Wer in Europa einen exotischen Frosch, Gecko oder eine andere Echse kauft, weiss nicht zwangsläufig, woher das Tier stammt. Ein Teil der angebotenen Reptilien und Amphibien wird direkt der Natur entnommen. Dabei können auch Tiere in den Handel gelangen, deren Fang oder Export im Herkunftsland illegal ist.

Ein internationales Team von Fachleuten fordert deshalb in einem Beitrag in der Fachzeitschrift «Nature» strengere Regeln für den globalen Heimtierhandel. Die bestehenden Schutzbestimmungen würden häufig erst greifen, wenn die Folgen für wildlebende Populationen bereits erkennbar seien.

«Nachhaltigkeit, Legalität und Sicherheit müssen zur Voraussetzung des Handels werden – nicht zum Ergebnis späterer Verbote», wird die Biologin Sandra Altherr von der Organisation Pro Wildlife in einer Medienmitteilung zitiert. Sie gehört zu den Mitautorinnen des «Nature»-Beitrags.

Viele Tiere stammen aus der Wildnis

Das Ausmass des Handels mit Wildfängen ist beträchtlich. Laut den von Pro Wildlife angeführten Studien werden mehr als 50 Prozent der gehandelten Reptilien und rund 40 Prozent der gehandelten Amphibien der Natur entnommen.

Gleichzeitig erfasst das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES nur einen Teil der Arten. Gemäss Pro Wildlife sind derzeit 9,5 Prozent aller Reptilienarten und 4,2 Prozent aller Amphibienarten durch das Abkommen gelistet.

Das schafft nach Ansicht der Fachleute eine problematische Lücke: Wird eine nicht von CITES erfasste Tierart in ihrem Herkunftsland illegal gefangen und anschliessend ins Ausland gebracht, kann die strafrechtliche Verfolgung im Importland schwierig sein.

Folgen für Natur, Tierwohl und Gesundheit

Der internationale Handel kann dabei weit über den Verlust einzelner Tiere hinaus Folgen haben. Werden zu viele Exemplare einer Art aus der Natur entnommen, können wildlebende Populationen zusätzlich unter Druck geraten.

Auch in den Zielländern entstehen Risiken. Entkommene oder ausgesetzte exotische Heimtiere können sich unter geeigneten Bedingungen etablieren und zu invasiven Arten werden. Zudem können gehandelte Wildtiere Krankheitserreger mit sich führen.

Die Autoren des «Nature»-Beitrags weisen ausserdem auf Probleme beim Tierwohl hin. Fang, Transport und Haltung können für die Tiere mit erheblichen Belastungen verbunden sein.

Positivliste für Heimtiere als mögliche Lösung

In der Europäischen Union stehen derzeit mehrere politische Entscheide an. Die EU-Kommission hat bereits untersuchen lassen, wie gegen den Handel mit illegal beschafften Wildtieren vorgegangen werden könnte. Noch 2026 soll zudem eine Machbarkeitsstudie zu einer EU-weiten Positivliste für Heimtiere vorgelegt werden.

Eine solche Positivliste würde das bisherige Prinzip umkehren: Statt einzelne problematische Arten zu verbieten, dürften grundsätzlich nur jene Tierarten gehandelt und gehalten werden, die ausdrücklich zugelassen sind. Dabei könnten unter anderem die legale und nachhaltige Herkunft sowie Risiken für Biodiversität, Gesundheit und Tierwohl berücksichtigt werden.

Die Autoren fordern ausserdem, Import, Verkauf, Besitz und Re-Export von Tieren zu unterbinden, wenn diese entgegen den Gesetzen ihres Herkunftslandes gefangen oder exportiert wurden – unabhängig davon, ob die betreffende Art durch CITES geschützt ist.

Internationale Regeln gegen Wildtierkriminalität

Auch auf internationaler Ebene könnte sich 2026 etwas bewegen. Im Oktober treffen sich die Vertragsstaaten des Übereinkommens der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität (UNTOC). Zur Diskussion steht laut Pro Wildlife unter anderem ein eigenes Protokoll zur Umweltkriminalität, das die internationale Zusammenarbeit gegen Wildtierkriminalität stärken könnte.

Für die Fachleute ist deshalb ein grundsätzliches Umdenken nötig: Statt erst einzugreifen, wenn einzelne Arten bereits stark gefährdet sind, soll der Handel vorsorglich geregelt werden. Damit soll verhindert werden, dass die Nachfrage nach exotischen Heimtieren weiterhin zulasten wildlebender Bestände und ihrer Lebensräume geht.