Umweltverschmutzung
PFAS – Die Ewigkeitschemikalien und ihre Gefahren für Umwelt, Gesundheit und Lebensmittel
Kaum ein Umweltproblem wächst derzeit so unauffällig und zugleich so hartnäckig wie die Belastung durch die «Ewigkeitschemikalien» PFAS. Sie sind allgegenwärtig, gesundheitsschädlich und stellen Behörden vor grosse Herausforderungen.
Vier Buchstaben machen aktuell überall Schlagzeilen: PFAS. Hinter der Abkürzung stecken per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, synthetische Industriechemikalien, die seit den 1950er-Jahren hergestellt werden. «PFAS werden in unzähligen Produkten und Anwendungen eingesetzt, etwa in wasserfester Kleidung, Löschschaum, Kosmetika, Antihaftbeschichtungen (Teflon), Lebensmittelverpackungen, als Kältemittel oder als Dichtungs- oder Isolationsmaterial», informiert Dorine Kouyoumdjian vom Bundesamt für Umwelt (BAFU). Bei der Herstellung, Verwendung und Entsorgung gelangen die fett-, schmutz- und wasserabweisenden Chemikalien in die Umwelt, wo sie praktisch nicht abgebaut werden können. Sie werden daher auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet.
Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Ort gefunden wird, der durch PFAS belastet ist. So war keine einzige der 146 während eines Pilotversuchs untersuchten Schweizer Bodenproben PFAS-frei, und auch bei den meisten Schweizer Gewässern sind die Grenzwerte längst überschritten. Dort können sie praktisch nicht abgebaut werden, werden von Organismen aufgenommen und reichern sich in ihnen an. 2025 fanden Forschende gar am Matterhorn PFAS-Spuren in einer 15-fach erhöhten Konzentration als an anderen untersuchten Standorten – verursacht durch Chemikalien, die über Skiwachs, Imprägniersprays und Kleidung in die Umwelt gelangten.
Für immer im Körper
PFAS werden von Organismen – darunter Pflanzen und Tiere – leicht aufgenommen und reichern sich schnell an. Vom Wasser gelangen die Chemikalien so zum Beispiel in Fische, sodass diese vielerorts die kritischen Grenzwerte für PFAS überschreiten. So verfügte der Bund, dass Egli und Hecht aus dem Zugersee seitNovember 2025 nicht mehr als Lebensmittel verkauft oder abgegeben werden dürfen, da sie die lebensmittelrechtlichen Höchstgehalte für PFAS überschreiten. Das Gleiche gilt seit März 2026 für Hecht aus dem Hallwilersee. Fischfressende Vögel und Säugetiere sind jedoch auf schwimmende Beute angewiesen. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) listet PFAS so als eine der Gefahren für den Fischotter auf, der in der Schweiz erst seit kurzem wieder heimisch, aber stark bedroht ist. Wissenschaftlerinnen gehen davon aus, dass die Chemikalien die Fortpflanzung der Tiere nachhaltig stören können.
Konkrete Massnahmen: Unbekannt
Zahlreiche Studien haben mittlerweile auch die schädliche Wirkung von PFAS auf den menschlichen Körper nachgewiesen: veränderter Hormonhaushalt, Leber- und Nierenschäden, veränderte Cholesterinwerte,Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung, geschwächte Immunantwort – die Liste könnte praktisch endlos fortgeführt werden. Vermeiden lässt sich der Kontakt mit PFAS allerdings nicht. Der Mensch nimmt die Chemikalien zwangsläufig über die Nahrung und das Trinkwasser auf.
«Bund und Kantone haben entsprechend zahlreiche Massnahmen zur Verringerung der Belastung durch PFAS ergriffen oder geplant», berichtet Dorine Kouyoumdjian. «Beispielsweise bestehen verschiedeneRegulierungen mit Verboten für die Herstellung, das Inverkehrbringen oder die Verwendung von PFAS.» Auch die europäischen Behörden haben damit begonnen, eine umfassende Regulierung aller PFAS zu prüfen. «Ziel ist es, international die Belastung von Mensch und Umwelt durch PFAS so weit wie möglich zu vermeiden und bereits bestehende Belastungen nicht weiter zu erhöhen», so Kouyoumdjian. Konkrete Umsetzungen seien jedoch noch Zukunftsmusik. «Sichere PFAS-Alternativen sollen dort eingesetzt werden, wo sie verfügbar sind. Für viele weitere Anwendungen müssen Alternativen erst noch entwickelt und auf ihre Sicherheit geprüft werden. Die Sanierung von Trinkwasser und Böden ist grundsätzlich möglich, lässt sich jedoch sinnvollerweise nur punktuell einsetzen.» Somit ist klar, dass uns das Thema «Ewigkeitschemikalien» noch lange beschäftigen wird.
PFAS vermeiden
- Einweggeschirr und (Fast-Food-)Verpackungen vermeiden. Mehrweg-Geschirr aus Glas, Keramik oder Metall verwenden.
- Bei Backpapier stecken PFAS in der Antihaftbeschichtung. Auch hier sind mittlerweile PFAS-freie Produkte auf dem Markt.
- Statt teflonbeschichteten Pfannen solche aus Eisen, Edelstahl oder Emaille verwenden.
- Verzicht auf PFAS-haltige Pflanzenschutz-mittel.
- Farben und Lacke enthalten sehr oft PFAS. Hier auf umweltfreundliche Produkte setzen.
- PFAS sind in vielen Sonnen- und Gesichtscremes, Make-up und Gesichtsmasken enthalten. PFAS-freie Kosmetika sind zwar erhältlich, aber nicht immer entsprechend deklariert. Jedoch enthalten zertifizierte Naturkosmetika keine künstlich hergestellten Chemikalien wie PFAS.
- Bei Outdoor-Kleidung gezielt auf den Verzicht von PFAS achten. Marken wie Patagonia, Mammut und Fjällräven sind hier Vorreiter, doch auch Deuter bietet PFAS-freie Ausrüstung an. Beim Imprägnieren Wachse oder PFAS-freie Produkte verwenden.
- PFAS-freies Skiwachs verwenden.
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