Es war ein Schock für sämtliche Tierschutzorganisationen: Die Registrierungspflicht für Katzen schien schon fast in trockenen Tüchern, als der Nationalrat sie im vergangenen Mai dann doch noch bachab schickte. Dabei hätte diese Motion die überfüllten Tierheime endlich ein bisschen entlasten können. Viele der jährlich rund 10‘000 vermissten Katzen könnten dank Mikrochip rasch nach Hause zurückgebracht werden, statt den oft monatelangen Umweg über ein Tierheim zu nehmen.

Eine Registrierungspflicht wäre auch für die Statistik hilfreich. Denn wie viele Katzen tatsächlich in der Schweiz leben, weiss niemand so genau. Angesichts der zunehmend überquellenden Tierheime scheint jedoch klar: Es sind schlicht zu viele.

Was ist zu tun, damit die Schweizer Katzenpopulation nicht noch mehr aus dem Ruder läuft? Vorschläge für eine Kastrationspflicht haben in Bundesbern derzeit kaum Chancen. Es wirkt, als ob sich niemand an diesem emotionalen Thema die Finger verbrennen wollte. Auch Forderungen nach einem temporären Import- und Zuchtverbot verpufften bald ins politische Nirwana. Vorgebracht hatten sie Umweltschützer, die sich wegen den vielen Katzen um bedrohte Amphibien und Vogelarten sorgten. 

Unterdessen appellieren Bürgerliche an die Selbstverantwortung. Auf vielen Höfen gelten Katzen als unverzichtbare Schädlingsbekämpfer, weshalb oft bewusst nicht alle kastriert werden. Viele Bauernfamilien kümmern sich gut um die Tiere, lassen sie impfen und entwurmen. Unkontrollierte Vermehrung treffe man zwar auf Höfen an, ebenso aber bei Privathaltern oder Zuchten, die aus dem Ruder laufen, sagte die Präsidentin der Tierschutzorganisation NetAP, Esther Geisser, vor anderthalb Jahren gegenüber SRF. «Wir bekommen täglich bis zu 40 Meldungen wegen Katzen, die Hilfe brauchen», schilderte sie die damalige Situation, die sich zunehmend verschärft. Dass etwas gegen diese Entwicklung unternommen werden muss, scheint klar. Wie so oft schieben sich die unterschiedlichen Interessenvertreter jedoch gegenseitig die Verantwortung zu. Denn eine Kastrationspflicht würde vermutlich nur Freigänger betreffen, ein Zuchtverbot hauptsächlich Wohnungskatzen. Und ob ein Importverbot nicht bloss den illegalen Handel ankurbelt, ist fraglich.

Mit Sicherheit hilfreich wäre hingegen ein Ende des Rassentrends. Würde jeder Katzenfreund einem Heimtier gegenüber einer Zuchtkatze den Vorzug geben, wäre dies bereits ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Zur PersonIrene Müller ist Redaktorin der TierWelt und sehnt sich ein Ende der unkontrollierten Vermehrung von Katzen herbei.