Der Blutweiderich: des einen Freud, des andern Leid

Blühender Blutweiderich mit Schmetterling

In Europa freut sich eine Vielzahl an Insekten und Kleintieren, wenn der Blutweiderich blüht.

Amphi/Shutterstock.com

Europäische Wildstaude
In der Natur blüht jetzt der Blutweiderich. Während sich in Europa die Insekten ab der einheimischen Pflanze freuen, ist die Staude andernorts invasiv und unerwünscht.

Der Blutweiderich ist eine Augenweide. Wer die schlanke Staude mit ihren hohen Blütenständen nämlich genauer anschaut, erkennt, wie hübsch und filigran die kleinen, pinken Blüten sind. Zu sehen sind diese jetzt in der Natur, vor allem an feuchten Standorten wie Fluss- und Seeufern.

Und nicht nur Menschen freuen sich ab dem blühenden Blutweiderich. Die Pflanze ist in der Schweiz heimisch und bietet daher Nahrung und Unterschlupf für Insekten und andere Kleintiere.

Doch das ist nicht überall so. Während Naturschützende hierzulande invasiven Pflanzen wie der Kanadischen Goldrute oder dem Drüsigen Springkraut den Garaus zu machen versuchen, gibt es natürlich auch auf andern Kontinenten solche gebietsfremde Gewächse, die sich unkontrolliert vermehren und ganze Landstriche einnehmen können. Eine solche invasive Art in Nordamerika ist der Blutweiderich.

Wie die kanadischen Websites invadingspecies.com und invasivespeciescentre.ca schreiben, wurde der Blutweiderich in Nordamerika im 19. Jahrhundert eingeführt. Einerseits seien seine Samen in europäischer Erde quasi als «blinde Passagiere» mitgereist, andererseits wurde er von Siedlern aus der alten Welt auch bewusst als Zierpflanze in Gärten gesetzt.

Invasiver Blutweiderich in Kanada

Käfer sollens richten
Verwildert er erst einmal, setzt sich der konkurrenzstarke Blutweiderich dann gegen in Nordamerika heimische Pflanzen schnell durch – immerhin kann eine einzelne Pflanze bis zu 2,7 Millionen Samen pro Jahr produzieren. Diese bilden dann so dichte Bestände, dass an gewissen Standorten die einheimischen Pflanzen um 50 Prozent zurückgegangen sind. Der Blutweiderich ist sogar in der Lage, die Wasserstände in Feuchtgebieten zu beeinflussen und damit das Gleichgewicht des Ökosystems durcheinander zu bringen.

Um der «purpurnen Plage», wie der Blutweiderich in den USA und in Kanada auch genannt wird, Herr zu werden, setzt Kanada unter anderem auf biologische Schädlingsbekämpfung – allerdings auch wieder durch eingeführte Arten. Galerucella calmariensis und Galerucella pusilla sind zwei Arten von europäischen Blattkäfern, die sich vorwiegend vom Blutweiderich ernähren. Sie sind in der Lage, die Bestände signifikant zu reduzieren. Invasiv zu vermehren wie ihre Lieblingsspeise scheinen sie sich aber nicht. Die kanadische Regierung hat ihren Einsatz bereits 1992 genehmigt.

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