Der eine wendig, der andere stämmig

Pudel, Lagotto und Barbet
Hunderassen
Sie haben Locken und wurden für die Wasservogeljagd gezüchtet. Wie sich Pudel, Lagotto und Barbet voneinander unterscheiden und was das mit Fahrzeugtypen zu tun hat – eine Auslegeordnung.

Am Anfang ihrer Züchterkarriere vor 17 Jahren sei sie noch oft auf ihre Hündin Cleo angesprochen worden, erinnert sich Sylvia Richner aus Attelwil AG. «Man sah in den Augen der Menschen, dass sie am Rätseln waren.» Irgendwann habe sie die Frage dann vorweggenommen und schon im Vorfeld klargestellt: Nein, Cleo ist kein Pudel, sondern ein Barbet – damals eine mit 30 Hunden schweizweit sehr unbekannte Rasse. 

In der Zwischenzeit sieht man den Barbet zwar auch hierzulande immer öfters. Mit dem Lagotto Romagnolo jedoch sorgt seit einigen Jahren eine weitere Hunderasse für Verwirrung, wenn es um die Unterscheidung zwischen Pudel, Barbet und Lagotto geht. Das kommt nicht von ungefähr. Schliesslich verbindet die drei Rassen nicht nur die ständig wachsende Lockenpracht, sondern auch eine ähnliche Geschichte. 

Für die Wasservogeljagd gezüchtet
Sowohl der Barbet als auch der Lagotto Romagnolo gelten als sehr alte Rassen, die bis ins 16. Jahrhundert zurück dokumentiert sind. Der Barbet stammt aus Frankreich und wird seit jeher für die Jagd auf Wasservögel verwendet. Der Lagotto stammt aus Italien, ist aber auch ein traditioneller Wasser-Apportierhund. Als im Laufe der Jahrhunderte die Sümpfe trockengelegt und in Ackerland verwandelt wurden, entwickelte sich der Lagotto in den Ebenen und Hügeln der Emilia-Romagna vom Wasser- zu einem exzellenten Trüffelsuchhund, wie es im Rassestandard des FCI, dem kynologischen Weltdachverband, heisst. 

«Aus meiner Sicht ist der Pudel nach wie vor ein Arbeitshund, der Aufgaben, Beschäftigung und ganz viele Möglichkeiten braucht, Neues zu lernen, damit ihm nicht langweilig wird.»
Esther Lauper
Pudel-Züchterin

Sowohl der Barbet als auch der Lagotto werden von der FCI in die Gruppe der Apportier-, Stöber- und Wasserhunde eingeteilt. Nicht so der Pudel. Obwohl er gemäss Rassestandard vom Barbet abstammt und ursprünglich für die Jagd von Wildgeflügel benutzt wurde, gehört er zur Gruppe der Gesellschafts- und Begleithunde. Für Pudel-Züchterin Esther Lauper aus Wallisellen ZH ist dies unverständlich. «Aus meiner Sicht ist der Pudel nach wie vor ein Arbeitshund, der Aufgaben, Beschäftigung und ganz viele Möglichkeiten braucht, Neues zu lernen, damit ihm nicht langweilig wird.» Ausserdem habe der Pudel einen nicht zu unterschätzenden Jagdtrieb, was seine Zugehörigkeit zur Gruppe der Wasserhunde unterstreiche. 

Die Wasserhunde hätten auf der Jagd mit ihren Menschen stets kooperiert, anders als andere Jagdhunde. Deshalb haben Wasserhunde auch das Potenzial, gut ausgebildet verlässlich zu sein und über Impulskontrolle zu verfügen, führt Lauper weiter aus. «Es sind aber alles keine Befehlsempfänger. Sie vertragen keine Härte in der Erziehung, sind Freigeister geblieben und kooperieren viel lieber als zu gehorchen.» So ähnlich charakterisieren auch Barbet-Züchterin Sylvia Richner aus Attelwil AG sowie Lagotto-Züchterin Christine Frei aus Gansingen AG ihre Hunde. 

Ferrari und Offroader im Hundesalon
Mit einer Widerristhöhe von 53 bis 65 Zentimetern ist der Barbet der grösste Vertreter der Wasserhunderassen. Den Pudel gibt es in vier verschiedenen Grössen, wobei der Grosspudel mit 45 bis 60 Zentimetern Widerristhöhe die zweitgrösste der drei Rassen ist, gefolgt vom Lagotto Romagnolo, bei dem gemäss Rassestandard eine Widerristhöhe von 41 bis 48 Zentimetern verlangt wird. 

