Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Pyrrhula pyrrhula
Unterarten: Nach dem Werk «Europäische Vögel» von Thomas Wendt: P. p. pileata (Grossbritannien), P. p. pyrrhula (Nord-, Südzentral- und Osteuropa bis Zentralsibirien), P. p. europaeata (Westeuropa), P. p. iberiae (Südwestfrankreich, nördliche iberische Halbinsel), P. p. rossikowi (Nordosttürkei und Kaukasus), P. p. cineracea (Westsibirien, Nordostkasachstan bis Ostsibirien und Nordostchina), P. p. caspica (Aserbaidschan und Nordiran), P. p. griseiventris (Kurilen, Hokkaido und Nord- sowie Zentralhonshu, P. p. rosacea (Sachalin)
Herkunft: siehe oben. In der Schweiz ist Pyrrhula pyrrhula europaea als Standvogel verbreitet. 
Grösse: je nach Unterart etwa 14 bis 18 cm
Wildfarbe: Pechschwarzer Oberkopf und Gesichtsmaske. Dominierend ist das Rot an Bauch, Brust und der unteren Hälfte des Kopfs. Der Rücken ist grau, Schwingen und Schwanz sind schwarz, die Bürzelregion ist weiss befiedert.
Mutationen: gelbbraunpastell, braunpastell, gelbbraun
Geschlechtsunterschiede: Beim Weibchen fehlen die leuchtend roten Federn. Sie sind bräunlichrot. 
Ringgrösse: 2, 7 mm bis 3 mm
Lebenserwartung: in der Natur ca. 3 Jahre, unter Menschenobhut durchaus 17 Jahre
Platzansprüche: Freivoliere von 2 x 1,50 x 2 Meter für ein Paar, mehrere Paare in grossen Freivolieren
Ausstattung: Äste, Kiefern- und Tannenäste als Deckung, immer neue, frische Äste mit Knospen aus der Natur
Stimme: melodiöser Lockruf, der tönt wie «diü diü», auch Stimmfühlungslaut, dann zwitschernder Gesang, doch er ist leise. Auch das Weibchen singt ausserhalb der Brutzeit. 
Haltung: paarweise, ausserhalb der Zucht auch im Schwarm, gilt als friedlich. Bei grosser Voliere ist sogar die Zucht mit mehreren Paaren möglich. Eine Haltebewilligung ist erforderlich und kann meist beim jeweiligen kantonalen Veterinäramt beantragt werden.

