Parasiten
Jede 10. Katze in der Schweiz hat Bandwürmer – so erkennst du den Parasiten
Rund jede zehnte Katze in der Schweiz trägt den Katzenbandwurm in sich – meist, ohne dass es bemerkt wird. Auch Hunde können von Bandwürmern betroffen sein. Parasitologin Caroline Frey erklärt, wie es zu den Infektionen kommt, woran man einen Befall erkennt und warum regelmässiges Entwurmen Tier und Mensch schützt.
Etwas Kleines, Weisses hängt am Hinterteil der Katze. Bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich als ein winziges, helles Würmchen, etwa einen Zentimeter lang. Wie eine Ziehharmonika zieht es sich auseinander und wieder zusammen – so kriecht es gemächlich übers Fell. Bei Katzenhalterinnen und Katzenhaltern, an die sich die Samtpfote sonst so vertrauensvoll anschmiegt, kann dieser Anblick durchaus einen kleinen Schauer auslösen. «Höchstwahrscheinlich ein Katzenbandwurm namens Taenia taeniaeformis», vermutet Caroline Frey, Co-Direktorin am Institut für Parasitologie der Vetsuisse Fakultät an der Universität Bern. «Dieser ist der mit Abstand häufigste Bandwurm bei Katzen, von denen rund jede zehnte in der Schweiz betroffen ist.»
Bandwürmer sind flache Würmer, die nicht eine einzige Körperhöhle haben, sondern aus mehreren kleinen Körpern, sogenannten Segmenten oder Proglottiden, aufgebaut sind. Ein solches mit Eiern gefülltes Segment stossen sie von sich ab, das wiederum aktiv aus dem Anus der Katze wandert – und uns diesen Anblick beschert. «Sie sind immer mehrwirtig. Das heisst, sie brauchen in ihrem Lebenszyklus zwingend einen oder mehrere Zwischenwirte, nebst dem Endwirt», erklärt Frey. Dies mache es nicht ganz einfach, nachzuvollziehen, wie Ansteckungen erfolgen. Den Ursprung der Infektion einer Katze mit dem häufigen Katzenbandwurm Taenia taeniaeformis ist laut Frey jedoch schnell ausgemacht: «Sie infizieren sich mit diesem und auch anderen Bandwürmern durchs Jagen sowie Fressen von Mäusen, die Zwischenwirte sind.»
Hunde können sich ebenso beim Fressen von Mäusen mit Bandwürmern infizieren. «Es sind aber deutlich weniger Hunde mit einem Bandwurm befallen als Katzen, nämlich nur rund jeder Hundertste in der Schweiz.» Neben der oralen Aufnahme eines Zwischenwirtes können auch ungekochtes Fleisch von Hasenartigen, Wiederkäuern, Schweinen oder Fischen ein Risiko darstellen. Beim Zerbeissen von Flöhen oder Haarlingen kann zudem eine Infektion mit dem Gurkenkernbandwurm stattfinden. Caroline Frey, die auch Vizepräsidentin von ESCCAP Schweiz – der Vereinigung führender Veterinärparasitologen – ist, warnt: «Bandwürmer sind nur gegen ganz wenige Medikamente empfindlich und können zum Teil mehrere Jahre in ihren Wirten leben.»
Vom Wurm befallen
Die adulten Bandwürmer, die bis zu einem halben Meter lang werden, leben im Dünndarm der betroffenen Katzen und Hunde. Dort richten sie meist keinen grossen Schaden an, können aber unspezifische Verdauungsprobleme auslösen. Diese reichen von Bauchschmerzen bis hin zu Durchfall oder Verstopfung. Abmagerung oder der Vorfall des dritten Augenlids – also das dauerhafte Sichtbarwerden der inneren, weissen Hautfalte im Auge – können ebenso auftreten. Typisch sind zudem eingetrocknete Bandwurmsegmente in Form kleiner, weisser «Reiskörner» im Liegebett der Tiere. «Bei der Katze kann es auch mal vorkommen, dass sie die Bandwürmer erbricht», so Frey. Dass sich der Mensch mit den adulten Bandwürmern der Katze oder des Hundes anstecken könne, sei nicht möglich. «Das geschieht nur durch den Verzehr von ungenügend gekochtem sowie rohem Rindfleisch, Schweinefleisch oder Fisch.»
Eine grössere Gefahr stellen die Larvenformen der Bandwürmer dar, die sich in den Zwischenwirten finden lassen. «Diese können viel mehr Schaden anrichten, da sie meist in Organen, dem Hirn oder in der Muskulatur zu finden sind.» Bei einem Befall mit Larvenstadien hängen die Symptome davon ab, welche Organe betroffen sind. «Gerade Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können anfällig für bestimmte Bandwürmer sein, die insbesondere Hunde in sich tragen», erklärt Caroline Frey. In diesen seltenen Fällen seien die Menschen immer der Zwischenwirt und somit von Larven befallen. Dies ist auch bei der gefürchteten Krankheit alveoläre Echinokokkose der Fall – ausgelöst durch den Fuchsbandwurm. «Wir konnten ihn als zweithäufigsten Bandwurm bei Hunden in der Schweiz ausmachen.» Eine Gefahr für Besitzer und Besitzerinnen, warnt Frey. Unbehandelt verläuft die Erkrankung gar tödlich, denn die Larven des Fuchsbandwurmes greifen die Leber an. «Die Katze ist zum Glück viel weniger betroffen.» Bei Katzen in der Schweiz konnten laut Caroline Frey erst gar keine Fuchsbandwürmer gefunden werden: «Dies bestätigt, dass die Katze für die Verbreitung keine Rolle spielt.»
Nur Medikamente helfen
Bei einem Bandwurmbefall wirken ausschliesslich die Wirkstoffe Praziquantel oder Epsiprantel, die sich in zugelassenen Wurmkuren befinden. «Hausmittelchen wirken nicht gegen Bandwürmer», betont Caroline Frey. Auch müsse man davon ausgehen, dass mäusejagende Katzen sich unvermeidlich mit Bandwürmern infizieren. Sie empfiehlt daher bei Freigänger-Katzen, die Mäuse fressen, eine Entwurmung mindestens alle drei Monate. Beim mäusefressenden Hund empfehle sich das strikte monatliche Entwurmen, «damit er keine Eier des Fuchsbandwurmes ausscheidet». Wird rohes Fleisch oder Innereien verfüttert, mit dem Hund zur Jagd gegangen oder besteht Flohbefall, sollte mindestens alle drei Monate entwurmt werden. «Wohnungskatzen haben hingegen ein sehr geringes Risiko für einen Bandwurmbefall.» Dennoch empfiehlt Frey auch hier eine Entwurmung – zumindest jährlich.
Damit der Wurm nicht drin ist
- Jagd auf Kleintiere wie Mäuse und andere Wildtiere möglichst verhindern
- Zugang zu Schlachtabfällen sowie Tierkadavern und Aas verunmöglichen
- Auf eine gute und ganzjährige Flohprophylaxe achten
- Rohes Fleisch und Innereien für mindestens eine Woche bei -20 °C tieffrieren, um mögliche Larven abzutöten
- Zugang zu frischem und sauberem Trinkwasser gewährleisten
- Kot von Hund regelmässig einsammeln und entsorgen, damit keine Wurmeier in die Umwelt gelangen
- Bei Verdacht kann eine Kotuntersuchung Aufschluss geben
- Regelmässige Entwurmung mit Mitteln, die Praziquantel oder Epsiprantel beinhalten
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