Die Jägerin, die nicht jagen sollte

Katze lauert im Gras
Dilemma
Wer Singvögel und Reptilien im Garten hat, wünscht sich Mittel und Wege, dem Büsi das Jagen abzugewöhnen. Obwohl eine neue Studie Hoffnungen weckt, bleibt in Bezug auf das Wohlbefinden von Freigänger-Katzen und wild lebenden Kleintieren ein Dilemma.

Viele Katzenhalter haben grundsätzlich gerne Tiere. Bringt das Büsi halb- oder ganztote Blindschleichen, Vögel oder Mäuse nach Hause, ist die Freude darüber gering. Es stellt sich darum die Frage: Kann man Freigänger-Katzen das Jagen nicht einfach abgewöhnen? «Jagen ist ein angeborener Trieb, den man nicht einfach wegtrainieren und durch entsprechende Massnahmen auch nur schlecht vermindern kann», sagt Tierpsychologin Katharina Aeschimann aus Winterthur ZH. Ihrer Ansicht nach ähnelt der Katze das Jagen und Heimtragen der Beute abzugewöhnen dem Rudern gegen den Strom. «Viele junge Katzen bringen etwas nach Hause, oftmals ist es nur ein Blatt. Unsere Reaktion verantwortet dann den Lauf der Dinge. Wir finden das nämlich niedlich, die Katze fühlt sich belohnt und bringt noch mehr Dinge.»

Bei lebender Beute sei dies nicht anders. «Dass die Samtpfote ihre lebende Beute im schlimmsten Fall bis in unser Bett trägt, wird erst durch unsere Reaktion zum Problem. Jede Reaktion, ob nun gut oder schlecht, belohnt die Katze in ihrem Verhalten», sagt Aeschimann. Einmal belohnt, wird sie es wieder tun. Ist das Verhalten erst einmal gefestigt, wird es schwer, der Katze dies abzugewöhnen. Am besten sollte man die Katze laut Aeschimann ignorieren. Nicht immer ganz einfach. «Dies ist bei lebender Beute sehr schwierig, da wir Menschen dann reflexartig handeln.» In einem solchen Fall helfe allemal, den Zutritt der Katze zu kontrollieren.

Eine neue englische Studie lässt Hoffnung aufkommen. Laut dem in der Fachzeitschrift «Current Biology» veröffentlichten Bericht kann das Jagdverhalten von Katzen durch  proteinhaltiges Futter und ausreichend Spielzeit minimiert werden. Aeschimann bezweifelt allerdings einen wirklichen Erfolg. «Jagen, Töten und Fressen sind drei voneinander unabhängige, instinktiv ausgeführte Handlungen. Angeborenes Verhalten kann man nicht so einfach mit Futter und Spiel unterdrücken.» Selbst seit Generationen im Haus lebende und oftmals am Spiel uninteressierte Rassekatzen reagieren nach Ansicht der Tierpsychologin noch immer auf Vögel im Garten.

Verluste reduzieren

Laut der Vogelwarte Sempach gibt es eine Reihe von wirksamen Massnahmen, mit denen die Verluste an Vögeln, Kleinsäugern, Reptilien und Amphibien reduziert werden können.

  • Den Katzen den Zugang zu Nistplätzen von Vögeln durch an einzeln stehenden Bäumen angebrachte Manschetten erschweren.
  • Amphibien und Reptilienstandorte besser schützen (beispielsweise mit einem rund 20 Zentimter über dem Boden gespannten Viehhüterdraht).
  • Nisthilfen, Futterhäuschen und Vogelbäder katzensicher platzieren.
  • Wenn im eigenen Garten frisch ausgeflogene Jungvögel oder stark warnende Altvögel entdeckt werden, die Katze für einige Tage nicht nach draussen lassen. 
  • Katzen kastrieren lassen. Insbesondere die Kater streunen dann weniger herum. 
  • Möglichst viele optimale Kleintier-Lebensräume mit Verstecken (Ast- und Steinhaufen, hohl liegende Bretter und Trockenmauern) schaffen.

(Zusammengestellt: Andrea Trueb)

Langeweile fördert den Jagdspass
Laut Aeschimann könnte der im Rahmen der englischen Studie erzielte Erfolg damit erklärt werden, dass die Katzen schlichtweg mehr Zeit zu Hause verbrachten: «Eine vollgefressene Katze geht natürlich eher schlafen als raus zum Jagen.» Zudem: Verspüre eine Katze zu Hause weniger Langeweile, gehe sie mit grosser Wahrscheinlichkeit weniger raus. «Ist die Katze jedoch zuhause gelangweilt, sucht sie sich draussen eine entsprechende Beschäftigung, um ihren Spieltrieb auszuleben.» Je nach individueller Vorliebe jagt sie in der freien Natur dann Mäusen, Vögeln, Reptilien oder Schmetterlingen hinterher – oftmals eben nur aus Spass.

Für Spiel und Protein-Futter entschied sich das Forschungsteam um Martina Cecchetti im Wissen darum, dass Katzenhalterinnen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt und diese etwa gegenüber dem Anbringen von Glöckchen-Halsbändern kritisch eingestellt sind. Tatsächlich werden ein proteinreiches Futter und gemeinsames Spiel vermutlich von den meisten Katzenhalterinnen positiv bewertet – ob die Massnahmen das Jagdverhalten tatsächlich reduzieren oder nicht. 

Katharina Aeschimann ist zumindest dem Objekt-Spiel gegenüber eher kritisch eingestellt. Sie argumentiert, dass das letztlich unerwünschte Jagdverhalten durch das Spiel zu Hause eventuell erst richtig angespornt wird. «Die meisten Menschen spielen nur mit einer Schnur oder Angel, welcher die Katze nachjagen muss. Diese Art von Spiel ist jedoch kontraproduktiv.» Nach einer Weile quer durch die Wohnung jagen mache die Katze ein Powernap und sei voll wieder da – bereit zur nächsten Jagd. Um die Katze wirklich auszulasten, helfen laut Aeschimann nur Strategiespiele, bei denen unsere intelligenten Samtpfoten ihren Kopf benutzen müssen. Dennoch: «Selbst der beharrlichste Halter wird in seinem Bemühen kaum von Erfolg gekrönt sein. Sobald die Katze rausgeht, wird sie in ihre bekannten Verhaltensmuster verfallen.»

Bimmelnde Glöckchen bringen nichts
Kritisiert werden kann an der Studie zudem, dass lediglich untersucht wurde, wie viele Beutetiere die räuberischen Probandinnen nach Hause brachten. Wie oft die Katzen im Experiment rausgingen, welche Jahreszeit es war und was die Samtpfoten tatsächlich draussen jagten und vielleicht vor Ort frassen, blieb in der Studie unbekannt. 

Davon, die potenzielle Beute durch Glöckchen oder bunte Halsbänder vor ihrer Jägerin zu retten, hält Aeschimann übrigens nichts. «Katzen haben ein sehr empfindliches Gehör, für das ein bimmelndes Glöckchen am Hals schon regelrechte Quälerei ist.» Zudem lernen unsere Samtpfoten rasch, mit den richtigen Bewegungen das Bimmeln zu umgehen. «Ausserdem können Katzen an Halsbändern hängen bleiben oder sich im schlimmsten Fall strangulieren.» 

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