Alternativen für die Chemiekeule

Schnecke auf Stängel
Schneckenplage
Nacktschnecken sind der Schrecken aller Heim- und Kleingärtner. Zu Schneckenkörnern sollte man trotzdem nur im Notfall greifen, zumal es durchaus natürliche Alternativen gibt.

Der morgendliche Anblick abgenagter Setzlinge entsetzt wohl jeden Hobbygärtner. Ein durchschlagendes Ergebnis muss her: Es folgt der Griff zu Schneckenkörnern. Ein Schritt, der nach Ansicht Bernhard Speisers vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick AG gut überlegt sein sollte. «Schneckenkörner wirken leider auch gegen Schneckenarten, die keine Schäden anrichten.» 

Als zulassungspflichtiges Pflanzenschutzmittel müssen sie Schädlinge sozusagen per Gesetz unschädlich machen. «An Orten mit einer hohen Biodiversität von Schnecken wie beispielsweise Trockenmauern sollten sie daher nicht eingesetzt werden.» Denn: Schnecken sind für die biologische Vielfalt wichtig. Sie dienen einer ganzen Reihe von Tieren als Nahrung und spielen auch beim Aufbau von Humus eine wichtige Rolle.

So stehen Nacktschnecken etwa auf der Speisekarte von Vögeln, Igeln, Spinnen, Maulwürfen, Eidechsen, Blindschleichen, Kröten, Mäusen, Schlangen und sogar Glühwürmchen. Viele Weberknechtarten fressen nur Schnecken. Von Laufkäfern ist bekannt, dass sie allein die Population von Nacktschnecken bis um ein Drittel verringern können.

Rund 250 Schneckenarten gibt es in der Schweiz, 36 davon sind Nacktschnecken. Von diesen wiederum richten nur gerade vier Schäden im Garten an – und das auch nur, wenn sie in grossen Mengen auftreten: die genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum), die beiden Garten-Wegschnecken Arion hortensis und Arion distinctus sowie die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris). 

Gift ist nicht gleich Gift
Sind die Übeltäter im Garten zahlreich anzutreffen, weist das für Speiser darauf hin, «dass die Umweltbedingungen allzu schneckenfreundlich sind». Schneckenkörner wären dann, so der Experte, reine Symptombekämpfung. «In der Schweiz sind heute nur noch Schneckenkörner mit den Wirkstoffen Metaldehyd oder Eisen-III-Phosphat zugelassen.» Metaldehyd schädigt die schleimproduzierenden Zellen der Schnecken und führt zu deren Tod. Da die Tiere jedoch vor Ort sterben, werden sie selber zur giftigen Futterquelle für Gegenspieler. 

Selbst für Haustiere, Esel oder Kühe können die Körner tödlich sein, sollten sie in entsprechender Menge gefressen werden. Das zeigen die auf dem Informationssystem CliniPharm / CliniTox von der Vetsuisse Zürich zugänglichen Daten: In Häufchen ausgelegte Körner und für Tiere erreichbare Schneckenkornsäcke sind besonders risikoreich. 

Im Biolandbau darf Metaldehyd nicht eingesetzt werden, sagt Speiser. «Eisenphosphat hingegen kommt auch natürlicherweise vor und ist erlaubt.» Bei Schnecken schädigt es die Zellen in Kropf und Mitteldarm. Die Tiere hören auf zu fressen, ziehen sich in ihre Verstecke zurück und verenden dort nach einigen Tagen. Selbst direkt aufgenommen gelten eisenphosphathaltige Giftköder laut CliniPharm / CliniTox als relativ unbedenklich für andere Tierarten.

Speisers Meinung nach sind sie daher gut für Gemüse- und Blumenbeete geeignet. «Hier herrscht meist keine grosse Vielfalt von Schneckenarten und ihr Einsatz ist unproblematisch.» Weniger sei hierbei allerdings mehr. «Schon eine erstaunlich niedrige Dosierung genügt, um den gewünschten Effekt zu erzielen.» Ausserdem brauchen die Körner nur bei empfindlichen Pflanzen oder Pflanzenstadien gestreut zu werden.

Nacktschnecken kann auch mit natürlichen Mitteln der Garaus gemacht werden. Nematoden beispielsweise sind winzige Fadenwürmer, die einige der schädigenden Nacktschnecken befallen und letztlich töten. In den beliebten Bierfallen hingegen ertrinken leider nicht nur Schnecken, sondern auch Laufkäfer und Spinnen. 

Im Einklang mit der Natur gärtnern
Anlocken und Absammeln ist effektiv, wenn auch arbeitsintensiv: Unter künstlichen Verstecken wie Brettern, Hohlziegeln oder gros­sen Blättern kann man die Tiere zu früher oder später Stunde einfach pflücken. Lebend in der Natur entsorgt richten sie womöglich einfach anderswo Schaden an, daher werden sie meist durch kochendes Wasser oder Zerteilen getötet. Abtun oder vergiften fällt bei Säugetieren unter Tierquälerei; für Schnecken gilt das – zumindest in den Augen des Gesetzes – nicht. Da bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen wurde, ob auch diese Tiere Schmerzen verspüren oder nicht, sind sie vom Anwendungsbereich des Tierschutzrechts ausgeschlossen.

Wer lieber zugunsten der Schnecken entscheiden möchte, kann im Einklang mit der Natur gärtnern und die Schwächen der Nacktschnecken nutzen. Da sie trockene Böden und direkte Sonnenstrahlung meiden, beugt eine sonnige Lage, kombiniert mit frühmorgendlichem, punktuellem Giessen einer Schneckeninvasion meist vor. Der Boden sollte dabei regelmässig aufgelockert werden, sonst bieten die Risse darin den Schnecken Unterschlupf. Ein Schutzstreifen aus trockenem Sand, Sägespänen oder Kies macht das Beet zusätzlich unattraktiv. Schneckenkragen oder Schneckenzäune schützen Pflanzen und Beete noch besser vor einwandernden Nacktschnecken. Gräbt man die eingegrenzte Erde bereits zur Frostzeit um, minimiert man gleichzeitig den Nachwuchs, da die freigelegten Eier durch Frost absterben.

Und wer sich gar nicht erst um gefrässige Schnecken kümmern möchte, kann seinen Garten einfach unattraktiv für die Weichtiere gestalten. Bernhard Speiser rät: «Wählen Sie Pflanzen, die wenig empfindlich auf Schnecken sind. Dann können Sie die Schneckenproblematik entspannt angehen.» So meiden Schnecken Pflanzen mit starker Behaarung, abwehrenden Inhaltsstoffen oder hohem Anteil an ätherischen Ölen und Geschmacksstoffen. Ein natürlicher Schneckenzaun aus Ringelblumen oder Rucola könnte also schon ausreichen, um unerwünschte Gäste vom Rest des Gemüsegartens fernzuhalten.

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