Die Vielfalt der Hörner

Skudden-Schafe

Bei den Skudden ist bei den Auen hornmässig nicht viel los, das schneckenartig gedrehte Gehörn der Widder dagegen ist umso imposanter.

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Kopfschmuck
Mal sind sie lang und elegant geschwungen, mal kurz, kräftig, scharf gebogen oder mehrfach gedreht. Viele Rinder, Schafe und Ziegen haben imposante Hörner. Eine Auswahl an Gehörn, das in der Schweiz zu sehen ist.

Schneckenartig geschraubt

Die aus Deutschland stammenden Skudden (Bild oben) sind klein, scheu und doch sehr aufmerksam. Sie haben eine breite Stirn, aus der bei den Widdern ein imposant geschraubtes Schneckengehörn wächst. Die Auen dagegen tragen maximal einen Hornstummel, meist sind sie aber hornlos. Wie die Skudden erinnern auch die Bünder Oberländer Schafe eher an Wildtiere. Sie sind ebenfalls wachsam, aber doch schüchtern. Die Auen dieser Rasse, die eine Sammelbezeichnung für verschiedene Bündner Schläge ist, haben teilweise gar keine Hörner und teilweise sanft nach hinten geschwungene. Die Böcke dagegen marschieren mit ausladenden Schnecken stolz und leichtfüssig durch das steile Gelände.

Gleichmässig gerollt

Das mal rotbraune, mal schwarze Walliser Landschaf ist eine alte und an ihre raue Heimat perfekt angepasste Rasse. Die Tiere haben kräftige, sehr harte Klauen, mit denen sie trittsicher im Gebirge unterwegs sind. Ein weiteres besonderes Merkmal ist, dass beide Geschlechter behornt sind. Ihre Hörner stehen rollenförmig vom Kopf ab – und dies fast waagrecht. Manchmal sind sie nach hinten gebogen. Gemäss Rassenstandard müssen die Hörner genügend Abstand zum Kopf haben. Die schrauben- oder spiralenförmigen Hörner beider Geschlechter der berühmten Walliser Schwarznasen gelten dann als schön, wenn sie gleichmässig gerollt sind, nahe am Kopf liegen und nicht zu sehr abstehen.

Zapfenzieherartig gedreht

Dank seinen langen Zapfenlocken und vor allem seiner Hörner wegen unverwechselbar ist das aus Ungarn stammende, kleine, zierliche und elegante Zackelschaf. Die Hörner sind gedreht und geschraubt wie ein Korkenzieher. Beim ungarischen Typ ragen sie v-förmig in die Höhe, beim bosnischen Typ winden sie sich waagrecht zur Seite. Und lang sind die Hörner auch noch: Gut 30 Zentimeter bei den Auen und bis zu einem halben Meter bei den Böcken. Man vermutet, dass die Form durch eine genetische Mutation entstanden ist und sich durch Selektion weiter verbreitete. Ihre Hörner macht die Zackelschafe auch einzigartig: Keine andere Schafrasse weltweit hat ein derart geformtes Gehörn.

Sichelförmig gebogen

Bei Ziegen tragen beide Geschlechter Hörner. Die der Geissen sind oft eher kurz und dünn, jene der Böcke kräftig und je nach Rasse bis zu einem Meter lang. Bei vielen Rassen ragt das sichelförmige Gehörn zunächst nach oben und nach hinten, ehe es sich nach aussen dreht. Die Spitzen weisen entweder nach oben oder nach aussen. Typische Schweizer Beispiele dafür sind die aus dem Bündnerland stammende Pfauenziege, deren schwarze Streifen vom Hornansatz bis zur Wange namensgebend sind, und die Bündner Strahlenziege. Ähnlich ist das Gehörn der aus der Mongolei und aus China stammenden Kaschmirziege, während jenes der in der Türkei heimischen Angoraziegen mehrfach nach hinten gedreht ist.

Nach aussen geschwungen

Die lange Haartracht ist nur ein Kennzeichen der Schwarzhalsziegen. Ein weiteres sind die kräftigen säbelförmigen Hörner, die sowohl die Böcke als auch die Geissen tragen. Dieses Merkmal zeichnet auch ihre Walliser Schwesterrassen, Kupferhals- und Grüenochteziege sowie Capra Sempione, aus und ist ein Hinweis auf ihre Abstammung auf afrikanische Ziegen. Die Böcke haben breit auseinanderstehende, ausladend nach aussen geschwungene und gedrehte Hörner mit beeindruckenden Spannweiten: Offizieller Rekordhalter ist mit 135,2 Zentimetern der Schwarzhals-Bock «Rasputin» aus Österreich. Sogar auf 144 Zentimeter kam beim Abmessen im Juni 2020 der Sempione-Bock «Albino» aus dem Wallis.

Leierartig geformt

Vor 6000 Jahren sahen Langhornrinder dem ursprünglichen Auerochsen noch sehr ähnlich. Dies vor allem der Hörner wegen. Die Kelten verbreiteten ihre Rinder auf der Iberischen Halbinsel, in Gallien und auf den Britischen Inseln. Von dort stammt das auch in der Schweiz beliebte Schottische Hochlandrind mit seinen langen und symmetrischen Hörnern. Bei den Bullen sind sie waagrecht nach vorne gebogen, während die Hörner der Kühe deutlich länger und weit ausladend nach oben gebogen sind und in ihrer Form an das antike Musikinstrument Lyra erinnern. Auch andere Langhornrassen Frankreichs und Spaniens haben elegante, leierförmige Hörner, die meist bei den Kühen beeindruckender sind als bei den Stieren.

Nach oben gerichtet

Rinder mit kurzen, kräftigen und scharf gebogenen Hörnern waren typisch für die Pfahlbaukultur in der Schweiz und gingen später mit dem Volk der Walser auf Wanderschaft. In den Alpen leben heute diverse Kurzhornrassen. Die sogenannten Stechhörner der Tux-Zillertaler sind in einer weiten Biegung nach vorne gerichtet, während das Gehörn des Rätischen Grauviehs nach oben wächst, fast elfenbeinfarbig und ab der Hälfte bis zur Spitze dunkel verfärbt ist. Mit bis zu acht Zentimetern Durchmesser richtig dick sind die nach oben gedrehten Hörner der für ihre Kuhkämpfe berühmten Eringer aus dem Wallis.

Autor

Petra Stöhr

Petra Stöhr

Petra Stöhr ist «Tierwelt»-Redaktorin und geht als Historikerin gerne der Geschichte der Schweizer Nutztiere auf den Grund. Noch lieber geht sie für Geschichten ins Feld und macht sich für ihre Begegnungen mit den medidativen Kühen, den gmögigen Schafen und den quirligen Geissen auch die Gummistiefel dreckig oder lässt es über sich ergehen, dass sich Schweine überaus gerne an ihren Beinen reiben.

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