Prozessionsspinner
Gefährlicher Marsch im Grünen
Er sieht aus wie ein Naturphänomen, ist aber eine echte Gesundheitsgefahr: der Eichen-Prozessionsspinner. Er breitet sich aus, profitiert vom Klimawandel und sorgt jeden Sommer für unangenehme juckende Begegnungen.
Er kommt leise, fast unbemerkt. Und dann ist er plötzlich da, in Parks, an Waldrändern, entlang von Spazierwegen. Der Eichen-Prozessionsspinner gehört längst zu den festen Sommerbegleitern in vielen Regionen der Schweiz. Vom Westen hat er sich über Basel bis nach Zürich ausgebreitet. Seinen Namen verdankt er einem eigentümlichen Verhalten: In langen Reihen wandern die Raupen hintereinander her, wie in einer Prozession. Kopf an Hinterleib, scheinbar perfekt organisiert. Wer das zum ersten Mal sieht, bleibt stehen, fasziniert. Und ahnt oft nicht, dass bereits eine Gefahr in der Luft liegt.
Denn so unscheinbar die Tiere wirken, so wehrhaft sind sie. Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln sie winzige Brennhaare, mehrere Hunderttausend pro Raupe. Diese enthalten ein Nesselgift namens Thaumetopoein. Sie brechen leicht ab, werden vom Wind verbreitet und bleiben in der Umwelt über Jahre wirksam. Das Tückische ist, dass man die Raupen nicht einmal berühren muss. Es reicht, unter einem befallenen Baum zu stehen oder daran vorbeizugehen.
Die Folgen spüren viele erst später. Ein unangenehmes Jucken setzt ein, die Haut reagiert mit Rötungen oder Quaddeln. Manche klagen über gereizte Augen, andere über Husten oder Atembeschwerden. In seltenen Fällen kommt es zu stärkeren allergischen Reaktionen. Mediziner sprechen von Raupendermatitis, ein Begriff, der harmlos klingt für das, was Betroffene erleben: intensiven, oft tagelangen Juckreiz. Die Raupen selbst sind nur ein Teil des Problems. Mindestens genauso heikel sind ihre Nester. Die grauweissen, watteartigen Gespinste kleben an Stämmen oder hängen in Ast-gabeln. Darin häuten sich die Tiere mehrfach und hinterlassen grosse Mengen Brennhaare. Selbst wenn die Raupen weitergezogen sind, bleiben die Nester belastet. Wer sie berührt oder sich in ihrer Nähe aufhält, kann auch noch Tage später Beschwerden entwickeln.
Unsichtbare Wege, reale Gefahr
Kurios ist, wie strikt die Tiere ihren «Marschplan» einhalten. Die Prozessionen folgen oft denselben Routen am Baum, wie unsichtbare Trampelpfade. Forschende vermuten Duftstoffe als Orientierung.
Auch ihre Vorliebe für Eichen ist kein Zufall: Die Blätter liefern genau die Nährstoffe, die sie brauchen. Bei starkem Befall können ganze Baumkronen kahl-gefressen werden. Die wichtigste Regel ist: Abstand halten. Befallene Bäume sind häufig markiert oderabgesperrt. Die Entfernung der Nester gehört in fachkundige Hände.
Für den Alltag gilt:
• Befallene Gebiete meiden
• Kleidung nach möglichem Kontakt sofort waschen
• Duschen und Haare gründlich reinigen
• Bei stärkeren Reaktionen ärztliche Hilfe suchen
Wer Kontakt vermutet, sollte Kleidung wechseln und gründlich duschen. Bei stärkeren Beschwerden hilft nur noch der Gang zur Ärztin oder zum Arzt.
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