Anspruchslose Sonnenanbeter

Fetthenne
Fetthennen
Die Fetthenne wurde vom Gärtnerverband Jardin Suisse zur Pflanze des Jahres gewählt. Aus gutem Grund: Das pflegeleichte Gewächs fühlt sich an vielen Standorten wohl und übersteht mühelos heisse und trockene Sommertage.

Anspruchslos, insektenfreundlich, trockenresistent, attraktiv: Mit all diesen positiven Eigenschaften wartet die Pflanzengattung Sedum – zu Deutsch Fetthenne – auf. Kein Wunder also, fiel die Wahl von Jardin Suisse, dem Unternehmerverband der Gärtner Schweiz, der dieses Jahr zum ersten Mal eine «Pflanze des Jahres» kürte, auf die genügsame Fetthenne. «In den letzten Jahren war es im Sommer oft sehr trocken. Da wollten wir auf eine Pflanzenart hinweisen, die mit solchen Bedingungen sehr gut zurechtkommt», erklärt Othmar Ziswiler, Leiter Gärtnerischer Detailhandel bei Jardin Suisse. «Zudem sind Sedum eine sehr vielfältige Art. Es gibt niedrige und hohe Arten, solche, die noch im Herbst blühen, und auch einheimische Arten.»

Über 450 Sedum-Arten gibt es weltweit, 15 davon sind in der Schweiz heimisch. Sie lassen sich grob einteilen in niedrige Arten, die oft Polster bilden, und spätblühende höherwüchsige Arten. Zu den niedrigen einheimischen Fetthennen gehört der mehrjährige Mauerpfeffer (Sedum album und Sedum acre). Mauerpfeffer ist immergrün und aufgrund seiner attraktiven sternförmigen Blüten als Bodendecker in den hiesigen Gärten weit verbreitet. «Bei den niedrigen Fetthennen gibt es eine Unmenge an verschiedenen Sorten und Arten, die in Form und Farbe variieren», sagt Regina Schurte, Obergärtnerin in der Gärtnerei Schwitter AG in Inwil LU. Die beliebteste Bodendeckersorte sei hierzulande Sedum floriferum «Weihenstephaner Gold», die sich mit ihren gelben Blüten im Garten teppichartig ausbreitet. 

Das ganze Jahr über eine Zierde
Höherwüchsige Arten sind eine Bereicherung für das Staudenbeet und lassen sich gut mit Ziergräsern, Herbstaster, Sonnenhut oder Ehrenpreis (Veronica) kombinieren. Bei den hohen Fetthennen gibt es mittlerweile zahlreiche Züchtungen, die in Weiss, Hellrosa oder kräftigem Dunkelrot bis in den Herbst hinein blühen. Gemäss Schurte sind vor allem die Sorten «Munstead Dark Red» und «Matrona» sehr attraktiv. Letztere erfreut den Betrachter nicht nur durch ihre lachsfarbenen Blüten, sondern auch durch ihren roten Stiel und ihr dunkles Laub. Ein Klassiker unter den spätblühenden Fetthennen ist die Sedum telephium «Herbstfreude». Von ihr gibt es verschiedene Züchtungen mit rosafarbenen, roten oder weissen Blüten sowie mit grünen oder rötlichen Blättern. 

«Man kann Sedum auch als Schnittblume für die Vase oder als Winterschmuck im Garten verwenden», empfiehlt Schurte. Trockene Blüten halten lange und harmonieren im Herbststrauss gut mit Hagebutten, Clematis und Hortensien. Die hohen Fetthennen ziehen sich im Winter in die Wurzeln zurück. Zurückschneiden sollte man sie erst im Frühling: Die Stängel dienen nicht nur als Winterschutz, sondern sorgen in der kalten Jahreszeit auch für Struktur im Garten. «Hohe Arten wie die ‹Matrona› sind im Winter, wenn sie von Frost überzogen sind, prächtig anzusehen», sagt Othmar Ziswiler. 

