Im Einsatz für verletzte und verwaiste Tiere

Rehkitz im Tierpark Goldau

Dank des engagierten Teams der Auffang- und Pflegestation des Natur- und Tierparks Goldau konnte das Leben des verwaisten Kitzes gerettet werden.

Natur- und Tierpark Goldau

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Ein abgemagertes Rehkitz liegt neben seiner toten Mutter. Offenbar hat es seit mehreren Stunden keine Milch mehr bekommen. Was nun? In solch prekären Situationen gilt es, richtig zu handeln, um das Überleben des Kitzes zu sichern. Doch einfach ist es nicht. Wie mit einem Tier in Not umgegangen werden muss, ist je nach Fall und Tierart unterschiedlich. Für die Pflege benötigt es Fachpersonen, wie jene der Auffang- und Pflegestation des Natur- und Tierparks Goldau.

Der Natur- und Tierpark Goldau ist Anlaufstelle für verwaiste, kranke und verletzte Wildtiere. Ob Jungvögel, Igel, Gämsen oder verunfallte Rehkitze: Die Tiere werden in Goldau aufgenommen und medizinisch versorgt. Die Pfleglinge werden nicht nur von Vertretern der öffentlichen Hand wie Polizei, Feuerwehr oder Wildhüter eingeliefert, sondern vermehrt auch von Privatpersonen. Doch wer ein Wildtier zu sich nach Hause nimmt, macht sich strafbar. Wird ein Wildtier in Not gefunden, muss in jedem Fall die zuständige Wildhut informiert werden. Im Fall des beschriebenen Kitzes war das den Findern nicht bewusst. Sie nahmen das Jungtier kurzerhand mit nach Hause. Dort versorgten sie es mittels einer Spritze mit Kuhmilch. Die Finder wussten nicht, dass junge Rehe spezielle Milch brauchen, um zu überleben. Um solche Aufgaben kümmern sich die Mitarbeitenden der Auffang- und Pflegestation des Tierparks Goldau. Hier sorgen Tierärztinnen und Tierärzte sowie Fachpersonal für eine reibungslose Erste Hilfe für Wildtiere. Bis ein Tier wieder in die Natur entlassen werden kann, braucht es nach der Erstversorgung fachgerechte Pflege durch geschultes Personal. Und dies oft rund um die Uhr. Bei seiner Ankunft in Goldau war der Zustand des verwaisten Rehkitzes äusserst kritisch. Sein Überleben war keineswegs sicher, dazu trank es nicht recht. Dass es an der Flasche saugen muss, war ihm fremd. Alle zwei Stunden starteten die Pflegenden einen neuen Versuch mit dem Schoppen. Am Abend nahm der Tierarzt das Kleine jeweils mit nach Hause. Zweimal stand er nachts auf und erwärmte Milch, um es zu füttern – eine anstrengende Arbeit.

Arbeit im Hintergrund
Vielen Besuchenden ist nicht bewusst, dass auch hinter den Kulissen des Natur- und Tierparks viel los ist. In den weniger einsehbaren Bereichen gab es im vergangenen Jahr viel zu tun: Unter anderem hat das Tierpark-Team 268 Tiere in der Auffang- und Pflegestation betreut und in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei, der Wildhut und dem Veterinäramt diverse Notfalleinsätze durchgeführt und verletzte oder entwichene Tiere geborgen. Es waren verschiedenste Einsätze dabei – von der Narkotisierung von Hirschen privater Halter, um diese von Fremdkörpern in den Geweihen zu befreien, bis zu Skorpionen und Geckos, die als blinde Passagiere entweder im Reisegepäck von Touristen oder in Lieferungen exotischer Früchte importiert wurden. Die in die Auffang- und Pflegestation eingelieferten Tiere werden vom Tierärzte-Team sowie den Tierpflegenden betreut, bis sie auf eigenen Beinen oder Flügeln in die Natur zurückkehren können oder ein geeignetes Zuhause finden. Auch eine junge Waldohreule kam letztes Jahr nach Goldau. Sie wurde am Wegrand liegend aufgefunden. Ihr Flügel war schwer verletzt, vermutlich durch einen Sturz. In der Auffang- und Pflegestation des Tierparks wurde der junge Vogel untersucht und der Flügel operiert. Danach frass er ausgiebig, gedieh gut und wurde zum Liebling des Teams. Doch als er flügge wurde, konnte er noch nicht fliegen. Das Gefieder war nicht richtig ausgebildet, was im Flaumkleid noch nicht erkennbar war. Die Pflege eines verletzten oder verwaisten Tieres hat immer seine Überlebenschancen in der Natur zum Ziel. Ist dies nicht gegeben, muss es euthanasiert werden. Diese Momente sind auch für das Team des Tierparks nicht einfach.

Happy End
In Fall des Kitzes gab es ein glückliches Ende: Irgendwann war das Jungtier über dem Berg. Es trank! Von da an wurde es nicht mehr von Hand getränkt, sondern der Schoppen wurde in ein Gestell gehängt, sodass das Kitz nicht auf den Menschen geprägt wurde. Diese Distanz zum Menschen ist eine Voraussetzung für eine spätere Freilassung in die Natur. Sobald das kleine Reh feste Nahrung zu sich nehmen konnte, wurde es ins Auswilderungsgehege im Park umgesiedelt. Hier wurde es bis zum drauffolgenden Frühjahr gefüttert. Im Frühling war das Reh so fit, dass es die Voraussetzungen erfüllte und in die Natur entlassen werden konnte. Der Natur- und Tierpark Goldau trägt Wesentliches zur Erhaltung bedrohter Tierarten und zum Naturschutz bei. Vielfältige Freizeit- und Bildungsangebote, wichtige Artenschutzprogramme, Kooperationen mit internationalen Zoos und der Wissenschaft machen den Tierpark zu einem Kompetenzzentrum für Aufzucht und Wiederansiedlung sowie Bildung und Information.

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Der Natur- und Tierpark Goldau ist Mitglied im Dachverband der wissenschaftlich geleiteten Zoos der Schweiz (zooschweiz / zoosuisse). www.zoos.ch