Die kleinen Königinnen und Könige der Berge

Steinbocknachwuchs in Goldau

Die Familie wird grösser: Steinbocknachwuchs im Tierpark Goldau. 

©Tierpark Goldau

Tierpark Goldau
Aktuell rennen vier kleine Kitze zwischen den imposanten ausgewachsenen Steinböcken im Tierpark herum, darunter ein Zwillingspärchen. Diese dürften die erlebnisreiche Geschichte der Steinböcke in der Schweiz weiterschreiben.

Die Tragzeit der Steinböcke beträgt rund fünfeinhalb Monate, schreibt der Tierpark Goldau. Die Geissen bringen ihren Nachwuchs an möglichst unzugänglichen Orten zur Welt – meistens ein Jungtier, Zwillinge sind eine Seltenheit. Die Aufzucht von Jungtieren in der Bergwelt ist streng und verlangt von den Tieren einiges ab – wenn es dann noch Zwillinge sind, ist das für eine Steinbockmutter äusserst belastend und darum eher selten.

Gmäss den Informationen des Tierparks stehen Steinbock-Kitze sehr schnell auf den Beinen und folgen ihren Müttern geschickt über Stock und Stein. Im Natur- und Tierpark Goldau verbringen die Mütter mit ihrem Nachwuchs die meiste Zeit auf den hohen Felsen und stossen nur zum Fressen zu der restlichen Gruppe. Sie separieren sich von den anderen Steinböcken, bis die Jungtiere richtig mobil sind. Diese verbringen viel Zeit zusammen – fast wie in einem Kindergarten spielen sie, messen ihre Kräfte und springen geschickt auf den Felsen herum. Es ist ein spannendes und unterhaltsames Schauspiel.

Gewaltige Wachstumsschübe
Steinböcke kommen mit einem Gewicht von drei bis fünfeinhalb Kilo zur Welt. Es passiert also so einiges, bis sie ausgewachsen sind und bis zu 100 Kilo (Böcke) respektive 40 Kilo (Geissen) wiegen. So stehen den Kitzen, die im Mai 2021 im Tierpark geboren sind und deren Geschlecht aktuell noch nicht bekannt ist, noch gewaltige Wachstumsschübe bevor.

Steinbocknachwuchs in Goldau

Was vielfach vergessen geht: Der Alpensteinbock hat eine bewegte Geschichte, berichtet der Tierpark weiter. Er sei Mitte des 19. Jahrhunderts fast komplett ausgestorben gewesen. Er wurde stark bejagt, da sein Fleisch und seine Haut sehr begehrt, die Hörner als Trophäen beliebt waren und letztere sogar als medizinisches Wunderheilmittel galten. Lediglich in einer Region zwischen dem Piemont und dem Aostatal gab es eine kleine Restpopulation im Jagdgebiet von König Vittorio Emmanuele II.

 

Die Schweiz war schon bald interessiert, Steinböcke von Italien zu erwerben, um sie wieder in die Schweizer Alpen zu bringen. Doch der offizielle Versuch scheiterte. So wurden erste Tiere 1906 ins Land geschmuggelt, bis 1933 waren es total 59 Steinböcke, die so ihren illegalen Weg in die Schweiz fanden.

Diese Tiere entwickelten sich prächtig und vermehrten sich, sodass 1911 die ersten Tiere im Kanton St. Gallen ausgewildert werden konnten. Insgesamt leben heute in der Schweiz wieder rund 18'500 Steinböcke, im Alpenraum wieder über 55'000. In der Schweiz ist der Steinbock geschützt, an manchen Orten wird er aber wieder gezielt bejagt – in der Schweiz sind es jährlich rund 1'000 Tiere. Da die Population genetisch verarmt, sprich, die genetische Vielfalt gering ist, werden die Kolonien gezielt durchmischt, um eine bessere Vielfalt und damit eine bessere Anpassungsfähigkeit zu erreichen.

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