«Ein Terrarianer muss geduldig sein»

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Fabian Schmidt, Vivarium Basel
Fabian Schmidt ist Kurator des Vivariums des Zoos Basel und legt Wert auf naturnah und ästhetisch gestaltete Terrarien. Der Biologe erklärt, wie Reptilien und Amphibien gehalten werden sollen.

Herr Schmidt, warum faszinieren Sie Reptilien und Amphibien?
Mein Vater hielt Griechische Landschildkröten, deren Betreuung ich übernahm. Die Einmaligkeit des Panzers und die Langlebigkeit dieser Tiere begeistern mich. Seit ich mich erinnern kann, faszinieren mich Reptilien und Amphibien.

Was ist das Herausfordernde an der Arbeit mit diesen Tieren?
Sie sind punkto Temperatur fast völlig von ihrer Umgebung abhängig. Sie wird nicht durch den Stoffwechsel beeinflusst. Es ist unsere Aufgabe, die idealen Bedingungen nachzuahmen. In der Terraristik hat man darum auch viel mit Technik zu tun.

Wie viele Terrarien hat der Zoo Basel?
21 im Vivarium, etliche verstreut in anderen Bereichen des Zoos und zahlreiche hinter den Kulissen als Zuchtterrarien oder Quarantänestationen. 

Decken Sie den Bedarf mit eigenen Nachzuchten?
Ja, wir halten von den meisten Arten hinter den Kulissen mehrere Zuchtpaare. Zudem tauschen wir mit anderen zoologischen Gärten und mit seriösen Privatzüchtern.  

Wie wichtig sind Reptilien und Amphibien für die europäischen Zoos?
Sie sind ein fester Faktor. Das Basler Vivarium ist europaweit bekannt. In tschechischen Zoos hat es bedeutende Sammlungen, besonders in Prag, ebenso in deutschen und niederländischen Zoos. Zoos betreiben Zuchtprogramme für seltene Arten. Ich bin beispielsweise Vizepräsident der Arbeitsgruppe für Reptilien und da besonders für alle Krokodile der europäischen Zoos verantwortlich.

Wie viele Arten halten Sie in Basel?
Es sind zwischen 30 und 40. Wir haben eine kleine, aber feine Sammlung. Für die Strahlenschildkröten aus Madagaskar, die Chinesischen Krokodilschwanzechsen und Schlammteufel aus den USA setzen wir uns besonders ein.  

... Schlammteufel?
Das sind Riesensalamander, die grössten Amphibien der USA. Sie können bis zu 60 Zentimeter gross werden und wurden lokal ausgerottet. Wir haben sechs Tiere aus einem texanischen Zoo erhalten. In Europa ist diese Art sonst nur noch im Zoo von Chemnitz in Deutschland zu sehen. Derzeit bauen wir ein grosses Schauterrarium für sie. 

Sind Wiederaussiedlungen von bedrohten Reptilien oder Amphibien ein Thema?
Teilweise. Zuerst muss man prüfen, ob die Bedingungen vor Ort überhaupt stimmen. Ob geeigneter Lebensraum noch vorhanden ist und die ursprünglichen Bedrohungen gebannt. Zudem dürfen sich keine Krankheiten aus der Zucht auf wilde Populationen übertragen. Und die Genetik der ausgewilderten Tiere muss mit derjenigen der Art vor Ort übereinstimmen. Ich habe darum beispielsweise alle Stumpfkrokodile in europäischen Zoos genetisch überprüft und weiss nun, aus welchen Gebieten sie stammen. 

Sind Reptilien und Amphibien auch für Privatpersonen geeignete Heimtiere?
Absolut, ja. Die meisten Tierpfleger und Kuratoren, die sich in Zoos mit Reptilien beschäftigen, waren vorher private Halter und Züchter. Bedingung ist, dass eine solche Passion auf Jahre angelegt ist, dass man sich mit den Lebensräumen der Tiere auseinandersetzt, indem man die Biotope besucht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und UV-Einstrahlung misst oder Fachliteratur studiert. 

