Begrüssungspfiffe im Zürcher Zoo

Graupapagei in der Lewa-Anlage im Zoo Zürich

Dieser Graupapagei begrüsst Besucherinnen und Besucher in der grossen Schwarmvoliere.

Lars Lepperhoff

Graupapageien
Wer die neue Lewa-Savanne im Zoo Zürich besucht, wandert zuerst durch eine Schlucht. Dort pfeifen aus luftiger Höhe Graupapageien mit roten Schwänzen. Die neue begehbare Grossvoliere für diesen gefährdeten Papagei ist einzigartig.

Die Spannung steigt, sobald sich der Weg durch die Vegetation hinunterschlängelt. Der Besuch am Horn von Afrika war eindrücklich. Blutbrustpaviane sassen auf Vorsprüngen einer Felswand und äugten ins Gebirge, wo Riesenlobelien ihre schwertartigen Blätter entfalteten. Nun geht die Reise im Zürcher Zoo weiter nach Kenia. Was sind das plötzlich für melodiöse Pfiffe? Des Rätsels Lösung zeigt sich schnell in Form von kleinen, grauen Punkten mit Tupfern von leuchtendem Rot in luftiger Höhe.

Schon von Weitem sieht man Graupapageien zuoberst auf Seilen sitzen. Der Weg führt direkt in eine Schlucht, die man über einen Blechverschlag betritt, wie er in Afrika stehen könnte. Ein Holzsteg führt entlang einer Felswand. Regen prasselt immer heftiger. Manche Graupapageien sitzen still da und lassen die Tropfen am Gefieder abperlen, andere ziehen es vor, unter dem gedeckten Bereich in der Höhe auf Seilen zu sitzen, und scheinen sich zu amüsieren, wenn Besucher, erstaunt ob ihren Pfiffen, in die Höhe schauen.

Manche fliegen im oberen Bereich durch einen Eingang im Felsen in den Innenraum. Einer geniesst den Regenguss, flattert in die belaubten Weiden, spreizt seine Flügel und profitiert von der zusätzlichen Nässe, die von den Laubästen auf ihn tropft, wenn er wippt und mit den Flügeln schlägt. Schliesslich entschlüpft der Besucher dieser Welt wiederum durch eine Blechhütte und findet sich in der Zürcher Lewa-Savanne wieder, deren Pendant sich im Zentrum Kenias befindet (lesen Sie hier unsere Reportage).

Einzug der Graupapageien in den Zoo Zürich

Die Graupapageien kommen in Kenia in einem Restbestand im Kakamega-Wald vor. Auch dort begrüssen sie frühmorgens pfeifend den jungen Tag, sitzen auf den obersten Ästen von Urwaldbäumen und verschwinden dann irgendwo im Grün. Wenn am Nachmittag heftige Gewitterregen über diesen verbliebenen Regenwald mit zentralafrikanischer Fauna und Flora niederprasseln, bleiben sie im wuchernden Grün verborgen.

Graue aus APS und Spanien
«Wir wollen Lebensräume zeigen, Wissen vermitteln und einen Beitrag zur Arterhaltung leisten», erklärt Alex Rübel, der Ende Juni nach fast 30 Jahren als Zoodirektor in Pension ging. Der Veterinär schrieb einst seine Dissertation über Papageien zum Thema «Röntgenuntersuchungen von inneren Krankheiten von Psittaciden» und freut sich besonders über die 24 Graupapageien. Auch sein Nachfolger Severin Dressen hat eine Affinität zu ihnen. Der ehemalige zoologische Leiter und stellvertretende Direktor des Wuppertaler Zoos sagt: «Bevor wir eine Grossvoliere für Papageien planten, führte ich einen Arbeitsaufenthalt im Loro Parque in Teneriffa durch.» Dort habe er Erfahrungen mit Papageien in Gruppenhaltung gesammelt.

Das Geschlechterverhältnis der Zürcher Graupapageien ist ausgewogen, die Herkunft der Vögel aber völlig unterschiedlich. Zwölf stammen aus der Auffangstation für Papageien und Sittiche (APS) in Matzingen TG. Es handelt sich um Abgabetiere, die vorher als zahme Vögel bei Menschen lebten. Weitere zwölf Graupapageien kommen von Psittacus Catalonia bei Barcelona in Spanien. Es sind Elternaufzuchten von 2018.

