Was meint sie wohl?

Katze miaut
Katzensprache
Katzen besitzen ein beeindruckendes Repertoire an kommunikativen Lauten. Nur verstehen wir sie nicht immer. Eine Expertin klärt auf.

Wenn Tiere Laute von sich geben, dreht es sich meist um das Abstecken des Reviers, Drohgebärden oder Fortpflanzung. Das ist bei der Katze
eigentlich nicht anders. So teilen Katzen einander einiges mit. Allerdings gehen sie hierbei eher geizig mit Tönen um. «Das sind dann typische Charakterlaute, die sich in ihrer Bedeutung von Tier zu Tier nicht unterscheiden», erklärt Katrin Held. Laut der Verhaltens- und Ernährungsberaterin für Katzen aus Rottenschwil AG ist dies im Zusammenleben mit uns Menschen anders. Zwar verfüge jede Katze über eine Grundgrammatik wie Schnurren, Schnattern, Heulen, Fauchen und Miauen. «Ab da wird es allerdings kompliziert.» Um sich uns verständlich zu machen, zeigen sich Katzen kreativ, sagt die Expertin.

Derzeit gehe man von geschätzten 100 verschiedenen Katzenlauten aus, die zudem noch in Unterkategorien aufgeteilt würden. «Um ihrem zweibeinigen Gegenüber ein Bedürfnis kundzutun, variiert eine Katze Tonlage und Laute so lange, bis es verstanden ist. Dabei kann sie ihre Laute vielfach abwandeln und kombinieren.» 

Tiefe Tonlage, miese Laune
Furore mit Erkenntnissen punkto Vielfalt der Katzensprache machte in den vergangenen Jahren vor allem die schwedischen Phonetik-Professorin Susanne Schötz von der Universität Lund. Sie hat ein Projekt ins Leben gerufen, das zum Ziel hat, vor allem die Tonlage, in der Katzen kommunizieren, besser zu verstehen. Schötz und ihr Team nahmen dazu Laute von ungefähr 70 verschiedenen Katzen in verschiedenen Situationen auf. Zum Beispiel beim Füttern, beim Spielen oder wenn die Katze vor einer verschlossenen Türe darauf wartete, eingelassen zu werden.

Die Forscher fanden unter anderem heraus, dass Katzen die Melodie ihrer Laut­äusserungen vom Kontext und ihrer Verfassung abhängig machen. Das Miauen, der wohl bekannteste Katzenlaut überhaupt, ist laut Schötz in positiven Situationen – oder wenn die Katze nach etwas verlangt – eher kurz und von einer hohen Tonlage, die gegen das Ende der Sequenz ansteigt. Befindet sich die Katze hingegen in einer schwierigen Lage oder ist sie in einer schlechten Verfassung, zieht sie das Miauen in die Länge und lässt die Tonhöhe am Ende abfallen.

Schon alleine dieses Beispiel macht deutlich, wie reichhaltig und individuell das feline Repertoire sein kann. Ein und dieselbe Katze könne zudem mit verschiedenen Menschen sogar unterschiedlich kommunizieren, sagt Katrin Held. Aufgrund ebendieser Individualität findet die Expertin es allerdings heikel, Laute zu kategorisieren oder ihre Bedeutung zu generalisieren. «Oftmals ist Kontext oder Gesprächspartner für die Bedeutung eines Lautes entscheidend.»

Zudem gebe es Katzen, die vermehrt in höheren Tonlagen kommunizieren, und wiederum andere, die tiefere Töne bevorzugen. Wie schwierig es ist, gerade eher unbekannten Lauten eine Bedeutung zu geben, zeigt Held an folgenden Beispielen:

Tiefes Miau
Viele Katzenbesitzer kennen es von Autofahrten: Der Stubentiger lässt leise ein sehr tiefes Miau hören. Tiefen Tönen ordnet Katzen­expertin Katrin Held eher negative Bedeutungen zu. Dieser herzzerreissende Ton könne in Zusammenhang mit Stress, aber auch mit Erschöpfung stehen, meint Katzenexpertin Katrin Held. «Gerade im Auto würde ich es als ‹Ich-bin-noch-da-Lebenszeichen› klassifizieren.» Gleichzeitig sei Miauen der normalste Laut einer Katze gegenüber uns Menschen und hat sehr viele Bedeutungen. Daher sei es fast unmöglich, ihn selbst nach Tonart zu kategorisieren. Ihre eigene Katze lasse beim unerwarteten Warten auf ihr Lieblingsfutter Fisch kurz ein grummeliges Mauen hören – ganz im Sinne von «Das hat aber gedauert!».