Herkunft und Geschichte

Gimpel sind über weite Teile Europas und Asiens verbreitet. Die Schönheit der Männchen hat Menschen schon immer in Bann gezogen. Darum verwundert es auch nicht, dass der Gimpel seit hunderten von Jahren vom Menschen gehalten wird. Der Anblick der Schönheit und Anmut dieses Vogels wollte man nicht mehr dem Zufall bei einer Sichtung in der Natur überlassen. Darum wurden Gimpel gefangen, was gut gelang, denn sie sind standorttreu und oft wenig scheu. Die Haltung von Gimpeln geht bis auf das Mittelalter zurück. Vieles vorher liegt im Dunkeln zur Vogelhaltung, doch es ist gut möglich, dass sie auch in der Schweiz bereits in der Römerzeit praktiziert wurde. So stellt beispielsweise ein römisches Mosaik in Boséaz bei Orbe (VD) einen Fallensteller dar, der mit Vogelleim und Ruten unterwegs ist. Die Villa wurde ungefähr um 170 nach Christus erbaut. Ob der Vogelfänger unterwegs war, um Vögel für den Verzehr oder zur Haltung zu fangen ist nicht klar. Gut möglich, dass beides praktiziert wurde, denn ein Gimpel ist so bestechend schön, dass er sicher gerne zur Zierde gepflegt wurde. Junge Gimpel gelten als besonders lernfähig, so dass sie auch Melodien und Lautäusserungen nachahmen, die ihnen vorgepfiffen oder vorgesagt werden. Werden Gimpel neben Kanarien untergebracht, ahmen sie auch ihren Gesang nach. Gimpel flogen im Winter vor 40 Jahren sogar ans Futterbrett, dies in einem Vorort Berns. Heute sind sie aus weiten Teilen des Mittelands verschwunden. Im Jura aber beispielsweise sind sie noch vorhanden. So rufen sie etwa nahe der Station Les Reussilles (BE) im Frühling von einem hohen Baum. In den Sonnenstrahlen frühmorgens blinkt die herrlich rote Brust des Gimpelmännchens auf, die rote Jurabahn rauscht derweil über die Schiene in den lichten Tannenwald. Der Gimpel fliegt auf einen dünnen Ast und zwackt mit seinem robusten Schnabel Knospen ab. Sie gehören zu seiner Nahrung. Sein dicker, kräftiger Schnabel kommt ihm da zugute. Gimpel kommen heute häufiger in höheren Lagen vor. Im Winter fliegt zudem die nordische Unterart des Gimpels in die Schweiz ein. Gimpel wurden zahlreich auf bekannten Gemälden dargestellt, die oft im Zusammenhang mit biblischen Szenen stehen. Dies kommt vermutlich von Legenden, welche den Gimpel als Vogel beschreiben, der einst unscheinbar war und aus Mitleid versuchte, Dornen aus der Haut Jesu am Kreuz zu ziehen. Als ihn ein Tropfen Blut Jesu traf, wurde sein Gefieder rot, so die Geschichte. 

[IMG 2]

Eignung als Heimtier

Gimpel eignen sich als Volierenpfleglinge für Liebhaberinnen und Liebhaber, die Freivolieren haben. Sie benötigen den Temperaturwechsel im Lauf des Jahres. Gimpel sollten nicht in Innenhaltung gepflegt werden. Der Züchter Michele Coviello hält und züchtet sie zwar in Innenvolieren, doch im Winter setzt er seine Gimpel in Freivolieren, da sie den europäischen Winter für ihr Wohlbefinden brauchen. Natürlich gehört die Zeit der Vergangenheit an, als Gimpel in Käfigen gepflegt wurden. 

[IMG 3]

Erwerb

Gimpel können von spezialisierten Züchtern erworben werden, die Mitglieder von Ziervögel Schweiz oder der Exotis sind. Sie werden nicht häufig gehalten. Wer Gimpel pflegt, braucht eine Haltebewilligung, welche in den meisten Fällen das kantonale Jagdinspektorat ausstellt. 

[IMG 4]

Ernährung und Pflege

Gimpel sind Finkenvögel und ernähren sich darum von Sämereien und Knospen. Der Futterhandel hält Mischungen bereit, die speziell auf sie abgestimmt sind (beispielsweise die Mischung der Firma Blattner). Sie bestehen hauptsächlich aus Japan- und Silberhirse, der Saat des Ramtillkrauts, Sommerrübsen, Buchweizen, Perilla, geschältem Hafer, Leinsamen, Hanf und Sesam. Für den Gimpel sind Grünpflanzen aus der Natur wichtige Ernährungsbestandteile wie Vogelmiere, Löwenzahnknospen, Salatblätter, Blattknospen und Blüten, Samen von Spitzwegerich, Breitwegerich, Knöterich, Vogelbeeren, Hagebutten und Paprika sind ideal. Es sollten immer wieder frische Zweige, mit Vorzug von Obstbäumen, gereicht werden, denn der Gimpel nagt gerne die Knospen ab. Gimpel ernähren sich ausserhalb der Brutzeit praktisch ausschliesslich von pflanzlicher Kost. Auch Kalkpulver und Mineralien sollten immer zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen. Eine Gimpelvoliere zu bepflanzen ist schwierig, besonders wenn sie klein ist, denn Gimpel machen sich über Knospen und Laub her. Die Vogelliebhaber Karen und Dr. Wolfgang Loch aus Ankum in Deutschland beschreiben aber in der Zeitschrift «Gefiederter Freund» Nr. 8/2025, dass sie eine Freiflugvoliere für Gimpel mit Schwarzkiefern, Nordmannstannen und Pflaumenbäumen bepflanzt haben. In Kiefern bauen Gimpel gerne ihr Nest, das sie so gut verstecken können. Zudem picken sie mit Vorliebe nach dem aus den Ästen austretenden Harz, das auch aus der Basis junger Kiefernadeln trieft. Diese Naturharze enthalten wertvolle antimikrobiell wirksame Stoffe. Gimpel baden gerne, so dass frisches Badewasser täglich zur Verfügung gestellt werden muss. 

