Seit 1998 ist das Herdebuch der Freibergerrasse geschlossen. Durch den somit fehlenden Eingang von frischem Blut, also fremder Genetik, nimmt die Wahrscheinlichkeit von Anpaarungen miteinander verwandter Tiere zu. Der Verwandtschaftsgrad innerhalb der relativ kleinen Population steigt und gleichzeitig nimmt die genetische Vielfalt ab. Wie können so die Diversität innerhalb dieser einzigen Pferderasse mit Ursprung in der Schweiz gewährleistet sein und gleichzeitig Zuchtfortschritte erzielt werden?
Eine weitverbreitete Meinung ist, dass der Problematik des steigenden Verwandtschaftsgrades mit der Einkreuzung neuer Blutlinien entgegengewirkt werden kann. Dies ist jedoch zu kurzfristig gedacht und kann eine gegenteilige Entwicklung auslösen. Da sich viele Züchter auf den neuen Kreuzungshengst stürzen würden, vermehrte sich dessen Genetik überproportional stark, was schlussendlich wieder eine Verringerung dergenetischen Vielfalt zur Folge hätte.
Virtuelles Fohlen
Das Schweizerische Nationalgestüt von Agroscope hat in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Freibergerverband und der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften an einer besseren Lösung getüftelt und vor etwas mehr als zehn Jahren ein digitales Anpaarungsprogramm entwickelt. Zugang auf das Programm mit dem Namen Poulain virtuel oder zu Deutsch Virtuelles Fohlen hat jeder Interessierte via Internet über die Website Poulainvirtuel.ch. Züchter können sich die Frage beantworten lassen, welcheAnpaarung unter dem Gesichtspunkt der möglichst geringen Verwandtschaft und einem möglichst grossen Zuchtfortschritt am günstigsten ist. Für im Zuchtbuch eingetragene Stuten und Hengste können virtuelle Anpaarungen vorgenommen werden. Dabei kann ermittelt werden, zu wie viel Prozent die beiden Elterntiere miteinander verwandt sind, welchen Inzuchtgrad dasFohlen aufweist und sogar welche Zuchtwerte das Jungtier etwa erreichen würde. Also wie viele weisse Abzeichen es aufweisen würde und welche Bewertungen im Exterieur sowie in der Eignung als Reit- und Fahrpferd es erhalten würde.
Aber natürlich kann das Computerprogramm nicht exakt vorhersagen, welche sportlichen und züchte-rischen Leistungen das Fohlen tatsächlich erzielen wird. Aufgezeigt werden nämlich lediglich genetische Tendenzen. Umwelteinflüsse wie die Aufzucht, Haltung, Fütterung und das Training des jungen Pferdes haben einen ebenso starken Einfluss auf seine Karriere.

