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Schnittblumen der besonderen Art

Blumen sagen mehr als tausend Worte. Was sie hingegen verschweigen: Viele Bouquets haben lange Transportwege hinter sich und reichlich Pestizide intus. Eine nachhaltige Alternative sind Slowflowers – frisch ab Feld.

Rund 800 Millionen Franken werden in der Schweiz jedes Jahr für Schnittblumen ausgegeben. Damit gehören wir im internationalen Vergleich zu den Spitzenreitern. Allein am Muttertag beläuft sich der Umsatz mit floralen Präsenten auf 40 bis 80 Millionen Franken. Woran wir uns auch längst gewöhnt haben: Rosen, Orchideen und Nelken sind das ganze Jahr über in allen erdenklichen Farben verfügbar – Winter hin oder her.

Umfragen zeigen: Konsumentinnen und Konsumenten wählen Bouquets vor allem aufgrund der Ästhetik und des Preises aus. «Bei Lebensmitteln spielen Anbaumethoden und Nachhaltigkeit für viele Menschen eine wichtige Rolle, bei Schnittblumen jedoch kaum», so die Erfahrung von Andrea Schwärzler, Inhaberin von «bluemefröid». Hinzu kommt: Ist bei Früchten und Gemüsen die Herkunftsangabe gesetzlich vorgeschrieben, fehlt sie bei Blumen in den meisten Fällen. Andrea Schwärzler leistet in ihrem Alltag oft Aufklärungsarbeit: «Wieso Import-Rosen im Frühling kaufen, wenn bereits inländische Tulpen erhältlich sind?» Eine Frage, die sie unlängst einer Bekannten stellte, die ihrer Tochter im März zum Geburtstag Rosen überreichen wollte.

Viele Schadstoffe, viel Plastik

Die Umweltbilanz von Schnittblumen im regulären Handel fällt ernüchternd aus: Rund 90 Prozent werden importiert und verursachen beim Transport hohe CO2-Emissionen. Auch der Wasserverbrauch, der in Trockengebieten wie Kenia für die Anzucht von Rosen erforderlich ist, erweist sich als problematisch. Ebenso wie die Pestizide, die für Transport und lange Haltbarkeit eingesetzt werden, in den Anbauländern aber im Boden und Grundwasser versickern.

Doch Blumenanbau ginge auch anders. Das sagten sich die Initiantinnen von Slowflower, als sie in den 2000-er Jahren in den USA Blumen und Nachhaltigkeit in einen Topf warfen. Seit 2019 verbreitet sich die Bewegung im deutschsprachigen Raum. «Schnittblumen sollen lokal wachsen und nur dann verkauft werden, wenn sie Saison haben», so die Überzeugung vonAndrea Schwärzler, die vor vier Jahren das Floristinnen-Metier auf dem zweiten Bildungsweg erlernte. Kurz darauf hörte sie erstmals von der Slowflower-Bewegung, fing Feuer und vertiefte sich im Selbststudium und mittels Weiterbildungen weiter ins Thema. Regional, saisonal und nachhaltig: Die Grundsätze von Slowflower gelten auf jeder Stufe der Produktion – vom Saatgut, über die Erde bis zur Verpackung der Sträusse. Weg von Plastik, Steckschaum, Pestiziden und chemischem Dünger hin zu einem biologischen Anbau. Weg von normierter Massenware hin zu natürlichen, wilden Sträussen, lautet die Devise. «Ich arbeite viel mit Gräsern, Stauden und Kräutern», erklärt die Sozialpädagogin, die hauptberuflich in einer Schule arbeitet.

In ihren Sträussen haben Lavendel, Pfingstrosen oder Dahlien ebenso einen Platz wie Minze oder Oregano. Auch krumm gewachsene Blumen werden mitunter Teil eines grossen Ganzen. Ihr jüngster Coup: Federkohl im Bouquet. «Ich lasse mich von der Natur immer wieder aufs Neue inspirieren», sagt Andrea Schwärzler und blickt auf ihre farbenprächtigen Beete, wo sich die Blumen der Sonne entgegenstrecken. Ihre Slowflowers kultiviert sie im historischen Schlossgarten in Köniz (BE) – einem biologisch bewirtschaftetenGemeinschaftsgarten.

Besonders gefalle ihr, dass sie mit «bluemefröid» sämtliche Prozesse vom Garten bis in die Vase abdecken könne, sagt die 61-Jährige mit sichtlicher Begeisterung. Sobald die Blumen geschnitten und die Sträussegebunden sind, schwingt sie sich zum Ausliefern gleich selbst aufs Lastenvelo. Ihre Kundschaft wächst von Saison zu Saison: Einmal pro Woche beliefert sie einen Bioladen in einem Quartier, aber auch bei Events in der Region, privaten Festen, Hochzeiten oder Firmenanlässen setzt sie mit ihren Kreationen optische Akzente. Saisonal heisst aber auch: Frische Blumen sind nur von April bis Oktober erhältlich, wenn sich der Garten in ein Blumenmeer verwandelt. Im Winter kommen Trockenblumen zum Zug. Einen Traum hat die Blumenfarmerin noch: Ein Blumenatelier, in dem sie Workshops mit Slowflowers anbieten kann. Bereits jetzt ist klar: Herkömmliches Steckmoos, Heissleim, Einwegplastik und gespritzte Blumen haben dort striktes Hausverbot.

Slowflowers ist für Andrea Schwärzler eine Herzensangelegenheit. Für ihre sorgfältig komponierten,eigenwilligen Sträusse erhält sie viel Zuspruch. «Sie zaubern den Menschen ein Lächeln ins Gesicht», so ihre Erfahrung.

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