Die Vögel kamen per Lufttransport mit der Swiss nach Zürich. Alle wurden untersucht und zuerst in Quarantäne in einer kombinierten Innen- und Aussenvoliere zusammengesetzt. «Es hat überhaupt keine Probleme untereinander gegeben», sagt Rübel. In der Quarantänestation befindet sich ein Telefon, das immer wieder schrillt. Nun ist der Ton in der Grossvoliere aus grosser Höhe zu hören. Manche Graupapageien imitieren ihn treffend. Das ist nicht aussergewöhnlich, denn auch Vögel im Freiland ahmen Stimmen anderer Vögel nach.

Dass der Zürcher Zoo Graupapageien aus der APS aufgenommen hat, zeigt, wie gross das Engagement des Zoos ist. «Auch das ist eine Aufgabe der Zoos, solchen Vögeln eine artgerechte Unterbringung zu bieten», sagt Alex Rübel. Diesen Papageien werde ein Leben ermöglicht, wie sie es nie vorher hatten: im Schwarm mit Artgenossen wie in ihrer ursprünglichen Heimat Zentralafrika.

Einige wenige scheinen mit den neuen Bedingungen nicht zurechtzukommen, wie Beobachtungen zeigen. Im Innenraum werden sie in separaten Volieren gehalten. Wenn sie nicht die volle Flugfähigkeit erlangen, ist eine dauerhafte Haltung in der 400 Quadratmeter grossen und an den höchsten Stellen ungefähr acht Meter hohen Voliere nicht möglich. Sie können wieder in die APS zurück, wo sie beste Pflege und Volieren erwarten, die ihnen entsprechen. Bisher musste nur ein Vogel zurückgegeben werden, drei weitere werden derzeit intensiv beobachtet. Alle Vögel sind gechippt und beringt. Zur Individualerkennung tragen sie Farbringe.

Kalkgrit über dem Obst
In die Felswände der Voliere integriert sind insgesamt zwölf Nistkästen. «Ein Paar habe ich schon daran beobachtet», sagt Alex Rübel. Im Kasten befänden sich Holzschnitzel. Insgesamt rechnet man noch nicht mit Bruttätigkeiten, da die Vögel aus Spanien noch sehr jung sind. Immer wieder fliegen die Graupapageien auch in den Vegetationsstreifen aus Berberitzen, Korkeichen, Seidenakazie und Weidenarten. Severin Dressen sagt: «Es scheint, dass wir so viele Pflanzen in der Voliere haben, dass sie sie nicht nachhaltig beschädigen.» Er hoffe, dass sich eine Vegetationsdynamik entwickelt, sodass es durch die Masse an Grün gar nicht mehr dazu kommt, dass die Graupapageien alles abnagen. 

Gefüttert werden die Graupapageien im Innenraum und in der Grossvoliere. Ein Tierpfleger läutet mit einer Glocke, bevor er Futter anbietet. Damit will man die Vögel trainieren, sodass sie auf den Ton hin reinkommen. Am Morgen gibt es klein geschnittenes Gemüse und Obst sowie eine Samenmischung, zu der auch Sonnenblumenkerne gehören, und am Nachmittag Pellets.

Mit Kalzium werden die Vögel einerseits über die Pellets versorgt. Zusätzlich erhalten sie Kalkgrit, das über Obst und Gemüse gestreut wird. Wasser wird an mehreren Stellen und auf verschiedenen Höhen in der Innenanlage sowie in der Aussenvoliere angeboten. Zusätzlich haben die Vögel auch einen kleinen Teich zur Verfügung. Die Aussenvoliere kann künstlich beregnet werden. Zweimal jährlich wird der Kot auf Parasiten untersucht.

Die Zürcher Graupapageien sind Botschafter des zentralafrikanischen Regenwalds. Sie im Flug und im Schwarm beobachten zu können ist einzigartig, denn eine solche Grossvoliere hat bisher kein Zoo für diese populäre Papageienart Afrikas realisiert. In der Natur ist es sehr schwierig, sie zu sehen, die Afrikareise im Zürcher Zoo garantiert aber Begegnungen mit ihnen.

Autor

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff

Lars Lepperhoff ist Redaktor der «Tierwelt» und des «Kleintierzüchters», wo er wöchentlich Porträts über Tierhalter schreibt. Ziervögel sind sein Spezialgebiet. Darum pfeifen in seiner Wohnung Graupapageien aus einer Zimmervoliere, Wasser plätschert im Aquarium und exotische Pflanzen wuchern. Auf Reisen besucht er nicht nur Ursprungsgebiete tropischer Vögel, sondern besonders auch Zoos, Botanische Gärten und Tierhalter. Er ist Autor von Büchern und zahlreichen Fachartikeln.

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