Kreuzfahrten versprechen einen völlig entspannten Urlaub. Einmal eingecheckt, reist das Hotel mit. Während das Schiff auch nachts fortwährend fährt, wachen die Passagiere am nächsten Morgen an einer jeweils neuen Feriendestination auf. Ausflüge, Restaurants und Unterhaltung sind organisiert, der Tagesablauf bleibt dabei flexibel. Für viele ist diese Form des Reisens bequem, übersichtlich und vergleichsweise stressfrei. Ist das Schiff länger zu See unterwegs, gibt es zudem reichlich Programm und Verpflegung an Bord. Kreuzfahrten versprechen so Reiselustigen wahre Rundum-sorglos-Pakete. Doch so schön diese auch klingen mögen, sind sie nicht ganz unbestritten.

Die Nachfrage nach Kreuzfahrten ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Laut dem internationalen Kreuzfahrtverband CLIA waren im Jahr 2024 weltweit rund 34,6 Millionen Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs. 1985 lag diese Zahl noch bei 1,9 Millionen, im Jahr 2000 bei 7,6 Millionen. Mit dem Wachstum der Branche wurden auch die Schiffe immer grösser. Die grössten Kreuzfahrtschiffe der Welt können heute mehr als 6000 Passagiere aufnehmen, die von über 2000 Crewmitgliedern betreut werden. An Bord gibt es Einkaufsbereiche, Theater, Sportanlagen und Wasserparks – schwimmende Freizeitparks. Technisch sind diese Schiffe zudem hochentwickelt und organisatorisch genau geplant. Sie können nicht nur tausende Menschen gleichzeitig transportieren, sondern auch versorgen und bespassen.

Von Massen überrannt

Mit der steigenden Zahl an Passagieren wächst jedoch auch die Belastung für die Reiseziele. Wenn ein grosses Kreuzfahrtschiff in einer bekannten Hafenstadt anlegt, verlassen innerhalb kurzer Zeit mehrere tausend Menschen das Schiff. Sie besuchen Sehenswürdigkeiten, Cafés und Altstädte – meist nur für einige Stunden. Danach geht es zurück an Bord. Für die Städte bedeutet dies ein starkes, kurzfristiges Besucheraufkommen, welches Infrastruktur und öffentliche Räume beansprucht, doch kaum etwas zum lokalen Tourismus beiträgt. Deshalb reagieren immer mehr Städte mit Einschränkungen. Amsterdam, Barcelona, Nizza, mehrere Regionen in Norwegen und weitere beliebte Reisedestinationen haben den Kreuzfahrttourismus bereits begrenzt oder entsprechende Massnahmen angekündigt. Ziel ist es, Besucherströme besser zu steuern sowie Überlastungen zu vermeiden und Umweltbelastungen zu reduzieren.

Ein bekanntes Beispiel ist Venedig. Jahrelang fuhren grosse Kreuzfahrtschiffe durch die Lagune bis nahe an die Altstadt heran und prägten nicht nur die Szenerie. So warnten Fachleute schon länger vor Schäden an der empfindlichen Lagune und an den Fundamenten der jahrhundertealten Stadt. Auch die UNESCO erhöhte den Druck und drohte, Venedig als bedrohte Stadt einzustufen. Man zog Konsequenzen und verbot ab August 2021 die Einfuhr von grossen Kreuzfahrtschiffen über 25'000 Tonnen. Seither ist laut einer Studie von «Transport & Environment» der Ausstoss von Schadstoffen in der Stadt um 80 Prozent zurückgegangen. Wie stark sich der gesamte Schiffsverkehr auf die Umwelt und Natur von Venedig auswirkt, zeigte sich auch eindrücklich während der Corona-Pandemie. Als der Tourismus zum Erliegen kam, nahm auch der Verkehr in der Lagune deutlich ab. Das Wasser wurde deutlich klarer, und erstmals nach 60 Jahren liess sich wieder ein Delfin in den Kanälen der malerischen Stadt beobachten.

Kreuzfahrten und ihre Klimabilanz

Kreuzfahrtschiffe verändern nicht nur das Stadtbild, sondern hinterlassen auch ökologische Spuren entlang der Meeresrouten und um die Hafenstädte. Laut «Transport & Environment» stiessen allein die 218 verkehrenden Kreuzfahrtschiffe in Europa im Jahr 2023 so viele Schwefeloxide aus wie eine Milliarde Autos. Das Forschungsinstitut CE Delft verglich gar den Schadstoffausstoss eines einzigen Kreuzfahrtschiffes, welches einen Tag lang im Hafen von Amsterdam anlegt, mit 31'000 Lastwagen, die den ganzen Tag über eine Autobahn fahren. Das Anlegen von Kreuzfahrtschiffen zu begrenzen oder zu verbannen, kann zwar die Umweltbelastungen regional senken, doch ändern solche Massnahmen nicht zwingend die Hauptursachen. Die Umwelt- und Verkehrsexpertenorganisation «Transport & Environment» sieht daher nachhaltigere Lösungen im Umstieg auf emissionsfreie Antriebe und in der konsequenten Nutzung von Landstrom – so könnten die Emissionen auch während der Liegezeiten deutlich reduziert werden.