Der Lagotto könne am Kopf von Barbet und Pudel unterschieden werden, wie Lagotto-Züchterin Christine Frei sagt: «Sein Erkennungszeichen ist der runde Kopf, wobei die Ohren klein und am Kopf angelegt, also nicht gut sichtbar sind. Der Barbet und der Pudel haben Lampiohren.» Auch an der Schnauze unterscheiden sich die drei Rassen. Der Pudel hat die längste, gefolgt vom Barbet und dem Lagotto. Der Barbet trägt die Rute locker fallend, der Lagotto höchstens leicht und der Pudel deutlich erhoben. 

«Das Erkennungszeichen des Lagotto ist der runde Kopf, wobei die Ohren klein und am Kopf angelegt, also nicht gut sichtbar sind. Der Barbet und der Pudel haben Lampiohren.»
Christine Frei
Lagotto-Züchterin

Abgesehen davon stellt Barbet-Züchterin Sylvia Richner weitere Unterschiede zwischen den Rassen fest – und bedient sich dabei einer Analogie aus der Autobranche. So vergleicht sie den leichtfüssigen Pudel mit einem Sportflitzer, den Barbet mit seinem kräftigen und kompakten Körperbau mit einem Geländewagen. Pudel-Züchterin Esther Lauper bezeichnet den Pudel aufgrund seines leichten Körperbaus ebenfalls als den sportlichsten unter den drei Rassen. Und auch im Rassestandard wird vom Pudel eine tänzelnde und leichtfüssige Gangart verlangt. 

Die Frisur macht den Unterschied
Die grössten Unterschiede zwischen Lagotto, Pudel und Barbet bestehen jedoch in deren Frisuren. Zwar wächst das Fell bei allen drei Rassen unaufhörlich, weshalb der regelmäs­sige Gang in den Hundesalon unumgänglich ist. Die Ergebnisse sind jedoch unterschiedlich. «Der Barbet bleibt im Erscheinungsbild eher rustikal», erklärt Züchterin Richner. Es gibt ihn einfarbig schwarz, grau, braun, weiss sowie loh- und sandfarben. Gemäss Rassestandard formt sein Haarkleid einen Bart – französisch: Barbe –, der der Rasse seinen Namen gegeben hat. Sonst wird sein Fell im natürlichen Zustand belassen und bedeckt den ganzen Körper. 

Ähnlich verhält es sich beim Lagotto Romagnolo. Er wird in den Farben Grauweiss, Weiss mit braunen oder orangen Flecken, Orange- oder Braunschimmel, Braun mit oder ohne Weiss sowie Orange mit oder ohne Weiss gezüchtet. Um eine Verfilzung zu vermeiden, muss das Fell mindestens einmal pro Jahr vollständig geschoren werden, wie es der Rassestandard vorschreibt. Das geschorene Haar soll dabei nicht länger sein als vier Zentimeter und darf weder geformt noch aufgebürstet werden. Im Rassestandard heisst es explizit, dass jeder übertriebene Haarschnitt zum Ausschluss des Hundes aus der Zucht führt. Der korrekte Schnitt hingegen ist «unprätentiös und untermalt das für diese Rasse typische natürliche und robuste Aussehen». 

Den Pudel gibt es nicht nur in vier Grössen, sondern auch in sechs Farbenschlägen: schwarz, weiss, braun, silber, fawn, blackandtan und harlekin. Auch die Frisuren sind variabler als beim Barbet und dem Lagotto. So gibt es verschiedene Schuren wie etwa die Löwen-, die Puppy- oder die so genannte Englische Schur, deren Merkmale im Rassestandard aufgeführt sind. Als einzige der drei Rassen soll beim Pudel das Gesicht geschoren werden. «Der Pudel ist und bleibt ein Vogelhund und muss rundum sehen können», erklärt Züchterin Esther Lauper. «Wenn er das Gesicht voller Haare hat und undercover leben muss, wird er depressiv.» 

Autor

Carmen Epp

Carmen Epp

Kurz nach ihrem ersten Einsatz für die «Tierwelt» 2014 hat sich Redaktorin Carmen Epp – fürs Hunde-Ressort zuständig – einen Traum erfüllt und sich einen Hund zugelegt – auf Spesen, wie man munkelt. Nach einem kurzen Abstecher in ihre Heimat, den Kanton Uri, kehrte sie zur «Tierwelt» und ins Hunde-Ressort zurück. Daneben betreut sie die Ressorts «Natur und Umwelt» sowie die Leserkolumnen, während Boston Terrier Chippy unter dem Tisch schnarchend sein Redaktionshundedasein geniesst – und so manchen Input fürs Hunde-Ressort liefert.

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