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Ferien mit Hacke und Schaufel

«Wwoofer» robben auf den Knien durch Gärten, rammen Pfosten in die Erde und misten Ställe aus, während sich andere am Strand sonnen. Wer entscheidet sich für diese schweisstreibende Art von Ferien auf Biobauernhöfen?

Wwoof» tönt wie ein kläffender Hund, ist aber in Tat und Wahrheit das Akronym für eine weltumspannende, vor über 50 Jahren gegründete Organisation. Die Ziele von «Worldwide Opportunities on Organic Farms» sind, den Austausch zwischen der Stadt- und Landbevölkerung zu fördern sowie Gästen auf Zeit Wissen aus erster Hand zu vermitteln.

Es geht um einen naturverbundenen Lebensstil und um eine Landwirtschaft, die sich an biologischen Massstäben ausrichtet. Der Deal zwischen Freiwilligen und Gastgebern: Erstere helfen während rund fünf Stunden pro Tag auf dem Hof mit und erhalten im Gegenzug Kost und Logis. Das Modell ist gefragt, weltweit sind laut Schätzungen 90’000 Menschen pro Jahr am «Wwoofen», in der Schweiz rund 300.

Auch der Biohof Fruchtwald in Homberg (BE) empfängt mehrmals pro Jahr Menschen aus aller Welt. «Wir tun dies, weil wir Menschen gernhaben und uns für andere Kulturen interessieren», sagt Marc Schlotterbeck, der den Betrieb oberhalb von Thun zusammen mit seiner Frau führt. Seit über 30 Jahren nehmen die beiden Freiwillige auf, welche Einblick in ihr Leben erhalten möchten. Auf dem Anwesen mit grossem Gemüse- sowie Hochstamm-Obstgarten und 30 Mutterschafen haben bereits Reiselustige aus allen Kontinenten während zwei oder mehr Wochen mit angepackt. «Bei uns gibt es immer etwas zu tun», sagt Schlotterbeck lachend.

Improvisieren & instruieren

Unlängst waren Textilstudenten aus der Millionenmetropole Taipeh vor Ort und auch an den allerersten Gast aus Brasilien kann sich der engagierte Biobauer noch bestens erinnern: «Ganz zu Beginn unseres Wwoof-Engagements korrespondierten wir mit den Interessierten per Briefpost. Das erforderte eine lange Vorausplanung.» Tempi passati: Längst erreichen ihn die Anfragen auf dem digitalen Weg via Wwoof-Plattform. Es sind viele. Zu viele für das eine Gästezimmer. Maximal fünf Personen pro Jahr erhalten jeweils grünes Licht für einen Aufenthalt.

Dem vorgängigen Austausch zum Trotz: Erst nach der Ankunft zeige sich jeweils, wie vertraut die Gäste mit Landwirtschaft und der Arbeit im Freien seien. «Einige packen tüchtig mit an, andere können sich auf den Weiden kaum fortbewegen.» Flexibilität und Offenheit ist auch bei der Kommunikation gefragt, wenn Begriffe in einer anderen Sprache nicht zur Hand sind.

Trotz diesen Herausforderungen: Die Bauersleute denken nicht ans Aufhören, in wenigen Tagen trifft ein Gast aus Japan ein. Auch ihre eigenen Töchter hat das «Wwoof»-Fieber längst gepackt; sie sind mehrfach in die weite Welt gezogen, um gegen Kost und Logis zu ackern. Marc Schlotterbeck freut dies: «Es ist einfach eine tolle Art, zu reisen und ein Land auf eine ganz andere Art zu entdecken.»

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