Ein Teich-Paradies vor dem Wohnzimmer

Der Koi-Teich von Samuel Vonlanthen
Koi
Im dunklen, kristallklaren Wasser drehen gemächlich goldene, orange und weiss-schwarze Fische ihre Runden. Samuel Vonlanthen hat seinen Koi-Teich von der Terrasse aus im Blick. Ein Besuch bei einem Koi-Liebhaber.

Aus schwarzer Tiefe im klaren Wasser schillert es sonnengelb. Funkelt da ein verborgener Schatz? Jetzt wird das Leuchten intensiver, grösser und erhält Konturen! Ein Koi schwimmt ruhig nach oben, gleitet in die Teichmitte, formt ein Rund und schwebt zum Rand, wo Schilf gedeiht. An der Wasseroberfläche öffnet er schmatzend den runden, grossen Mund. Samuel Vonlanthen lächelt. Er kniet auf den Granitplatten am Rand seines 65'000-Liter-Teichs und hält die Fingerspitzen ins Wasser. Der Fisch stupft sie sanft an, ein orangerot glänzender und ein fast weisslicher Koi suchen ebenfalls Kontakt.

«Die orange-beigen sind Karashigoi, die braunen Chagoi. Beide Farbformen sind besonders zutraulich», sagt Vonlanthen. Er streut Koi-Pellets auf die Wasseroberfläche, die nun zu brodeln beginnt. Immer mehr längliche bunte Farbtupfer in verschiedenen Grössen kreisen herbei und öffnen ihre Münder, um die Nahrung anzusaugen.

Nichts deutet an der Strasse in Hilfikon AG, wo sich Vonlanthens Haus befindet, darauf hin, dass sich im Garten eine Märchenwelt verbirgt. Das Paradies beginnt auf der Hinterseite des Gebäudes. Von der Terrasse aus beobachtet der Fischliebhaber seine Kois. «Ich habe Glück, da der Garten zum Bach abfällt und dreistufig ist», sagt der 43-Jährige, lächelt und folgt mit den Augen den Kreisen seiner Kois, die nun wieder majestätisch durch das Wasser gleiten, als trügen sie Weisheiten aus dem Altertum in sich.

Kois werden seit 2000 Jahren zur Betrachtung von oben gezüchtet, damals die einzige Möglichkeit, einen Fisch zu bewundern. Somit ist der Einblick ideal, der sich von der Terrasse aus bietet. Flecken in Rot und Weiss, oder reissverschlussartige Zeichnungen auf dem Rückgrat kommen so zur Geltung. Andere Kois haben schwarz umrandete Augen, bräunlich goldene Oberseiten und rote Wangenregionen. Die Schätze Asiens haben viel Schwimmraum. Der Teich ist 15 Meter lang, fünf Meter breit und zwei Meter tief.

Zweifache Filterung
Der Traum von Kois sei langsam entstanden. «Ich hatte schon als Kind Aquarien», erinnert sich Vonlanthen. Vor 20 Jahren habe er dann wieder mit der Aquaristik begonnen und sei gleich gross eingestiegen. 540 Liter habe sein Becken gefasst. Er mag besondere Fische. «Meine Leidenschaft sind Kugel-, Igel- und Kofferfische, Muränen und Rochen.» Solch delikate Meeresbewohner leben heute in riesigen Aquarien im Haus. Der Hauskauf war es, der die Lust auf Kois aufkeimen liess.

Der ehemalige kaufmännische Angestellte und Inhaber einer Firma für Telefonservice entwickelte bald einmal den Traum vom eigenen Koi-Paradies im Garten. «Am Anfang habe ich nicht allzu viel überlegt», sagt Vonlanthen lachend. Er habe den Teich während seinen zweiwöchigen Ferien selber graben wollen. «Ich begann mit Schaufel und Karrette, brach die Übung aber schon nach einem Tag ab.» Als der Bagger auffuhr, liess er zwölf grosse Mulden Erde abführen. «Zusammen mit meinem Vater Jimmy bauten wir während neun Monaten in jeder freien Minute am Teich.» Er habe vorher eine Baubewilligung von der Gemeinde für ein solch grosses, künstliches Gewässer benötigt. Die Wand rund herum habe er betoniert, damit das Erdreich nicht abrutsche. Schliesslich habe er eine Teichfolie auf einem Vlies ausgelegt.

