Honig aus dem eigenen Garten

Biene voller Pollen auf Löwenzahn
Garten
Das Imkern liegt offensichtlich im Trend: Schliesslich fördert diese Tätigkeit nicht nur die Bienen, sondern beschert erst noch wohlschmeckenden Honig. Fakt ist aber auch, dass man sich fachgerecht vorbereiten muss, um dem Hobby im eigenen Garten frönen zu können.

Seit den 1950er-Jahren ist die Zahl der Imker in der Schweiz stetig gesunken. Bis der Schweizer Regisseur Markus Imhoof 2012 seinen vom weltweiten Bienensterben handelnden Dokumentarstreifen «More Than Honey» in die Kinos brachte. «Der Film hat ein derart grosses Interesse am Imkern ausgelöst, dass manche Bienenzüchtervereine plötzlich Wartelisten führen mussten», sagt Bruno Reihl, Zentralvorstandsmitglied von BienenSchweiz – der Dachorganisation der Imkersektionen der Deutschschweiz und ihrer Kantonalverbände. Laut Zahlen von Agroscope gehört die Schweiz heute mit durchschnittlich vier Völkern pro Quadratkilometer zu den Ländern mit den höchsten Bienendichten. Dafür verantwortlich zeichnen rund 17 500 Imker mit ihren insgesamt gut 165 000 Völkern.

Reihl, der sich schon als Teenager mit der Imkerei beschäftigte, nach seinem Studium aber mit dem Hobby jahrzehntelang pausierte, nennt heute 35 Bienenvölker sein eigen. 2020 bescherte ihm im Schnitt jedes von diesen zwischen 15 und 20 Kilo Honig. Seine Tätigkeit trägt ihm Jahr für Jahr auch gegen die 100 unangenehme Bienenstiche ein. «Mit der Zeit wird man immun dagegen», sagt Reihl, der auch leitender Bieneninspektor der Urkantone ist.

Für Allergiker ist die Imkerei allerdings nichts. Wer sich für die Bienenhaltung interessiert, sollte laut dem Experten vorzugsweise handwerklich begabt sein und ein Verständnis für die Natur und ihre jahreszeitlichen Abläufe mitbringen. «Auch eine ruhige Hand ist von Vorteil – eine solche hält nämlich auch die Bienen ruhig», erklärt Reihl. Und nicht zuletzt sollte man über genügend Zeit verfügen, denn das Hobby nimmt gut und gerne wöchentlich einen ganzen Tag in Anspruch. «Und Ferien liegen eigentlich nur im Winter drin, wenn die Bienen nicht aktiv sind», ergänzt Reihl.

Wer mit dem Gedanken spielt, in seinem Garten Bienen zu halten, sollte sich unbedingt zuerst mit seinen Nachbarn absprechen. «Wenn ein Bienenstich bei diesen zu einer Allergie führt oder gar einen anaphylaktischen Schock auslöst, dann kann das zum Haftungsfall werden», erklärt Reihl. Ähnlich äussert sich auch Rolf Portmann. Der Gartenbauunternehmer, der auch als Vorstandsmitglied des Imkervereins Wolhusen-Willisau amtiert, zweifelt sogar daran, dass sich in einer Einfamilienhaussiedlung imkern lässt. «Es ist nur angezeigt, wenn der Garten etwas abgelegen oder sogar in der Nähe eines Waldrandes liegt.» 

Den Garten bienentauglich machen
Schliesslich umfasst jedes Volk gegen 40 000 bis 60 000 Bienen – eine Zahl, die verdeutlicht, dass Konflikte in dicht besiedelter Umgebung programmiert sind. Alternativ komme beispielsweise das Flachdach eines Hochhauses in urbaner Umgebung in Frage. «Denn in der Stadt blüht immer etwas», sagt Portmann.

