Ein kleiner Igel läuft am helllichten Tag durch den Garten. Es ist Ende Oktober, die Nächte werden kalt – und das Tier wirkt ziemlich klein. Muss man jetzt eingreifen? Nicht unbedingt. Gerade im Herbst sind auch gesunde Jungigel manchmal tagsüber unterwegs. Doch es gibt klare Anzeichen dafür, wann ein Igel tatsächlich Hilfe benötigt.

Im Herbst beginnt für Igel der Endspurt vor dem Winterschlaf. Sie müssen genügend Fettreserven anlegen, um die futterarme Zeit zu überstehen. Erwachsene Tiere bringen diese Reserven in der Regel problemlos zusammen. Schwieriger kann es für spät geborene Jungtiere werden: Noch im September können Igeljunge zur Welt kommen. Ihnen bleibt entsprechend wenig Zeit, um vor dem Winter ausreichend Gewicht zuzulegen.

Üblicherweise halten Igel ungefähr von November bis März Winterschlaf, wobei Witterung und Höhenlage den Zeitpunkt beeinflussen. Sinkende Temperaturen und kürzere Tage spielen dabei ebenso eine Rolle wie das zunehmend knappe Nahrungsangebot.

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Tagsüber unterwegs – ist der Igel krank?

Igel gelten als nachtaktive Tiere. Entsprechend sorgt ein Exemplar, das am helllichten Tag über den Rasen läuft, schnell für Besorgnis. Doch die einfache Regel «Igel am Tag gleich Notfall» stimmt nicht.

Vor allem spät geborene Jungigel können im Oktober und November auch tagsüber nach Nahrung suchen. Sie versuchen, sich noch die nötigen Reserven für den Winter anzufressen. Auch ein gesunder erwachsener Igel kann ausnahmsweise am Tag auftauchen – etwa wenn sein Versteck gestört wurde und er einen neuen Schlafplatz sucht.

Entscheidender als die Uhrzeit ist deshalb der Zustand des Tieres. Alarmzeichen sind beispielsweise sichtbare Verletzungen, ein auffällig magerer Körper, torkelnder oder ungewöhnlicher Gang, starkes Husten oder Röcheln. Auch ein Igel, der apathisch herumliegt oder sich bei Berührung nicht richtig einrollt, sollte genauer beurteilt werden. In solchen Fällen empfiehlt sich die rasche Kontaktaufnahme mit einer Igelstation oder einer Tierarztpraxis.

Die 500-Gramm-Regel hat ihre Tücken

Bei Jungigeln spielt im Spätherbst auch das Gewicht eine wichtige Rolle. Als Richtwert gilt: Ein spät geborener Jungigel sollte vor dem Winterschlaf ungefähr 500 bis 600 Gramm wiegen. Das Igelzentrum Zürich weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass sich vom Gewicht allein nicht auf den Gesundheitszustand schliessen lässt. Ein abgemagerter erwachsener Igel kann beispielsweise 800 Gramm wiegen und trotzdem krank sein.

Ausserdem ist der Zeitpunkt entscheidend. Vor Mitte Oktober besteht laut Igelzentrum normalerweise kein Grund zur Sorge, nur weil ein Jungigel noch klein erscheint. Erst im Spätherbst, wenn es wirklich kalt wird und kaum noch natürliche Nahrung vorhanden ist, wird das Gewicht zum wichtigen Kriterium.

Bei einem gesund wirkenden Jungigel, der bei drohendem Wintereinbruch weniger als 300 Gramm wiegt, ist professionelle Beratung angezeigt. Solche Tiere sollten laut Igelzentrum nicht einfach draussen sich selbst überlassen werden. Bei gesunden Jungigeln zwischen 300 und 500 Gramm kann eine zeitlich begrenzte Zufütterung am Fundort sinnvoll sein. Ab etwa 500 Gramm besitzt ein gesunder, spät geborener Jungigel in der Regel genügend Reserven für den Winterschlaf.

Wer einen Igel wiegen muss, sollte Gartenhandschuhe tragen und das Tier vorsichtig auf eine Küchenwaage setzen. Das Einfangen eines Igels sollte jedoch kein vorsorgliches Herbstprogramm werden: Igel sind Wildtiere und sollen grundsätzlich in Freiheit bleiben. In der Schweiz gehört der Braunbrustigel zudem zu den geschützten Tierarten und darf nicht grundlos eingefangen oder in Gewahrsam genommen werden.

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Füttern? Nur in bestimmten Situationen

Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht. Igel sollten nicht pauschal gefüttert werden, nur weil Herbst ist. Das Igelzentrum empfiehlt eine gezielte Zufütterung unter anderem dann, wenn ein ansonsten gesunder Jungigel im Spätherbst das notwendige Winterschlafgewicht noch nicht erreicht hat.

Dafür eignet sich Katzennassfutter. Zusätzlich sollte frisches Wasser angeboten werden. Milch hingegen gehört nicht auf den Speiseplan eines Igels. Eine Zufütterung untergewichtiger Jungtiere sollte in der Regel erst ab Mitte Oktober in Betracht gezogen werden, wenn es tatsächlich kalt ist und natürliche Futtertiere knapp werden. Hat der Igel 500 bis 600 Gramm erreicht, sollte er bei entsprechender Witterung seinen Winterschlaf antreten.

Noch besser als eine allgemeine Futterstelle ist ein Garten, in dem der Igel selbst Nahrung und Unterschlupf findet. Laub- und Asthaufen, heimische Pflanzen, durchlässige Grundstücksgrenzen und ungestörte Ecken schaffen Lebensraum – nicht nur für Igel, sondern auch für zahlreiche ihrer Beutetiere.

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Nicht jeder kleine Igel ist verlassen

Besondere Vorsicht ist bei sehr jungen Tieren angebracht. Ein ausserhalb des Nestes gefundenes Igelsäugling benötigt rasch fachkundige Hilfe. Anders sieht es bei etwas älteren Jungigeln aus: Bereits im Alter von etwa dreieinhalb Wochen unternehmen sie erste Ausflüge und sehen dabei wie winzige Ausgaben erwachsener Igel aus. Dass keine Mutter zu sehen ist, bedeutet nicht automatisch, dass die Jungen verwaist sind.

Wer tatsächlich ein verwaistes Igelbaby findet, sollte schnell eine Fachstelle oder Tierarztpraxis kontaktieren. Da solche Jungtiere rasch auskühlen, empfiehlt das Igelzentrum, sie bis zur fachkundigen Versorgung warmzuhalten. Milch darf ihnen nicht gegeben werden.

Im Zweifel zuerst beobachten

Wer im Herbst einen Igel entdeckt, tut also nicht automatisch Gutes, indem er ihn einsammelt und ins warme Haus bringt. Ein munteres, rundliches Tier, das zielstrebig unterwegs ist und sich bei Gefahr kräftig einrollt, kommt häufig ohne menschliche Hilfe zurecht.

Anders ist es bei verletzten, offensichtlich kranken oder stark geschwächten Tieren. Auch sehr leichte Jungigel bei unmittelbar bevorstehendem Wintereinbruch sollten von Fachleuten beurteilt werden. Das Igelzentrum Zürich empfiehlt ausdrücklich, bei Unsicherheit eine Igelstation zu kontaktieren. Häufig lässt sich bereits im Gespräch klären, ob überhaupt eingegriffen werden muss.

Für den Igel ist Zurückhaltung oft die beste Hilfe. Denn so verletzlich das Stacheltier wirken mag: Es ist ein Wildtier, das den Winter grundsätzlich ohne menschliche Betreuung überstehen kann.

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