In einer Mulde befindet sich ein grosser Kasten, darin verbirgt sich ein Trommelfilter. «Das Wasser wird durch das Sieb gepresst und so von Schwebeteilen befreit.» Der Schmutz werde regelmässig abgespritzt. Zwei Leuchtröhren bestrahlen das durchströmende Wasser mit ultraviolettem Licht. Das unterbindet vor allem das Wachstum von Schwebealgen und tötet Keime und schädliche Bakterien ab.

Das Teichwasser wird über drei unterirdische Rohre angesaugt. An einer Stelle wird es zusätzlich oben abgesaugt, sodass Schwebeteile abgefiltert werden. Das Wasser ist aber nicht nur wegen der technischen Filterung so kristallklar, dass Vonlanthen im Sommer schon mal selber mit den Kois schwimmt, sondern auch dank den Sumpfpflanzen, die rund um den länglichen Teich in 50 Zentimeter tiefen, mit Kies gefüllten Trögen gedeihen.

Die Kois sind gechippt
Durch die Granitplatten wirkt der Übergang vom Wasser zum Land sehr natürlich. An einer halbrunden Stelle sprudelt das frisch gefilterte Wasser in einen Sumpf, der von den Fischen nicht aufgesucht werden kann. Hier verströmt auch Wasserminze ihren frischen Duft. «Die Ufer habe ich so konzipiert, dass Igel wieder hinausklettern können, wenn sie hineinfallen», sagt Vonlanthen. In der Sumpfzone hielten sich auch zahlreiche Bergmolche, Grasfrösche und Erdkröten auf.

Fische sind besonders heikle Heimtiere: «Wenn die Wasserqualität nicht stimmt, leiden sie.» Für Kois sei mittelhartes Wasser ideal. Wasserwechsel mache er nie, sondern fülle nur zu. Er brauche es nicht zu heizen. «Werden die Wassertemperaturen kühler, sind die Kois weniger aktiv.» Der Teich würde aber nie zufrieren. Im Winter schwämmen sie häufig am Grund. Er variiere mit Sommer- und Winterfutter. Letzteres sänke auf den Grund.

Derzeit schwimmen um die 30 Kois im Teich. «Ich habe immer mal wieder zugekauft.» Da er Kois stets bei der gleichen Firma erwerbe, sei es weniger risikoreich wegen Krankheiten oder Bakterienunverträglichkeiten. «Es gibt aber Fischtierärzte, die sich auf Kois und ihre Krankheiten spezialisiert haben.» Sie würden Fische betäuben, Wunden verarzten und behandeln. Kois sind wertvoll. Allerdings kann man nicht sicher sein, ob ein junger, verheis­sungsvoller Koi auch so schön bleibt. «Junge sind weniger teuer, weil sie ihre besondere Färbung verlieren können», sagt Vonlanthen. Kaufe man erwachsene, gehe man ein kleineres Risiko ein.

Besonders wertvolle Zuchtformen, so genannte Kashira Mawari, kosten um die 12'000 Franken. Gute, zweijährige Kois seien ab 1000 Franken zu haben. Die meisten sind gechippt. Es könne vorkommen, dass sich Kois im Teich fortpflanzen würden. «Das möchte ich aber nicht, darum sind Egli im Gewässer, welche die Jungen fressen.» Die Zucht muss nach ganz bestimmten Auswahlkriterien erfolgen. Die berühmtesten Zuchtbetriebe seien in Japan und teilweise in Israel.

«Ah, hier, dieser Fisch ist ein absolutes Highlight!» ruft Samuel Vonlanthen, als sein Orenji Ogon herbeischwimmt. Er glitzert golden. «Es gibt schillernde Kois und solche ohne Schuppen, die Doitsu» schwärmt er. Seine schwimmenden Schätze aus schwarzer Tiefe begeistern ihn täglich von Neuem.

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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