Gärtnern für Pantoffelhelden

Tomaten an Staude
Balkongarten
Wer seinen Balkon in ein Kräuter- und Gemüseparadies verwandeln möchte, muss sich kein Arsenal an Gartenwerkzeugen und Fachwissen zulegen. Um eine möglichst reiche Ernte zu erzielen, gilt es gleichwohl einiges zu beachten.

In Bern ist das Interesse an Gartenthemen in den letzten Jahren stetig gewachsen. Weshalb die Stadt 2020 mit Thomas Sterchi einen Fachmann für den Bereich Familiengärten und Urban Gardening engagiert hat. Laut Sterchi ist das Interesse am Urban Gardening insbesondere auf die stärker werdende Einsicht zurückzuführen, dass Biodiversität schlicht notwendig ist. «Viele wollen einfach Schmetterlingsblumen ansäen und nicht unbedingt Gemüse anbauen. Wir unterstützen beides, und das ausgesprochen gerne.»

Auf dem eigenen Balkon der Gartenlust zu frönen, bringe diverse Vorteile mit sich, sagt Sterchi. «Anders als bei einem Familiengarten hat man keinen ‹Arbeitsweg› und kann in den Pantoffeln ernten gehen. Zudem muss man in der Regel weniger jäten und Mäuse oder Schnecken sind ebenfalls kein Problem.» Auch spezifische Gartenwerkzeuge seien kaum erforderlich, sagt Sterchi. «Eine kleine Gartenschaufel wäre allenfalls praktisch, mehr an Speziellem braucht es eigentlich nicht.» 

Wer sein Balkonparadies dazu nutzen möchte, um sich und seine Küche selbst zu versorgen, sollte im Voraus die Grösse der ausgewachsenen Pflanze kennen und berücksichtigen. «Deswegen würde ich davon absehen, es an diesem Standort mit Kürbis oder Stangenbohnen zu versuchen.»

Eine Pflanze, ein Topf
Stattdessen empfiehlt er gängige Gemüsearten wie Tomaten, Gurken, Peperoni oder auch Salat. Diese liessen sich selbst von Anfängerinnen und Anfängern problemlos anbauen. «Und das Balkongeländer kann man dabei erst noch hervorragend als Kletterhilfe für die Pflanzen einsetzen», weiss der Berner.

Beim Gärtnern auf dem Balkon ist zu beachten, dass es diverse Pflanzen gibt, die einander stören, wenn sie im selben Topf untergebracht werden. So sollte man etwa  darauf verzichten, Schnittlauch gemeinsam mit Petersilie zu pflanzen, weil diese die vom Schnittlauch ausgesonderte Säure nicht verträgt. Gut gedeiht sie hingegen mit Salbei, Thymian oder Estragon. Ebenfalls nicht kombinieren sollte man beispielsweise Salbei mit Pfefferminze oder Rosmarin mit Estragon. 

«Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt es sich, für jede Pflanze einen eigenen Topf zu verwenden», sagt Sterchi. Und bei der Wahl eines solchen rät er zur Variante aus Ton. Denn anders als die Töpfe aus Kunststoff seien diese imstande zu atmen. «Der Topf sollte zudem lieber zu gross als zu klein sein, da kleinere Exemplare schneller austrocknen und die Nährstoffe der Erde in ihnen rasch aufgebraucht werden», erklärt der Experte.

Erzieherische Giessmassnahmen
Nicht vergessen gehen darf, dass Pflanzen hin und wieder gedüngt werden müssen. Vorzugsweise mit einem Substrat, das aus natürlichen Stoffen besteht. «Selbstverständlich sind die Balkonpflanzen zudem regelmässig zu giessen.» Dabei liessen sich diese durchaus erziehen: «Wenn man zunächst eher zurückhaltend giesst, gewöhnt sich die Pflanze daran und braucht später weniger Wasser.» Wer in seinem Balkonreich lieber auf Setzlinge anstatt auf Saatgut vertraut, habe bessere Aussichten auf eine reiche Ernte, betont Sterchi. «Selbst ansäen ist zwar spannend, aber aufwendig.» 

Apropos Ertrag: Dieser sei bei einem Bodenbeet natürlich höher, bloss: «Zwei, drei Tomatenpflanzen auf dem Balkon reichen meist bereits aus, damit man im Sommer keine der roten Früchte einkaufen muss.» Und welchen Tipp hat der Fachmann für wagemutige Balkongärtnerinnen und -gärtner in spe? «Man sollte es einfach mal versuchen. Und selbst wenn der Ertrag nicht so hoch wie erhofft ausfallen sollte, geniesst man zumindest alle Vorzüge seines grünen Balkons.» 

Literaturtipps
Ursula Kopp: «Alles Bio vom Balkon. Obst, Gemüse und Kräuter selber ziehen», Verlag: Bassermann, ISBN: 978-3-8094-4318-6, ca. Fr. 20.–

Melanie Grabner: «Balkonernte. Gestalten – Pflanzen – Naschen», Verlag: Kosmos, ISBN: 978-3-440-15896-8, ca. Fr. 15.–

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