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Der künstliche Hund, der unsere Daten frisst

Sie laufen auf vier Beinen, geben Pfötchen und führen Tricks vor. Und doch gleichen diese Hunde nur bedingt unseren Fellnasen: Roboter-Hunde sind in aller Munde. Die künstlichen Kläffer haben aber auch ihre Schattenseiten.

Hunde aus Stahl, vierbeinige Roboter als Nachtwächter oder Kriegsmaschinen, die wie ein Rüde daherkommen: Vierbeiner gibt es mittlerweile nicht mehr nur aus Fleisch und Blut, sondern auch aus Schrauben und Kabeln. Eigentlich sollte man sich darauf freuen dürfen, die chromfarbenen Freunde ins Herz zu schliessen. Sie sind nicht nur langlebig und spannend, sondern auch weniger anspruchsvoll als echte Hunde. Das Potenzial der neuen Technologie ist jedoch fast so überwältigend, wie die mit ihr daherkommenden Sicherheitsbedenken. Nicht nur die Wissenschaft beschäftigt sich intensiv mit den Roboter-Hunden, sondern auch die Ethik. Damit, was diese alles können – und eben auch dürfen. Solche Fragen sind nicht neu. Im Jahr 1942 stellte der Schriftsteller Isaac Asimov in einer Reihe von Kurzgeschichten drei Gesetze der Robotik vor: dass Roboter keinen Menschen schaden dürfen, dass sie Menschen immer schützen müssen, dass sie aber auch ihre eigene Existenz schützen müssen. Heute sind diese moralischen Debatten aktueller denn je.

Zurzeit gibt es unzählige Variationen des Roboter-Hundes. Auch ein Schweizer Modell hat bereits für Aufsehen gesorgt. Der sogenannte «ANYmal», entwickelt an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), gewann für seine Orientierungsfähigkeit schon Preise. Der kleine Vierbeiner verfügt über zwei verschiedene Navigationsfunktionen, die zwar unabhängig voneinander arbeiten, einander aber beeinflussen. Einerseits tastet die Maschine ihre Umgebung mit den Füssen ab, andererseits kann sie sich realitätsgetreue Landschaftsinformationen durch Sensoren und Computersimulationen einholen. Dadurch lernt sie, auch Wasserpfützen oder Schnee zu durchqueren, obwohl ihre Beinsensoren solche Flächen als Hindernisse einstufen. Mithilfe dieser Funktionsweise ist der kleine Vierbeiner sogar auf eine Wandertour am Etzel im Kanton Schwyz mitgegangen und war dabei angeblich sogar schneller als der Durchschnittswanderer.

Diese Entwicklung birgt auch Vorteile für uns Menschen: Der Stahlhund könnte etwa bei Bränden oder Naturkatastrophen eingesetzt werden. Zudem könnte er dort zum Zuge kommen, wo wir Menschen im Moment ohne Hilfsmittel gar nicht hingelangen, etwa in enge Höhlengänge oder auf den Mars. Ausserdem ist das Schweizer Modell das einzige komplett wasserdichte Exemplar seiner Art.

Der künstliche Hund, der unsere Daten frisst
«Spot», der wohl berühmteste Roboter-Hund.

Vom Internet-Phänomen zur Kriegswaffe

Der wohl berühmteste Roboter-Hund heisst Spot und wurde von der US-Firma «Boston Dynamics» hergestellt. Im Internet wurde er schnell zum Star und inzwischen ist er auch bei vielen Elektronikfirmen hoch begehrt. So sehr, dass sich Robotik-Unternehmen weltweit mit seiner Technologie auseinandersetzen und modifizierte Versionen entwickeln. Der Vierbeiner und seine Nachahmer können Türen aufmachen oder Gegenstände heben sowie Bomben entschärfen, Grenzwachen begleiten oder Grossanlagen überwachen.

Der Gedanke, Spot als Wachhund oder als Waffe einzusetzen, ist nur teilweise seinen Schöpfern zu verdanken. «Boston Dynamics» arbeiteten zwar in der Vergangenheit mit dem US-Militär zusammen, die Realität sieht heute aber anders aus. Die Firma unterstützt aktiv die Regierung, distanziert sich aber öffentlich von bewaffneten Varianten ihrer Erfindung.Unternehmen wie «Ghost Robotics» versuchen, diese Marktlücke zu schliessen. Sie haben sich darauf spezialisiert, die Technologie aufzurüsten und zu verkaufen.

Inzwischen ist eine Version auf dem Markt, die sogar ein Scharfschützengewehr auf dem Rücken trägt. «Ghost Robotics»-Chef Jiren Parikh argumentiert, dass Roboter schon seit langer Zeit im Krieg eingesetzt werden, etwa in Form von Drohnen. Und weil Menschen die Steuerung der Hunde übernehmen, seien moralische Bedenken über deren Nutzung «dumm».

Mein bester Freund, der Roboter-Hund

Aus China gibt es eine Version des Vierbeiners für zu Hause. Der sogenannte «Cyberdog» des Smartphone-Herstellers «Xiaomi» wurde im Jahr 2021 mit einem Ankündigungsvideo enthüllt, das an eine Autowerbung erinnerte. Während solche Maschinen eigentlich für Rettungs- und Forschungsarbeiten gebaut werden, ist die chinesischen Nachahmung für durchschnittliche Hundeliebhaber gedacht. Sie beherrscht den Rückwärtssalto, kann umherhüpfen oder sich auf Kommando hinlegen. Mit drei Kameras nimmt der Köter seine Umgebung wahr und lernt per Algorithmus, Hindernisse zu umgehen. Zusätzlich hat das chinesische Unternehmen die Programmierung des Roboters öffentlich gemacht, so dass jeder Besitzer seinen eigenen Hund «aufziehen» kann. Diese Variante ist mit etwa 1300 Euro übrigens fast zehnmal so billig wie ihre amerikanischen Artgenossen.

Der künstliche Hund, der unsere Daten frisst
Der chinesische «Cyberdog» ist zwar elegant, birgt aber viele mögliche Gefahren.

Auch das Exemplar für zuhause lässt viel Platz für Skepsis. Elektronik aus China, etwa von «Huawei» oder «TikTok», sorgt seit Jahren regelmässig für Skandale bezüglich Datenschutz. Auch «Xiaomi» ist in dieser Hinsicht nicht frei von Kontroversen. Viele chinesische Tech-Firmen sammeln Nutzerdaten, die zur Personalisierung von Werbung, aber auch zur Überwachung, Spionage und Erpressung genutzt werden können. So auch «Xiaomi», wenn auch angeblich nur für Werbezwecke und zur Optimierung des Geräts. Dennoch ist Vorsicht geboten: «Cyberdogs» Kamera, Mikrofone und Sensoren könnten nicht nur seinem Herrchen zum Vorteil werden. Zudem kann jede komplexere Technologie von Hackern gekapert werden – ebenfalls ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko.

Was passiert, wenn bewaffnete Roboter-Hunde in die falschen Hände geraten? Oder wenn eine fremde Person durch die Kamera des elektronischen Haustieres blickt? Auch wenn es sich nur um Hunde handelt, stehen doch viele beunruhigende Fragen im Raum. Denkt man zurück an Asimovs drei Gesetze der Robotik, wünschte man sich fast, diese würden tatsächlich gelten.

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