Gefährliches erstes Lebensjahr

Kleines Kätzchen liegt auf dem Rücken und schaut kopfüber in die Kamera
Junge Katzen
Von der Trennung der Mutter über das Einleben bei neuen Besitzern bis hin zur übermütigen Jugend: Nie leben Katzen riskanter als in der Zeit bis zum ersten Geburtstag.

Kaum etwas verzückt Tierliebhaber mehr als der Anblick kleiner Kätzchen. Wenn sie ihre ersten tapsigen Schritte hinaus in die Welt wagen, bleibt kaum ein Herz ungerührt. Doch schnell sind die Wochen im warmen Nest und in ständiger Obhut der Mutterkatze vorüber. Dann gibt es etliche Gefahren auf dem Weg zum Erwachsenwerden. In einer britischen Studie über Todesursachen von Hauskatzen kam heraus: Knapp sechs Prozent von ihnen sterben im ersten Lebensjahr. Danach sinkt das Sterberisiko deutlich. Erst mit einem Alter von zwölf Jahren wird wieder die Sechs-Prozent-Marke erreicht. Am höchsten ist die Todesrate bei 15 und 16 Jahre alten Stubentigern. Weil das im Bereich der durchschnittlichen Lebenserwartung liegt, steht damit fest: Das erste Lebensjahr ist am gefährlichsten. 

Während der ersten vier Lebenswochen hängen Glück und Wohl des Nachwuchses ganz von der Mama ab. Wenn diese sich fürsorglich zeigt, genügend Milch hat und aus-serdem selbst gesund und munter ist, steht dem gelungenen Start ins Leben nichts im Weg. Klettert ein Jungtier auf Erkundungstour aus dem Nest, kommt die Katzenmama, beisst ihm ins Nackenfell und trägt es wieder zurück. Sie sorgt geflissentlich dafür, dass den Kleinen nichts passiert.

Lücke in der Immunabwehr
Doch schon bald wird das Leben immer riskanter. Ab der vierten Lebenswoche beginnt ein kleines Kätzchen, neben der Muttermilch auch andere Nahrung aufzunehmen. Bis zur achten Woche ist es von der Milch entwöhnt. Jetzt lauert das erste Gesundheitsrisiko, denn mit der Muttermilch nehmen Katzenkinder auch Antikörper gegen verschiedene Krankheiten auf. Ihr Immunsystem ist dadurch stark und widerstandsfähig.

Nach dem Abstillen fällt die Versorgung plötzlich weg. Antikörper von der Mutter sind nur noch schwach vorhanden, vor einer Infektionskrankheit können sie nicht mehr schützen. Aber sie sind noch immer stark genug, um einen Impfstoff ausser Gefecht zu setzen. Wer weder durch mütterliche Antikörper noch durch eine Impfung geschützt ist und ausserdem selbst noch kein umfassendes Immunsystem aufbauen konnte, der ist vorübergehend von Infektionskrankheiten bedroht. Diese Zeitspanne heisst «immunologische Lücke». Doppeltes Impfen ist in dieser Zeit der beste Schutz vor einer Ansteckung.

Krankheiten wie Katzenschnupfen kommen beispielsweise bei Bauernkatzen häufig vor. Das klingt für den Laien zunächst harmlos, kann für das Tier aber lebensbedrohlich sein. Darum sind Impfungen gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche unerlässlich. Nach der ersten Spritze folgen drei Wochen und ein Jahr später die Auffrischungen für die Grundimmunisierung. Ob Impfungen gegen weitere Krankheiten notwendig sind, wird vom Tierarzt individuell nach den neuen Lebensumständen der Katze entschieden.

Gefahren noch und noch
Acht Wochen ist zudem genau jenes Alter, in dem Katzenkinder frühestens von der Mutter getrennt und an neue Besitzer abgegeben werden dürfen – länger warten ist aber in den meisten Fälle besser (lesen Sie hier mehr dazu). Weil der Geburtstermin bei Bauernhofkätzchen oft nicht bekannt ist, gibt es einige Anhaltspunkte zur Altersbestimmung: Ein Kätzchen mit gut acht Wochen hat offene Augen und dichtes Fell, ist neugierig und verspielt, es wiegt zwischen 750 und 900 Gramm und hat ein vollständiges Gebiss mit spitzen Milchzähnen. 

Im neuen Zuhause angekommen beginnt der kleine Stubentiger, alles intensiv zu erkunden. Die Neugierde kann in Kombination mit der Unerfahrenheit zu manchem Leichtsinn führen. Ohnehin lauern im und ums Haus (siehe Seite 25) zahlreiche Gefahren. 

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