Gurren
Sobald Katzen diesen kurzen, weichen, nasalen Laut ertönen lassen, haben sie freundliche Annäherung im Sinn. «Katzen verwenden ihn oft zur Begrüssung ihrer Menschen und anderer Sozialpartner», sagt Held. Das Maul bleibt dabei geschlossen, der Ton kann zwischen hoch und tief variieren. Meist jedoch ist Gurren eher ein rollender Ton, der in tieferen Tonlagen angesiedelt ist. Zu hören ist es auch bei Tieren, die aus dem tiefen Schlaf geweckt werden. So manche Samtpfote nutze ein Gurren ferner zur Spielaufforderung. «Wobei es dann eher eine Tonkombination aus Gurren und Miauen ist.» Auch in der interkätzischen Kommunikation geben Muttertiere leicht abgewandelte Gurrlaute von sich.

Quieken
Während Phonetiker das Quieken als einen phonetischen Unterton von Miauen klassi­fizieren, hält Katrin Held es vielmehr für einen positiven Laut freudiger Erwartung. Ganz allgemein sind hohe Töne wie das nasale, kurze Quieken mit sich öffnendem-schliessendem Ton laut der Katzen­expertin meist eher positiver Natur. So können quiekähnliche Laute wie auch hohes Gurren eine Aufforderung zum Schmusen sein. Hierbei kann die Tonhöhe manchmal gar als Stimmungs­barometer dienen. «Doch auch hier kommt es auf den Kontext und das Gegenüber an», sagt Held. Denn es gibt ebenso Samtpfoten, die quieken, wenn sie von einem Artgenossen Prügel beziehen.

Quietschen
Ein weiteres Beispiel hoher Tonlagen bei der Katze ist das Quietschen, das dem Quieken stark ähnelt. «Orientiert man sich an der Tonlage, wäre Quietschen also ebenfalls im Bereich der positiven Lautäusserungen angesiedelt», sagt die Katzen-Verhaltens­beraterin Katrin Held. Doch dem sei nicht so. Im Gegenteil, das Quietschen habe eine ganz andere Bedeutung: «Steht man einer Katze auf dem Schwanz, quietscht sie sicherlich nicht vor Begeisterung.» Untersuchungen zeigen gemäss ihr, dass dieser Laut im Gegensatz zum Quieken immer mit negativen Gefühlen wie Schmerzen und Erschrecken in Verbindung stehe. Es ist also eine Laut­äusserung, die man als Katzenhalterin oder -halter nicht hören möchte.

Schnattern
Das rasche Stottern, einem Zähneklappern ähnelnd, kennt man in der Regel von Katzen, die vom Fenster aus einem Vogel zusehen. Katzenbesitzer halten es oft für einen Ausdruck der Aufregung. Auch in der freien Natur kann bei Katzen dieser artspezifische Laut, der auch Keckern genannt wird, beobachtet werden, sagt Katrin Held. «Forschungserkenntnissen zufolge versuchen Katzen mit diesem Ton die Beute zu imitieren.» Zwar seien weder die Imita­tion noch die Gewissheit des Erfolges umfänglich erforscht. Doch gehe man heute eher davon aus, dass dieser Laut der Tarnung der Katze diene. «Daher kann man oftmals auch eine Art Zwitschern von Katzen hören.»

Heulen
Wie das Schnattern ist auch das Heulen ein Ton in der innerartlichen Kommunikation. Allerdings ein deutlich negativ konnotierter. Das offiziell als Katzengesang klassifizierte Heulen ähnelt laut Katrin Held nur vom Ton her dem menschlichen Kinderweinen. «Es dient als Warnsignal in einer bedrohlichen Situation, wobei Heulen gerne auch mit Knurren kombiniert wird.» Gerade bei Katern könne man zudem oft ein Heulen im Chor beobachten. «Für die Tiere ist diese Situation todernst», sagt die Katzenexpertin. «Es heulen sowohl die charakterstarken als auch ängstliche Exemplare, wenn diese massiv in die Enge getrieben werden. In beiden Fällen geht es für die Tiere oftmals wirklich um Leben und Tod.»

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