Klimawandel verändert Wasserhaushalt in der Schweiz

Fische in Bergsee

Das Klima verändert sich, auch in der Schweiz – mit Folgen auch für die Welt der Fische.

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Forschung
Wasser kann in der Schweiz aufgrund des Klimawandels künftig je nach Region und Jahreszeit knapp werden. Andererseits führt mehr Regen lokal zu mehr Überschwemmungen, wie vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) veröffentlichte Ergebnisse eines Forschungsprojekts zeigen.

«Ohne Klimaschutzmassnahmen wird gegen Ende des Jahrhunderts im Winter im Schnitt 30 Prozent mehr Wasser in den Flüssen sein, im Sommer aber 40 Prozent weniger als bisher», heisst es in der am Dienstag den Medien vorgestellten Studie Hydro-CH2018 «Hydrologische Grundlagen zum Klimawandel». Die Temperatur in Flüssen und Bächen werde im Sommer um rund 5,5 Grad Celsius steigen.

Im Winter gebe es mehr Niederschlag. Es regne mehr, als dass es schneie, weil die Schneefallgrenze steige. Weniger Schnee und Gletschereis führten zu geringeren Wasserreserven für den Sommer. Der Wasserhaushalt ändere sich. So fliesst im Sommer gemäss den Ergebnissen von Hydro-CH2018 markant weniger Schmelzwasser in Bäche, Flüsse und Seen. Deshalb werde das Wasser auch wärmer.

Diese Veränderungen betreffen gemäss dem Forschungsprojekt auch Kraftwerke und die Stromproduktion. Mehr Wasser im Winter, wenn die Stromnachfrage hoch ist, erlaube eine höhere Stromproduktion. Im Sommer dagegen erzeugten Kraftwerke mit weniger Wasser weniger Strom. Eine Alternative ist laut den Autoren der Studie Strom aus der Sonnenenergie.

Mit Klimaschutzmassnahmen, wie sie etwa in dem revidierten CO2-Gesetz vorgesehen sind, fallen die Veränderungen gemäss Studie moderater aus, haben aber immer noch deutliche Folgen. Die Untersuchungen der Studie erfolgten unter der Leitung des Bafu im Rahmen des National Centre for Climate Services des Bundes (NCCS).

Trockene Sommer
Die Sommer würden künftig trockener und heisser. In landwirtschaftlich stark genutzten Gebieten könne das Wasser knapp werden, weil die Pflanzen dann viel Wasser benötigten. Gleichzeitig gebe es in dieser Zeit in Zukunft weniger Wasser im Boden und in den Gewässern.

Kulturen und Pflanzensorten, die wenig Wasser benötigen und die Hitze gut ertragen, sowie sparsame, gezielte Bewässerung können gemäss den Autoren eine Lösung zur Anpassung sein. Das Grundwasser sei weniger empfindlich auf Trockenheit als Flüsse und Seen, könne jedoch regional ebenfalls knapp werden, hiess es.

Instabile Gebirge
Naturgefahren wie Überschwemmungen und Rutschungen würden zunehmen. Es werde heftiger regnen, deshalb könne es häufiger zu Überschwemmungen kommen.

Im Hochgebirge «schmelzen aufgrund der steigenden Temperaturen die Gletscher und der Permafrost taut auf», wird Massimiliano Zappa von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zitiert.

Dadurch nehme die Hangstabilität in den Bergen ab. «Hangrutschungen, Felsstürze und Murgänge häufen sich und die Menge an losem Gestein nimmt zu.» Neben steilen Gebirgsflanken würden auch Bauten im Hochgebirge weniger stabil sein.

Bedrohte Biodiversität
Da sich die Gewässer infolge des Klimawandels weiter erwärmen würden, sei die Biodiversität bedroht. Kälteliebende Fische wie Bachforelle oder Äsche müssten in kälteres Wasser ausweichen können. Wasserschichten in Seen können sich aufgrund der Erwärmung nur noch schlecht durchmischen, wie Martin Schmid von der Wasserforschungsanstalt Eawag ausführte. Es werde daher an Sauerstoff fehlen.

«Damit sich die Gewässer an den Klimawandel anpassen können, müssen sie in ihren natürlichen Funktionen gestärkt werden», sagt Schmid. Neben dem Schutz vor Verunreinigung der Gewässer zählten dazu etwa die Wiederherstellung eines natürlichen Flussbetts und die Entfernung von Hindernissen für die Wanderung von Fischen. Die Beschattung der Uferstreifen durch Bäume trage zur Kühlung der Gewässer bei.

Das Bafu wies darauf hin, dass der Bundesrat im letzten August den Aktionsplan zur Anpassungsstrategie an den Klimawandel verabschiedete. Die verschiedenen Massnahmen darin sind bis 2025 umzusetzen. So könnten etwa Grün- und Wasserflächen in den Städten dazu beitragen, dass es dort weniger heiss wird. Den Tieren und Pflanzen würden neue und besser miteinander verbundene Schutzgebiete helfen, sich besser an den Klimawandel anzupass

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