[IMG 5]

Zucht

Gimpelpaare bleiben oft lebenslange zusammen. Junge können sich bereits im Alter von einem Jahr fortpflanzen. Gimpel benötigen keine grossen Reviere. Die Züchter Karen und Dr. Wolfgang Loch berichten, dass es bei der Haltung mehrere Paare keine Revierkämpfe gibt, wie sie sich beispielsweise bei Kanarien zutragen. Mehrere Paare benötigen allerdings eine grosse gut strukturierte Freivoliere von beispielsweise 5 x 3 x 2 Meter Inhalt. Ihre Nester bauen sie gerne in Nadelbaumdickichte. Sie nehmen aber auch gerne Nisthilfen an. Ideal sind Nester mit einer Mulde aus Plastik und einem Aufbau aus Draht. Eine Seite ist offen. Sie werden in der Vogelhaltung als Kaisernester bezeichnet. Es handelt sich um gleiche Nester, die auch für Kanarien verwendet werden. Dort hinein bauen die Gimpel ihr Nest aus Zweigen. Die Gelege bestehen aus vier bis sechs hellblau bis dunkelbräunlich gefärbten Eiern. Das Weibchen brütet während 13 bis 14 Tagen. Die Jungen schlüpfen meist alle zusammen an einem oder zwei Tagen und werden von beiden Eltern gefüttert. Der Zeitpunkt der Beringung ist der sechste oder siebte Lebenstag. Dem Gimpelpaar sollte zusätzlich zum normalen Futter während der Aufzucht Eifutter und Mehlwürmer zur Verfügung gestellt werden. Auch Keimfutter wird gerne weiter verfüttert. Die Jungen fliegen im Alter von 16 bis 17 Tagen aus und sitzen dann gut getarnt zwischen den Ästen. Die Jungen sind ähnlich gefärbt wie die Weibchen. Der Schnabel ist hornfarben bis grau. Schon nach acht Wochen färben die Jungen während der Jugendmauser um. Es ist wichtig, dass die Jungen, wenn sie damit beginnen, selber Futter aufzunehmen, Keimfutter zur Verfügung haben. 

[IMG 6]

Lustig

Die nordische Unterart, die in kalten Wintern in die Schweiz einfliegt, unterscheidet sich optisch nicht von unserem Gimpel, hat aber eine Stimme, die wie eine Kindertrompete tönt. Daran ist sie gut zu erkennen. 

[IMG 7]

Namensgebung

Die Artbezeichnung pyrrhula geht auf den Schweden Carl von Linné zurück, den Begründer der Nomenklatur. 

[IMG 8]

Besonderheit

Die Züchter Karen und Dr. Wolfgang Loch schreiben im «Gefiederter Freund»: «Nach unserem Eindruck ist die Zucht der Gimpel nicht schwieriger als bei Kanarien. Ein Schwarm solcher Tiere in der grossen Voliere ist ein bestechend schöner Anblick, und zudem sind sie sehr verträgliche und zutrauliche Vögel. Eine heranwachsende Jungenschar von zwei Paaren fast wie in der freien Natur in Trupps von zehn bis 15 Tieren beobachten zu können bleibt unvergesslich.»