Wie weit jedoch die Kreuzfahrtbranche davon entfernt ist, zeigt das Kreuzfahrtranking 2025 des deutschen Umweltverbandes NABU. Dieser untersucht jährlich die Klima- und Umweltleistungen der Reedereien, mit besonderem Blick auf den europäischen Markt. Grundlage sind Kriterien wie Klimaziele, Effizienzmassnahmen, Kraftstoffwahl, Landstromnutzung und Schadstoffemissionen. Positiv bewertet der NABU, dass alle untersuchten Reedereien weiterhin ein Netto-Null-Ziel für 2050 verfolgen. Konkrete Pläne, dieses Ziel früher zu erreichen, fehlen jedoch weitgehend. Zwar wurden Effizienzmassnahmen umgesetzt – etwa durch optimierte Routen, geringere Geschwindigkeiten oder technische Anpassungen an Rumpf und Propellern – doch diese Fortschritte reichen nicht aus, um das starke Branchenwachstum auszugleichen.

Noch lange kein grüner Kurs

Deutlich werden die Unterschiede bei der Klimaintensität. Der Treibhausgasausstoss pro Passagierkilometer variiert nämlich stark: Er reicht von unter 200 bis über 900 Gramm CO2, je nach Reederei – zum Vergleich verursacht das Fliegen in der Economy Class zwischen 90 und 150 Gramm CO2 pro Passagierkilometer. Effizientere Neubauten und grössere Schiffe senken zwar rechnerisch den Verbrauch pro Person, ändern jedoch nichts daran, dass insgesamt weiterhin grosse Mengen fossiler Energie eingesetzt werden. Besonders kritisch bewertet der NABU den Umgang mit alternativen Kraftstoffen. Viele Reedereien setzen bei Neubauten auf Flüssigerdgas (LNG). Zwar reduziert LNG bestimmte Luftschadstoffe, aus Klimasicht gilt es jedoch als problematisch. Methan, der Hauptbestandteil von LNG, ist über 20 Jahre betrachtet mehr als 80-mal klimaschädlicher als CO2. Methanemissionen aus den Motoren können den vermeintlichen Klimavorteil vollständig zunichtemachen. Wirklich klimaneutrale Lösungen wie synthetische E-Fuels spielen bislang jedoch kaum eine Rolle.

Mehr Fortschritte sieht der NABU beim Landstrom. Durch EU-Vorgaben müssen grosse Passagierschiffe ab 2030 in europäischen Häfen Landstrom nutzen. Inzwischen verfügt jede untersuchte Reederei über zumindest landstromfähige Schiffe. Unklar bleibt jedoch, wie konsequent diese Möglichkeit tatsächlich genutzt wird, da viele Häfen noch nicht ausreichend ausgestattet sind oder Schiffe trotz vorhandener Anschlüsse ihre Motoren weiterlaufen lassen. Deutlich kritischer fällt das Urteil beim Einsatz von Schweröl aus. Nur vier der zwölf untersuchten Reedereien verzichten vollständig darauf. Stattdessen wird häufig Schweröl in Kombination mit Abgaswäschern verwendet, welche Schadstoffe aus der Luft filtern, die Rückstände jedoch ins Meer leiten und so marine Ökosysteme belasten. Auch Russ- und Stickoxidemissionen bleiben ein Problem, insbesondere für die Gesundheit von Küstenbewohnern und für sensible Regionen wie die Arktis, wo Russablagerungen das Abschmelzen von Eis beschleunigen.

Das Fazit des NABU fällt entsprechend nüchtern aus: Zwar gibt es einzelne Fortschritte und Unterschiede zwischen den Reedereien, doch die grundlegende Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen besteht weiterhin. Effizienzsteigerungen allein reichen nicht aus, um die Umweltbelastungen einer wachsenden Branche zu kompensieren. Aus Sicht des Umweltverbandes bleibt daher eine Erkenntnis bestehen: Die umweltfreundlichste Kreuzfahrt ist auch im Jahr 2026 jene, die nicht stattfindet.