Ärger am Hals

Katze sitzt draussen und trägt ein Halsband
Katzenhalsband
Viele Büsi mit Freigang tragen ein Halsband. Tierärzte raten davon ab – weil es gefährliche Verletzungen geben kann.

Halsbänder für Katzen. Das Thema bewegt. Der Blick in ein Internetforum. «Wenn es doof kommt, können sich die Katzen auch damit verfangen oder strangulieren. Ich würde meinen Katzen keins anziehen», schreibt eine Katzenhalterin. Eine andere Büsibesitzerin erzählt: «Meine Freigängerkatzen tragen ein Halsband. Die Leute wissen somit, dass es keine streunenden Katzen sind.» Zudem hänge am Band eine kleine Kapsel, in der ein Zettelchen mit der Adresse des Zuhauses steckt. «Ich war schon froh darüber, als die neue Katze zum ersten Mal ihr Revier erkundete und nicht nach Hause kam. Ich habe zwei Mal einen Anruf von Privatpersonen erhalten, dass sie meine Katze gefunden haben.» 

Eine Forumsbesucherin weist dagegen darauf hin: «Ich finde Halsbänder unnötig dafür. Heute kann man die Katze chippen. Auf dem Reiskornkleinen Chip, der unter der Haut liegt, sind alle Daten der Besitzer gespeichert.» Es stimme schon, um die Daten auszulesen brauche es ein spezielles Gerät, das beispielsweise Tierärzte oder die Tierrettung habe. «Aber die Gesundheit der Katze geht vor – Katzenhalsbänder schaden nur», doppelt ein Katzenbesitzer nach.

Besser ohne Glöcklein
«Es gibt für mich keinen logischen Grund für ein Katzenhalsband», erklärt Tierarzt Flurin Tschuor von der Tierklinik Mittelland in Oftringen AG. Er empfehle grundsätzlich keine Halsbänder, weil die Verletzungsgefahr sehr gross sei. Es gebe leider zu oft Todesfälle, weil sich Katzen am verfangenen Halsband stranguliert hätten oder auch Beinamputationen, weil sich das Halsband um das Bein gewickelt habe.

Der Handel hat verschiedene Katzenhalsbänder im Sortiment, die zwischen vier und zehn Franken kosten. Oft angeboten werden dehnbare Bänder mit Steckverschluss, der sich von selbst öffnet, wenn zu viel Zug darauf wirkt. Auch Halsbänder mit Glöckchen und reflektierender Oberfläche liegen oft in den Regalen oder spezielle Zeckenhalsbänder.

Auch Tierärztin Daniela Glaus von der gleichnamigen Tierpraxis in St. Gallen hält nichts von Katzenhalsbändern. Bänder mit Glöckli würden übrigens nicht wie beabsichtigt verhindern, dass Katzen Vögel fangen, sagt Glaus. Auch sie hat in ihrer Praxis schon eine Katze mit einer hässlichen Wunde in der Achselhöhle behandelt, die mit dem Bein im Katzenhalsband hängen blieb und erst nach Tagen nach Hause kam.

Keine Zeckenhalsbänder
«Grundsätzlich empfehlen wir jeder frei laufenden Katze einen Chip», erklärt Tierärztin Simone Kundert von der Kleintierpraxis «aufdorf» in Männedorf ZH. Anders als für Hunde gilt in der Schweiz keine Chip-Pflicht für Katzen. Zusätzlich könne ein Halsband förderlich sein, damit die Nachbarschaft erkenne, dass die Katze einen Besitzer habe. «Von einer generellen Empfehlung kann ich aber nicht sprechen. Es ist je nach Katze und Besitzer sehr individuell.» Glöckchen an Halsbändern seien unbedingt zu entfernen, «denn die Katze wird irritiert und es hat keinen Einfluss auf den Jagd­erfolg der Katze».

Kundert spricht sich auch gegen Zeckenhalsbänder aus. Die Wirksamkeit sei nicht besser als bei Spot-on-Präparaten, die der Katze auf die Haut getröpfelt werden. «Wenn die Katze das Halsband loswird und es im Wasser landet, ist es überdies ein äusserst potentes Umweltgift», sagt die Tierärztin. «Leider sahen wir in der Vergangenheit häufig Verletzungen, die durch ein Hängenbleiben der Katze entstanden sind. Das waren zum Teil sehr tiefe Einschnitte im Halsbereich.» 

Autor

Luc Müller

Luc Müller

Luc Müller ist «Tierwelt»-Redaktor und kümmert sich neben den Kaninchen um das breite Feld «Natur & Umwelt», wobei er je nach Thema zur Wühlmaus, zum Trüffelschwein oder Sperber mutiert. Auch zu Hause geht es tierisch zu und her, wo die getigerte Hauskatze mit ihrem ganz eigenen Willen für viel Unterhaltung sorgt. Zum Abschalten auf dem Nachhauseweg an den Zürichsee hört der Schreibende gerne Jazz ­– am liebsten natürlich das Stück «Bird of Paradise» von Album «Ornithology».

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