Überhaupt sind Fetthennen das ganze Jahr über eine Zierde im Garten: Im Frühling entzücken sie durch den Neuaustrieb, im Sommer bis in den Herbst entfalten sie ihre farbenfrohen Blüten, im Winter schmücken die Samenstände die ansonsten kahlen Beete. Einige polsterbildende Arten wie der Weisse Mauerpfeffer (Sedum album «Murale») verfärben sich im Herbst von Grün zu intensivem Rot und sorgen so für einen zusätzlichen Farbtupfer im Garten.

Nahrungsquelle für Insekten
Ob niedrig oder hoch: Allen Sedum-Sorten gemeinsam ist, dass sie Sonne lieben. Ihr deutscher Name Fetthenne bezieht sich auf die dicken Sukkulenten-Blätter, die der Pflanze als Wasserspeicher dienen und die sie zu einer Trockenkünstlerin machen. Aufgrund ihrer Trockentoleranz und Anspruchslosigkeit eignen sich Fetthennen gut für die Dachbegrünung oder für den Steingarten. Niedrige Sedum-Vertreter siedeln sich auch gerne in Mauerritzen und Plattenfugen an. Alle Sedum-Arten seien zudem eine gute Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten, erklärt Regina Schurte. Vor allem hohe Sorten blühen meist spät und bereichern so im Herbst das eher knappe Nektarangebot. Obwohl Sedum sonnenhungrig ist, kann es durchaus auch in Höhenlagen gepflanzt werden, sagt die Gartenexpertin.

Sedum sind genügsam und gedeihen auch dort, wo sonst nichts mehr wächst: neben dem Komposthaufen, auf dem Garagendach oder in der Ecke hinter dem Geräteschuppen – sofern sie genügend Sonne abbekommen. Die Stauden sind ideale Pflanzen für Gärtnerinnen und Gärtner, die wenig Zeit haben: Am besten wachsen sie, wenn man sie in Ruhe lässt. Fetthennen brauchen wenig Substrat und Wasser – selbst bei längeren Trockenphasen sollte man nur sparsam gies-sen. Auf Dünger kann man ebenfalls verzichten: Zu viele Nährstoffe schaden eher, als dass sie nützen.

Auch der Pflegeaufwand hält sich in Grenzen. Während bei den hohen Arten die vertrockneten Pflanzenteile vor dem Neuaustrieb im Frühling geschnitten werden, brauchen die polsterbildenden Arten gar keinen Schnitt. Einzig Staunässe mögen die Trockenspezialisten gar nicht. «Beim Pflanzen sollte darauf geachtet werden, dass das Wasser gut abfliessen kann», rät Othmar Ziswiler. Insbesondere im Winter gehen Sedum-Arten ein, wenn sie an einem zu feuchten Standort stehen, weil dann die Wurzeln faulen. 

Weil sie so pflegeleicht sind, kann man Fetthennen auch problemlos in Töpfe pflanzen. Dabei sollte man Substrate mit einem hohen Anteil an mineralischen Komponenten verwenden. Eine Drainage, etwa Sand oder Kies, sorgt für einen guten Wasserabzug und ausreichende Belüftung der Wurzeln. Wer von Sedum nicht genug kriegt, kann die Pflanze durch Teilung gut an einen anderen Standort im Garten versetzen. Ältere Pflanzen lassen sich auf diese Weise verjüngen. Sedum sät sich aber auch gerne selbst aus. 

Literaturtipps
Angela Beck: «Steingärten und Trocken-mauern», Verlag: Kosmos Verlag,
ISBN: 978-3-440-16057-2, ca. Fr. 15.–

Fritz Köhlein: «Das grosse Buch der Stein-gartenpflanzen», Verlag: Eugen Ulmer,
ISBN: 978-3-8001-6559-9, ca. Fr. 45.–

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