Was mich der Schimpanse lehrt

Schimpanse mit Baby im Zoo

Wir müssen heutzutage nicht mehr erklären, was ein Schimpanse ist, sondern was Schimpansen mit unserem Konsum zu tun haben.

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Sponsored Content wissenschaftliche Zoos der Schweiz
1961 entstand aus der Mission von «Herrn und Frau Tierli-Walter», Kinder für Tiere zu begeistern, der Walter Zoo in Gossau SG. 60 Jahre später begeistert der Walter Zoo immer noch für Tiere – aber auch für deren Schutz. Er macht bewusst, dass jeder einen Einfluss auf die Umwelt und die Artenvielfalt hat, sei dies auf die Igel im Garten oder die Schimpansen in Afrika.

Walter Pischl und seine Frau Edith wollten Ende der 50er-Jahre «die Achtung des Kindes vor der Kreatur und die Liebe zum Tier fördern». So entstand eine Schultierschau, um exotische Tiere ins Bewusstsein der Kinder zu rücken. Zur Unterbringung dieser Tiere entstanden Tieranlagen rund um ihr Haus und damit wurde aus einer pädagogischen Mission der Walter Zoo. Heute beherbergt der Gossauer Zoo rund 130 Tierarten. Auch im Jahr 2021 ist Bildung eine der zentralsten Aufgaben eines Zoos. Die Grundvoraussetzungen dafür haben sich aber verändert. Damals war es schon speziell, unbekannte Tiere zu sehen. Das Wissen über sie war klein. So untertitelten damalige Journalisten nicht selten Tiere falsch – etwa Schimpansen als Paviane. Verübeln kann man es ihnen nicht: Grzimeks Tierleben war wohl nur wenigen zugänglich und Wikipedia noch weit entfernt. Heute sind umfassende Informationen zu Tieren und zahlreiche Bilder nur wenige Klicks entfernt. Tierdokus sind für jeden zugänglich und Interessierte haben keine Mühe, sich ordentliche Artenkenntnisse anzueignen. Obwohl Schimpansen heute wohl bekannt sind, leben sie im Bewusstsein der Bevölkerung weit weg, wir sehen unseren Einfluss auf sie kaum. Es ist die Aufgabe der Zoos, diesen aufzuzeigen und sie in unseren Alltag zu holen. Wir müssen nicht mehr erklären, was ein Schimpanse ist, sondern was Schimpansen mit unserem Konsum zu tun haben. Ihr Lebensraum schwindet; er weist nicht nur grosse Ölvorkommen auf, sondern auch zahlreiche Materialien für unsere Smartphones werden dort abgebaut. Klimawandel und Abholzung verändern ihren Lebensraum und treiben sie in die Nähe der Dörfer. Die Schimpansen werden gewildert und als Fleisch oder Haustiere verkauft – auch nach Europa.

Den emotionalen Bezug gibts im Zoo
Zoos sind nicht nur wegen ihrer Artenschutzbemühungen wichtiger denn je: Sie ermöglichen den Besuchenden die hautnahe Begegnung mit Tieren. Diese können gesehen, gehört und gerochen werden. Ein Schimpanse, der ausgelassen durch seine Anlage tobt und an den Besuchenden nicht minder interessiert ist als umgekehrt, schafft einen emotionalen Bezug, den die digitale Welt nicht ermöglichen kann. Dies macht nicht nur die Einzigartigkeit von Zoos aus, es ist auch ihre grosse Chance in der Umweltbildung. Der direkte Bezug zur Tierwelt motiviert, sich genauer mit der Natur zu befassen und dabei zu merken, dass die eigenen Handlungen Einfluss haben, beispielsweise auch auf die Schimpansen in Afrika. In der heutigen Welt leben Schimpansen, und genauso alle anderen «exotischen» Tiere, nicht mehr ausserhalb unseres Einflussbereiches. Sie teilen sich mit uns einen Lebensraum und ihr Platz wird durch unseren wachsenden Konsum immer kleiner. Um sie zu erhalten, müssen wir Teilen lernen.

Tiere erhalten eine Stimme
Zootiere als Botschafter ihrer wilden Artgenossen können unseren Einfluss bewusst machen und zum Handeln motivieren. Durch Beschilderung, Ausstellungen, interaktive Spielsachen, auf Führungen und im Zooschulunterricht erhalten sie eine Stimme. Ein einheimisches Beispiel dafür ist der Naturlehrpfad, welcher im Walter Zoo im Sommer 2020 eröffnet wurde. Er zeigt den Besuchenden, wie das Leben in einem naturnahen Gelände pulsiert, und bietet praktische Tipps für den eigenen Garten. Doch man kann nicht nur auf dem Lehrpfad lernen, im Idealfall ist der ganze Zoo ein grosser «Lernspaziergang», auf dem die Besuchenden Tiere erleben und sich mit ihren Bedürfnissen beschäftigen. 

Dies gilt auch für die Zooschule als ausserschulischer Lernort: Es geht heute nicht mehr darum, Kindern den Unterschied zwischen einem Berberlöwen und einem Amurtiger zu erklären, sondern zu ergründen, warum der eine in der Natur ausgestorben ist und der andere kurz davorsteht. Schulklassen können sich im Zoo mit den verschiedensten Themen aus Naturschutz und Nachhaltigkeit beschäftigen, mit den Tieren als Botschafter. Dies geht bei Kindern stets mit Begeisterung und Wissbegier einher, aber auch mit Unverständnis über das fehlende Bewusstsein unseres schädlichen Einflusses. Wir sollten sie uns zum Vorbild nehmen und bei unserem nächsten Zoobesuch, aber auch im Alltag mehr Kind sein.

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Der Walter Zoo ist Mitglied im Dachverband der wissenschaftlich geführten Zoos der Schweiz (zooschweiz / zoosuisse). www.zoos.ch