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Wandern und Mountainbiken in der Schweiz: Koexistenz oder getrennte Wege?

Die Schweizer Berge sind Sehnsuchtsort für viele – für Wandernde genauso wie für Mountainbiker. Doch je stärker die Wege genutzt werden, desto häufiger geraten die unterschiedlichen Ansprüche an Natur und Erholung aneinander.

Die Schweiz liebt das Wandern. Durchs Land ziehen sich über 65'000 Kilometer Wanderwege und locken jedes Jahr Millionen Menschen in die Berge. Gleichzeitig boomt seit Jahren das Mountainbiken. Besonders während der Corona-Pandemie schnellten die Verkaufszahlen in die Höhe. Laut Velosuisse wurden 2020 erstmals über 500'000 Velos verkauft. Die tatsächliche Zahl dürfte sogar noch höher gelegen haben, da Lagerbestände und ältere Modelle restlos verkauft wurden. Vor allem E-Mountainbikes verzeichneten mit über 40 Prozent Wachstum einen regelrechten Boom. Die technische Entwicklung machte anspruchsvolle und steile Strecken plötzlich auch für weniger trainierte Menschen zugänglich.

Doch je voller die Wege werden, desto häufiger treffen unterschiedliche Erwartungen aufeinander. Wandernde suchen Ruhe, Natur und Erholung. Mountainbiker dagegen oft Tempo, Herausforderung und Abenteuer. Doch auch Hundebesitzer, Reiter und Wildtiere sind auf engem Raum anzutreffen. Besonders in Wäldern sorgt dann das schnelle und oft überraschende Auftauchen von Bikes immer wieder für heikle Situationen. Hunde erschrecken, Pferde reagieren nervös und Wildtiere werden gestört – vor allem dann, wenn Wege verlassen oder Dämmerungszeiten genutzt werden. Dass Konflikte entstehen, überrascht kaum. Die Diskussion um Mountainbikes auf Wanderwegen wird seit Jahren emotional geführt. Im Zentrum steht dabei immer dieselbe Frage: Sollen Wandernde und Mountainbiker die Wege gemeinsam nutzen oder braucht es eine konsequente Trennung?

Koexistenz oder Entflechtung?

Die Berner Wanderwege liessen aus diesem Grund 2023 und 2024 zwei Umfragen durchführen – einmal durch das Marktforschungsinstitut «intervista» und einmal unter den eigenen Mitgliedern. Beide Studien kamen zum klaren Ergebnis: Die Mehrheit lehnt die gemeinsame Nutzung der Wege ab. In der intervista-Umfrage empfanden knapp 60 Prozent die Koexistenz als «eher nicht gut» oder «überhaupt nicht gut». In der Befragung der Mitglieder lag dieser Wert sogar bei rund 70 Prozent. Der Verein setzt sich deshalb zunehmend für eine Entflechtung der Wege ein – also für separate Wander- und Bikewege, besonders dort, wo viele Menschen unterwegs sind oder Wege schmal und unübersichtlich sind.

Auch innerhalb der Bike-Community ist das Thema präsent. Die IMBA Schweiz, die sich für die nachhaltige Förderung des Mountainbikesports einsetzt, befragte 2021 über 1170 Mountainbiker zu Konflikten auf Trails. Der durchschnittliche Teilnehmer war dabei männlich, 44 Jahre alt, fuhr seit vielen Jahren regelmässig Mountainbike und bezeichnete sich selbst als erfahrenen Fahrer. Mehr als drei Viertel der Befragten sitzen mindestens einmal pro Woche auf dem Bike, über die Hälfte sogar mehrmals.

Interessant ist vor allem die Frage nach den Motiven. Entgegen dem Klischee des reinen Adrenalinjunkies nannten die meisten Befragten Landschaft und Natur als wichtigsten Grund fürs Mountainbiken – noch vor Fitness, Spass oder Abenteuer. Gleichzeitig zeigte die Umfrage aber auch Unsicherheiten: Nur ein Viertel empfindet die Regeln und Betretungsrechte im eigenen Kanton als klar kommuniziert. Fast die Hälfte weiss nicht immer genau, welche Wege offiziell befahren werden dürfen. Konflikte entstehen also nicht nur infolge Rücksichtslosigkeit, sondern oft auch wegen unklarer Regeln.

Die meisten Konflikte ereignen sich laut der Umfrage auf offiziellen Wanderwegen. Dabei handelt es sich häufig nicht um schwere Unfälle, sondern um verbale Auseinandersetzungen, Beschimpfungen oder gefährliche Situationen durch überraschende Begegnungen. Tatsächliche Kollisionen sind vergleichsweise selten. Trotzdem fühlen sich viele Wandernde subjektiv gefährdet – insbesondere dann, wenn Mountainbiker mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind oder sich zu spät bemerkbar machen. So entstehen auch die meisten Konflikte mit Wandernden, gefolgt von Hundebesitzern, Grundeigentümern oder Bauern. Besonders problematisch seien laut der Umfrage absichtliche Wegmanipulationen: Rund ein Viertel der Befragten gab an, bereits damit konfrontiert worden zu sein.

Respekt statt Konfrontation

Dabei vertreten verschiedene Organisationen weiterhin die Ansicht, dass eine Koexistenz grundsätzlich möglich sei – sofern gegenseitiger Respekt vorhanden ist. Schweizer Wanderwege, Swiss Cycling, SchweizMobil, der SAC oder Schweiz Tourismus sprechen sich grundsätzlich für ein rücksichtsvolles Mit- und Nebeneinander aus. Entscheidend sei vor allem das Verhalten auf dem Weg. Je langsamer sich Mountainbiker Wandernden nähern, desto geringer fühlen sich diese gestört oder gefährdet. Viele Probleme entstehen weniger durch die gemeinsame Nutzung an sich, sondern durch fehlende Rücksichtnahme, mangelnde Kommunikation oder Überraschungsmomente auf engen Wegen.

Besonders auf stark frequentierten oder schmalen Wegen stösst die Koexistenz allerdings an ihre Grenzen. Deshalb entstehen in vielen Regionen neue Bike-Strecken, Entlastungsrouten oder zeitlich begrenzte Lösungen. Ziel ist es, Spannungen zu entschärfen und beiden Gruppen ein besseres Naturerlebnis zu ermöglichen.

Mountainbike-Kodex von SchweizMobil

Zeige Respekt – Gewähre Zufussgehenden Vortritt und verhalte dich gegenüber allen vorbildlich. Bleibe auf dem Weg – Respektiere Wegsperrungen, Jagdhinweise und Fahrverbote. Fahre keine Abkürzungen. Hinterlasse keine Spuren – Vermeide blockierte Räder. Nimm deinen Abfall mit. Schütze dich – Schütze dich mit passender Ausrüstung, guter Vorbereitung und einem gewarteten Bike. Trage Sorge zur Umwelt – Nimm Rücksicht auf Tiere und Pflanzen. Benutze Wege und Trails nur bei Tageslicht. Kenne deine Grenzen – Fahre konzentriert und vorrausschauend. Passe deine Geschwindigkeit der Situation und deinem Können an.

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