok einen regelrechten Hype auslöste. 

Was der Grund ist, weshalb manche Menschen in ihrem Geiste ein Tier vermuten, ist bisher unklar. Vielleicht liegt der Ursprung in einer intensiven Identitätssuche, vielleicht in einem esoterisch geprägten Weltbild – oder in einem weiteren Geheimnis unserer Gehirnsynapsen, das noch gelüftet werden will.