Starr mich nicht an!

Katzen starren sich an
Kommunikation
Menschen und Katzen könnten unterschiedlicher nicht sein. Regelmässig tappen wir beim Blickkontakt mit Katzen daher ins Fettnäpfchen. Statt sie anzuschauen, sollten wir lächeln – aber bitte auf Kätzisch!

Wir Menschen lernen schon früh aus Höflichkeit unserem Gegenüber in die Augen zu schauen. In der Tierwelt jedoch ist eher das Gegenteil der Fall. Auf eine fremde Katze zuzugehen und ihr dabei direkt in die Augen zu schauen, hält Nadja Berger von Pfotenpsychologie in Gossau ZH daher für keine gute Idee. «Ein direktes Anstarren wirkt bedrohlich und geht in der Tierwelt in vielen Fällen auch einem Angriff voraus.» Die Veterinärmedizinerin und tierpsychologische Beraterin weiss, dass die Intensität des Betrachtens bei Vierbeinern nicht gut ankommt. «Deshalb sind auch Kleinkinder unseren Katzen meist nicht ganz geheuer, da diese ihr Gegenüber oft sehr lange und mit weit geöffneten Augen begutachten.» 

«Durch Blinzeln oder betontes Schlies­sen und Öffnen der Augen zeigen Katzen ihr Vertrauen.»
Nadja Berger
Pfotenpsychologie Gossau ZH

Erwachsene wiederum fixieren eine Katze nicht nur mit Blicken. Sie treten oftmals im Ganzen schlichtweg katzenunfreundlich auf. «Gerade Menschen, die den Umgang mit Tieren nicht gewöhnt sind, bewegen sich zudem noch leicht nach vornübergebeugt auf die Katze zu. Die Haltung ist jedoch bedrohlich für die Katze, da sie einem Jäger gleicht, der seine Beute anschleicht.» Zusätzlich noch mit den Händen zu fuchteln und dabei Quietsch-Geräusche von sich zu geben, täte sein Übriges, um selbst die kühnste Katze in die Flucht zu schlagen. «Ein Tier, das sich der bedrohlichen Situation entziehen kann, wird es meistens tun. Wenn es sich aber nicht mehr anders zu helfen weiss, kann es auch angreifen.» 

Mit zielgerichteten Blicken misst man sich in der Katzenwelt. «Durch langes gegenseitiges Anstarren wird eine rangniedere Katze in der Regel dazu bewegt, sich zurückzuziehen.» Oder die Katze nimmt durch langes Betrachten unter die Lupe, was ihr nicht ganz geheuer ist. Besser wäre also, die Katze keines Blickes zu würdigen. Oder noch besser: zu blinzeln. Während wir Menschen aus Unsicherheit mit den Augen blinzeln, ist es auch hier bei vielen Tieren anders. Mit einem kurz angedeuteten Schliessen der Augen kommunizieren Katzen denn auch eine freundliche Botschaft. «Durch Blinzeln oder betontes Schlies­sen und Öffnen der Augen zeigen Katzen ihr Vertrauen oder versuchen, ihr Gegenüber zu beschwichtigen.»

Dass es sich lohnt, dieses Blickverhalten von der Katze zu übernehmen, fand vergangenes Jahr ein britisches Forschungsteam der Universität Sussex heraus. In einem Experiment mit 21 Katzen zeigte sich, dass die Samtpfoten ihre Besitzer eher anblinzelten, wenn diese zuvor ihre Katzen auf Kätzisch angezwinkert hatten – also die Augen langsam zusammenkniffen, um sie kurz vor dem Schliessen wieder gemächlich zu öffnen. Im übertragenen Sinne lächelten die Katzen also zurück, nachdem sie von ihren Besitzern angelächelt wurden. Indem wir diese katzenspezifische Variante des Lächelns nachahmen, könnten wir die positive Beziehung zu unseren Samtpfoten noch weiter verbessern, so die Forscher. 

«Katzen sind im Zusammenleben mit ihren Menschen sehr flexibel und lernen, unsere Körpersprache zu deuten.»
Nadja Berger
Pfotenpsychologie Gossau ZH

Körpersprache wird variabel gedeutet
Selbst unbekannte Menschen scheint diese Art des «langsamen Blinzelns» für die Katze attraktiver zu machen. So waren die Katzen im Experiment eher dazu geneigt, sich der ausgestreckten Hand eines ihnen unbekannten Menschen zu nähern, wenn dieser ihnen vorab ein Katzenlächeln geschenkt hatte. Wie diese spezielle Art des Blinzelns zustande kam, wissen die Forschenden aber nicht. Es könnte sein, dass Katzen dieses Verhalten vom Menschen übernahmen, der es als positiv wahrnimmt und die Katzen für Blinzeln in der Regel durch Streicheln belohnt. Genauso gut könnte es auch nur ein Unterbrechen des langen Anstarrens sein, um die knisternde Spannung aus der Situation zu nehmen.

Ein wenig mehr Kätzisch beflügelt die heimische Mensch–Katzen-Beziehung sicherlich. Dennoch hält es Berger für unnötig, sich um die Blick-Kommunikation mit der eigenen Katze Sorgen zu machen. Diese habe längst gelernt, mit unserem seltsamen Verhalten umzugehen. «Generell sind Katzen im Zusammenleben mit ihren Menschen sehr flexibel und lernen, unsere Körpersprache ganz variabel zu deuten, vor allem wenn sie schon während der Prägungsphasen den Partner ‹Mensch› kennenlernen durften.» Ein für ein fremdes Tier sehr bedrohlich wirkender Blick kann für die eigene Katze problemlos sein. «Sie hat gelernt, was ihr Mensch damit ausdrücken möchte.» 

Bei fremden Büsis hingegen funktioniert selbst das beste Blinzeln ohne ein insgesamt katzenfreundliches Auftreten nicht. «Generell ist es von uns Menschen sehr viel ‹höflicher›, wenn wir bei einer Kontaktaufnahme den direkten Blickkontakt meiden, uns klein machen und uns von der Katze wegdrehen.» So signalisieren wir noch besser als mit Blinzeln, dass von uns keine Gefahr ausgeht.

Kommentare (0)