Wer überzeugt ist, dass sein Garten fürs Imkern taugt, sollte zwingend als Erstes einen Grundkurs belegen, bevor er oder sie loslegt. Dieser nimmt 18 Halbtage, verteilt über zwei Jahre, in Anspruch. «Es gibt auch Leute, die sich stattdessen auf Youtube-Videos abstützen wollen, um sich über das Imkern zu informieren. Das misslingt meistens», erklärt Bruno Reihl. So oder so ist es Pflicht, dem Veterinäramt zu melden, dass man Bienenvölker hält. Und seinen Garten so zu gestalten, dass er möglichst bienentauglich ist. «Gut ist es, wenn auf dem Grundstück mindestens zwei bis drei Laubbäume wie Weide oder Hasel stehen», sagt der Fachmann. Diese sorgen im Sommer für den von den Bienen benötigten Schattenwurf und gewährleisten in der kalten Jahreszeit ausreichende Lichtverhältnisse im Garten. 

Hinzu kommt, dass der Standort eines sogenannten Bienenmagazins tendenziell trocken und windgeschützt sein sollte sowie das Flugloch nach Südosten ausgerichtet sein. Bietet der gewählte Standort den Bienen zudem ausreichend Blüten, dann komme das einem Bonus gleich. «Denn den Nektar benötigen die Tiere als Energiequelle, die Pollen als Proteinnahrung», sagt Reihl. Insbesondere nach der Winterruhe seien die Bienen auf Frühblüher wie Schneeglöckchen, Krokus oder Winterling angewiesen. 

Wer hingegen an seinem geliebten Steingarten festhalten möchte, sollte seine Hände besser vom Imkern lassen. «Diese Gärten sind für Bienen wertlos.» Aber auch Thujahecken oder Wacholder wirken auf die Insekten alles andere als anziehend, konstatiert Reihl. «Während Mohn- oder Kornblumen für Bienen attraktiv sind, wissen sie mit Forsythien ebenfalls nichts anzufangen.» 

Rolf Portmann rät dazu, den eigenen Garten mit vielen verschiedenen Pflanzen zu bestücken. «Möglichst einheimische, und zwar solche, die zu unterschiedlichen Zeiten zwischen März und Oktober blühen.» Wer über eine wilde Blumenwiese verfüge, sei im Vorteil. «Will man diese betont bienenfreundlich halten, sollte man höchstens einmal Mitte Juni und dann wieder im Oktober mähen, mehr nicht.» 

Honig erzählt eigene Geschichte
Bienen fliegen auf ihrer Nahrungssuche tagtäglich bis zu drei Kilometer. Dennoch sei es empfehlenswert, wenn sich in der näheren Umgebung ein vielfältiges Nahrungsangebot aus Kirschblüten, Löwenzahn, blühendem Efeu und zahlreichen anderen Blütenpflanzen findet, hält der ausgebildete Gärtner fest. Grundsätzlich seien Bienen blütentreue Insekten. Was bedeutet, dass diese den ganzen Tag dieselbe Blütenart bestäuben.

Doch wie halten es Bienenbesitzer mit dem Einsatz von Mitteln zur Schädlingsbekämpfung? «Man sollte keine synthetischen Insektizide wie Neonikotinoide einsetzen. Ich selbst verwende mehrheitlich biologische Mittel, wie etwa Brennesseljauche, achte aber darauf, nie in die offene Blüte zu spritzen», sagt Portmann, der seine 18 Völker übrigens auf einem Bauernhof eingemietet hat. 

Bruno Reihl würde zwar den von seinen Bienen produzierten Honig bei einem Blindtest nicht erkennen, «aber ich würde bemerken, ob es sich um einen Honig aus dem Jura oder um ein voralpines Produkt handelt. Aus meiner Sicht schmecken Mischhonige am besten.» In seinem stecken etwa Löwenzahn, Lindenblüten oder Kastanien. Folgerichtig erzähle ein solcher Honig seine ganz eigene Geschichte. Was nicht zuletzt einer der Gründe dafür sein dürfte, dass die Imkerei weiterhin an Popularität zulegt.

www.bienen.ch

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