Sind private Züchter für Zoos wichtig?
Wir könnten unsere Aufgabe, Arten unter Menschenobhut zu erhalten, nicht erfüllen, gäbe es nicht auch engagierte Privathalter. Darum sind wir ihnen gegenüber sehr aufgeschlossen. Es gibt etliche Private, die ein enormes Wissen haben. Wir lernen von ihnen. 

Ist es für Reptilien und Amphibien wichtig, dass die Terrarien mit natürlichen Materialien ausgestattet sind, oder reichen Pflanzen und Unterschlüpfe aus Plastik? 
Das Bedürfnis des Tieres muss abgedeckt sein. Wenn es sich gerne versteckt, ist es ihm egal, ob seine Höhle aus Naturstein oder aus einem Blumentopf besteht. Wenn man im Freiland schwarze Plastikplatten auslegt, verstecken sich darunter gerne Schlangen. Im Zoo möchten wir die Reptilien aber in natürlichen Lebensräumen zeigen. 

Welches sind die zentralen technischen Geräte, um Reptilien in einem Terrarium zu betreuen? 
Lampen und Heizung. Essenziell ist Licht. Heute gibt es Lampen, die Licht, Wärme und ultraviolette Strahlung kombinieren. Ein Terrarium sollte aber nicht ganztags mit gleichem Licht ausgeleuchtet werden. Für Regenwaldterrarien ist die Luftfeuchtigkeit wichtig, für alle Terrarientiere die Temperatur.  

Sind unterschiedliche Temperaturzonen im Terrarium wichtig?
Ja. Heute heizt man aber weniger über Bodenplatten als viel mehr von oben. Auch in der Natur kommt die Wärme von oben. Gewisse Arten haben saisonal unterschiedliche Ansprüche an die Temperatur, manche überwintern gar. Für viele Arten ist die Dreidimensionalität des Terrariums essenziell, damit sie beweglich bleiben und nicht verfetten. Man muss die Bedürfnisse einer Art kennen. 

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Fabian Schmidt ist am Zürichsee aufgewachsen, ging 1994 mit seinen Eltern nach Frankfurt, wo sein Vater Zoodirektor wurde. Der 42-Jährige studierte Zoologie und Biologie mit dem Schwergewicht Physiologie von Reptilien. In einer Feldarbeit untersuchte er Landschildkröten in Tansania und Südafrika. Anschliessend arbeitete er als Kurator im Twycross Zoo in England und im Zoo Leipzig, wo er die zoologische Abteilungsleitung des neu errichteten Tropenhauses Gondwanaland übernahm. Seit diesem Jahr ist er Kurator des Vivariums des Basler Zoos.
  Bild: Lars Lepperhoff

Sind Wurzeln, Moos und Steine aus dem Wald und Bach geeignete Einrichtungsgegenstände? 
Ich empfehle, sie im Zoofachgeschäft zu kaufen. Auch wir beziehen solche Materialien über den Zoohandel. 

Welche Terrarien sind geeignet?
Man muss vorher wissen, was man halten möchte, entsprechend sollte das Terrarium gekauft werden. Taggeckos leben gerne in hohen Terrarien, Leopardgeckos benötigen viel Bodenfläche. 

Welche Eigenschaften muss ein Reptilienhalter aufweisen?
Er muss geduldig sein – und nicht sprunghaft veranlagt.   

Wo kauft man als Privatperson Reptilien?
Am besten beim Züchter oder in der Zoohandlung. Eine Mitgliedschaft in einer Terraristik-Vereinigung wie der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde ist empfehlenswert, so ergibt sich ein Kontaktnetz. 

Reptilien ernähren sich meist von Insekten und Kleinsäugern. Muss jeder Reptilienhalter Insekten und Mäuse züchten?
Das ist ein wichtiger Aspekt, den man bedenken muss. Wenn Grillen aus dem Terrarium ausbrechen und hinter dem Büchergestell zirpen, kann das unangenehm werden. Es gibt aber durchaus auch pflanzenfressende Arten. Wer gerne Schlangen halten möchte, jedoch keine Mäuse verfüttern will, für den ist die Eierschlange eine mögliche Option. Insekten und Mäuse kann man heute im Zoohandel kaufen, man muss sie nicht selber züchten.

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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