Essen statt Spritzen
Das fast vergessene Potenzial der Blacken in der Wildkräuterküche
Kaum eine andere Pflanze ist in der Landwirtschaft so verhasst. Dabei galten Blacken einst als nährstoffreiche Lebensmittel für Mensch und Tier. Steht dem vermeintlichen Unkraut in der boomenden Wildkräuterküche nun ein Comeback bevor?
Wer schon einmal mit Blacken zu tun hatte, verbindet damit meist wenig erfreuliche Erinnerungen. Ob in den Bergen oder im Tal – überall kämpfen Weidenbesitzer gegen die Ausbreitung der hartnäckigen Pflanze. Das berüchtigte Blackenstechen ist eine mühselige Arbeit, bei der oft Familie und Freunde gemeinsam anpacken. Vielerorts wird der unerwünschte Ampfer gespritzt, um bei der Bekämpfung Zeit zu sparen.
Doch anstatt sie mit allen Mitteln vernichten zu wollen, liesse sich die Pflanze auch kulinarisch nutzen. Denn Ampfern sind nichts anderes als die wilde Form des Rhabarbers und werden mancherorts immer noch «Mönchsrhabarber» genannt.
Milder Geschmack
Ähnlich wie Rhabarber sollten Blacken nicht roh verzehrt werden. Der hohe Gehalt an Oxalsäure schmeckt nicht nur bitter, sondern kann in grösseren Mengen giftig sein. Gekocht, gebraten oder gebacken überzeugen sie jedoch mit einem bemerkenswert milden Geschmack, wie Wildkräuterexpertin Gisula Tscharner verspricht: «Aus den Stängeln der Alpen-Ampfern mache ich Rhabarberkompott, der viel feiner und sogar weniger sauer ist als der aus dem Garten.» Eine Ausnahme bilde der Sauerampfer, der seinem Namen alle Ehre macht. Doch auch dieser ist verwertbar. «Als Kinder kauten wir die Stängel an heissen Tagen wegen ihres erfrischenden Geschmacks», verrät Tscharner.
Grundsätzlich sind alle Ampferarten essbar, auch wenn sie sich geschmacklich unterscheiden. Der Alpen-Ampfer etwa besitzt besonders grosse Blätter, die sich hervorragend für «Blackenpäckli» eignen. Tscharner erklärt das Vorgehen: Einfach eine Brotfüllung mit Speckwürfeli oder ein Stück Käse in die Blätter einpacken, mit zwei Zahnstochern fixieren und über dem Feuer rösten.
Beim Stumpfblättrigen Ampfer, der vor allem im Tal wächst, seien die Samen der grösste Gaumenschmaus. «Die kann man abstreifen, mit etwas Sojasauce und Rapsöl anrösten und ab in den Backofen damit», so Tscharner. «So können sie auch nicht mehr versamen und verschwinden bald.»
Kampf gegen das Vergessen
Seit vielen Jahren schon setzt sich Gisula Tscharner für die Nutzung der verhassten Blacken ein. Doch ihre früheren Exkursionen darüber stiessen auf wenig Interesse. Nun schöpft die über 70-Jährige neue Hoffnung. «Die Wildkräuterküche ist enorm im Trend», freut sie sich und will es bald mit Vorträgen versuchen. «Einige ältere Bauern erinnern sich noch, wie ihre Eltern die Blacken wie Sauerkraut eingesäuert haben», weiss Tscharner. Auch als Futter für Schweine sei der Ampfer früher eingekocht worden. «Und denen hat man nur das Beste gegeben, denn die mussten ja gutes Fleisch ansetzen.» Grund genug, den verteufelten Pflanzen eine zweite Chance zu geben.
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