Gift aus dem Magen
Kotzen statt Beissen: Spinne mit ungewöhnlicher Jagdstrategie
Die Federfuss-Spinne setzt auf eine ungewöhnliche Methode zur Beutefang: Statt Gift durch ihre Fangzähne zu injizieren, hüllt sie ihre Opfer in Seide ein und tränkt diese mit hochwirksamen Giftstoffen aus ihrem Verdauungssystem. Eine neue Studie beleuchtet diese faszinierende Strategie.
Normalerweise töten Spinnen ihre Beute, indem sie zubeissen und Gift über ihre Fangzähne injizieren. Die Federfuss-Spinne (Uloborus plumipes) verfolgt jedoch eine völlig andere Strategie: Sie hüllt ihre Beute in Seide ein und tränkt diese anschliessend mit Gift, das sie aus ihrem Verdauungssystem hervorwürgt. Ein Forschungsteam hat herausgefunden, dass die auch bei uns verbreitete Spinnenart ihre Beute zwar mit Gift tötet, dieses jedoch nicht wie üblich injiziert. Stattdessen spinnt sie ihr Opfer zunächst ein und überzieht das Seidennetz anschliessend mit hochwirksamen, hochgewürgten Giftstoffen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift BMC Biology veröffentlicht.
Erste Hinweise auf dieses ungewöhnliche Vorgehen fanden die Forschenden in einer wissenschaftlichen Zeichnung aus einem fast 100 Jahre alten Fachartikel. Darin wurde beschrieben, dass diese Spinne ihr Gift auf die frisch gesponnene Seide aufträgt und diese anschliessend zum Töten der Beute nutzt. Um diese Annahme zu überprüfen, sammelte das Team Tiere aus Gartencentern und Gewächshäusern und brachte sie zur Untersuchung ins Labor. Unter dem Mikroskop zeigte sich, dass alle untersuchten Spinnen keine Giftdrüsen im Kopf besitzen – ein Merkmal, das bei den meisten Spinnenarten üblich ist. Stattdessen entdeckten die Forschenden kleine, ungewöhnlich geformte Muskeln. Auch die Fangzähne wiesen keinerlei Kanäle auf, durch die Gift hätte injiziert werden können.
Weitere Analysen ergaben, dass die Gene zur Produktion der Giftstoffe stark im Mitteldarm der Spinne aktiv sind. Das dort erzeugte Gift unterscheidet sich chemisch von dem anderer Spinnenarten, erwies sich jedoch als ebenso tödlich: Tests an Fruchtfliegen zeigten eine hohe Wirksamkeit. Die Forschenden vermuten, dass die speziellen Muskeln im Kopf helfen, das Gift nach aussen zu pressen. Lange Zeit war unklar, wie Federfuss-Spinnen ihre Beute töten, da ihnen die Giftdrüsen dazu offenbar fehlen. Die neue Studie zeigt jedoch, dass sie über eine ebenso effektive, wenn auch ungewöhnliche Methode verfügen, um ihre Beute zu überwältigen. Neben neuen Einblicken in die Evolution von Spinnen könnten die Ergebnisse auch die Grundlage für zukünftige Forschung an bislang unbekannten Giftstoffen bilden.
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